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Vonovia-Chef: Übernehmen Deutsche Wohnen „auf jeden Fall“

Zwei Mal ist Rolf Buch, Chef des größten deutschen Wohnungskonzerns Vonovia, mit seinem Versuch gescheitert, den Konkurrenten Deutsche Wohnen zu übernehmen. Beim dritten Anlauf sieht er sich am Ziel.

Von Claus Haffert, dpa
In den vergangenen Jahren ist Vonovia durch Zukäufe stark gewachsen.
In den vergangenen Jahren ist Vonovia durch Zukäufe stark gewachsen. Marcel Kusch/dpa

Bochum/Berlin - Im zähen Ringen um die Übernahme der Deutsche Wohnen hat Vonovia-Chef Rolf Buch den aus seiner Sicht entscheidenden Zug gemacht.

„Vonovia wird die Deutsche Wohnen auf jeden Fall übernehmen“, sagte Buch der Deutschen Presse-Agentur, nachdem der größte deutsche Vermieter am Montagabend unter anderem die Mindestannahmeschwelle aus seinem Übernahmeangebot für die Nummer zwei auf dem Wohnungsmarkt gestrichen hatte.

Wenn nach Ablauf der bis zum 4. Oktober verlängerten Annahmefrist Vonovia unter den bisher angepeilten 50 Prozent plus eine Aktie bleibe, gebe es verschiedene Möglichkeiten, die Deutsche Wohnen zu übernehmen, erläuterte Buch. Zum Beispiel könnte es zu einer Kapitalerhöhung bei der Deutsche Wohnen kommen, von der andere Aktionäre ausgeschlossen wären. Zudem könne Vonovia ein weiteres knappes Prozent an Aktien übernehmen, die noch von der Deutsche Wohnen selbst gehalten werden.

„Wenn es damit nicht zu 50 Prozent reicht, können wir am Aktienmarkt so viele Papiere kaufen, bis wir über die Schwelle kommen“, sagte Buch. Für den Kapitalmarkt sei die Streichung der Mindestannahmeschwelle keine Überraschung. Das sei in dem Übernahmeangebot und in der Vereinbarung mit der Deutsche Wohnen schon so vorgesehen gewesen. „Es war von Anfang an eine Option“, sagte Buch.

An der Börse stieg der Kurs der Deutsche Wohnen-Aktie leicht an und lag am Dienstagnachmittag mit 53,02 Euro leicht über dem von Vonovia-Angebot von 53 Euro je Aktie.

Unter Buch war Vonovia in den vergangenen Jahren durch Zukäufe stark gewachsen. Diesen Kurs will er mit der Übernahme der Deutsche Wohnen fortsetzen. Beide Unternehmen besitzen zusammen rund 570.000 Wohnungen. Umstritten ist der Deal vor allem in Berlin, wo der Deutsche Wohnen rund 114.000 Wohnungen gehören.

Um Kritiker zu besänftigen, hatten Buch unter anderem eine Begrenzung der regulären Mietsteigerungen in Berlin bis zum Jahr 2026 angekündigt. Diese Zusagen hätten weiter Bestand, teilte Vonovia mit. In Berlin wird am Tag der Bundestagswahl über einen Volksentscheid zur Enteignung großer Wohnungskonzerne abgestimmt.

Der Verkauf von mehr als 14.000 Wohnungen aus dem Bestand der beiden Unternehmen an das Land Berlin ist mittlerweile auf der Zielgeraden. Die Aufsichtsgremien mehrerer landeseigener Wohnungsgesellschaften haben dem Kauf zugestimmt. „Der geplante Wohnungsankauf ist fast am Ziel“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) am Montag. Details wie Lage und Zustand der Wohnungen sind öffentlich noch nicht bekannt. Dem Vernehmen nach Kosten sie zusammen 2,4 Milliarden Euro.

„Rolf Buch hat den Sack zugemacht“

Auch der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, sieht die Übernahme der Deutsche Wohnen im mittlerweile dritten Anlauf in trockenen Tüchern. „Rolf Buch hat den Sack zugemacht“, sagte Tüngler. Vonovia mache mit dem Verzicht auf die Bedingungen die Übernahme wasserdicht. „Jetzt ist klar, der Deal kommt.“

Damit werde der Druck auf die verbliebenen Deutsche Wohnen-Aktionäre noch einmal erhöht, sagte Tüngler. Buch habe bereits erklärt, dass es bei den Berlinern künftig keine Dividende mehr geben werde, wenn er das Sagen auf der Hauptversammlung hat. „Das Leben wird steiniger für einen Aktionär der Deutsche Wohnen.“ Buch hatte angekündigt, dass bei der Deutsche Wohnen die liquiden Mittel zukünftig verstärkt für den Kapital- und Investitionsbedarf eingesetzt werden sollten.

Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warf Vonovia vor, der Deutsche Wohnen-Aktionären die Pistole auf die brust zu setzen. „Das ist Schikane“, sagte er.

Der Vonovia-Chef war bereits zwei Mal mit der Übernahme des bisherigen Konkurrenten gescheitert. Schon 2016 hatte er eine erste Attacke auf die Deutsche Wohnen geritten, damals gegen deren Willen und ohne Erfolg. Beim zweiten Anlauf in diesem Jahr konnte er Vorstand und Aufsichtsrat des Berliner Unternehmens an Bord holen, aber nicht alle an der Deutsche Wohnen beteiligten Aktionäre. Sie boten zu wenige Aktien an, Vonovia konnte sich nur rund 47,6 Prozent sichern.

Beim dritten Anlauf mit einem um einen Euro auf 53 Euro je Aktie erhöhten Angebot hat Buch bereits 40 Prozent der Aktien der Deutsche Wohnen sicher, wie Vonovia mitteilte. Aktionärsvertreter Tüngler rechnet damit, dass die 50-Prozent-Marke kein Problem mehr darstellt. Jetzt sei klar, dass die passiven Fonds, die etwa 20 Prozent der Deutschen Wohnen halten und ihre Anteile bisher nicht anbieten konnten, auch ihre Aktien anbieten werden. Allein damit komme Vonovia sicher über die 50 Prozent.