Krankenhausstatistik 2016

Krankenhausstatistik 2016: Immer mehr Patienten lassen sich stationär behandeln

Berlin - Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, aber auch eines der teuersten. Gesünder als andere Europäer aber sind die Deutschen deshalb nicht. Zwar gibt es immer weniger Krankenhäuser, gleichzeitig nehmen aber mehr Menschen dort Hilfe in ...

Von Kordula Doerfler 14.08.2017, 14:44
Rund 900.000 Ärzte und Pfleger arbeiteten 2016 in deutschen Krankenhäusern (Symbolbild).
Rund 900.000 Ärzte und Pfleger arbeiteten 2016 in deutschen Krankenhäusern (Symbolbild). imago stock&people

Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt, aber auch eines der teuersten. Gesünder als andere Europäer aber sind die Deutschen deshalb nicht. Zwar gibt es immer weniger Krankenhäuser, gleichzeitig nehmen aber mehr Menschen dort Hilfe in Anspruch.

19,5 Millionen Menschen wurden 2016 stationär behandelt, wie das Statistische Bundesamt erhoben hat, das waren 277.400 Fälle mehr als im Jahr zuvor und entspricht einem Anstieg von 1,4 Prozent. Welchem Wandel das System unterliegt, zeigt auch eine weitere Zahl. Heute dauert ein Klinikaufenthalt durchschnittlich nur noch 7,3 Tage, so lang wie auch schon im Jahr zuvor – zu Beginn der 90er Jahre waren es noch rund 14 Tage.

Zurückzuführen ist das nach Ansicht von Kritikern auch auf die Umstellung im Abrechnungssystem mit der sogenannten Fallpauschale. Verrechneten Kliniken früher ihre Kosten pro Tag, den ein Patient stationär behandelt wurde, wird heute pro Eingriff abgerechnet. In der Praxis bedeutet das, dass ein Krankenhaus umso mehr Umsatz macht, je mehr Fälle es nachweisen kann. Häufig ist der ökonomische Druck so groß, dass manche Patienten auch dann schon nach Hause geschickt werden, wenn sie noch umfassende medizinische Versorgung bräuchten. Gleichzeitig wird in Deutschland weitaus häufiger operiert als in anderen OECD-Ländern.

Fast 900.000 Ärzte und Pfleger arbeiten  in Krankenhäusern

Trotz steigender Patientenzahlen werden etwa jedes Jahr 20 Kliniken geschlossen, 2016 gab es bundesweit noch 1.984 Krankenhäuser. „Das macht deutlich, dass die Krankenhäuser wachsende Morbiditätslasten zu tragen haben“, sagte Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), gegenüber dieser Zeitung.

Unter Morbidität versteht man die Häufigkeit von Krankheiten. Zwar hätten die Kliniken im vergangenen Jahr einen Erlöszuwachs in Höhe von 2,9 Milliarden Euro erzielt, er sei aber durch die Behandlungskosten für die zusätzlichen Fälle schon zu einem Drittel aufgebraucht. Zudem seien durch zusätzliches Personal ebenfalls zusätzliche Kosten in Höhe von 1,2 Milliarden Euro entstanden.

Laut dem Statistischen Bundesamt arbeiteten 2016 insgesamt fast 900.000 Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern. In beiden Bereichen war zwar eine leichte Zunahme des Personals zu verzeichnen, das reicht aber noch lange nicht, um die Engpässe in den Kliniken zu überwinden.

„Grundsätzlich bedarf es eines Mehr an Personals“

Dass gerade im Pflegebereich viel zu wenig investiert werde, kritisiert denn auch die Stiftung Patientenschutz. 4.300 zusätzliche Pflegekräfte seien kein Grund zum Jubeln, sagt deren Vorstand Eugen Brysch. Pro Krankenhaus seien das durchschnittlich gerade einmal zwei Pflegekräfte mehr. In der Pflege arbeiteten heute sieben Prozent weniger Menschen als noch vor 20 Jahren, und das, obwohl dort immer mehr ältere Menschen behandelt würden, die besonders intensive Pflege benötigten. „Grundsätzlich bedarf es eines Mehr an Personals“, fordert auch DKG-Geschäftsführer Baum, allerdings müsse dies auch entsprechend refinanziert werden.

Die Krankenkassen rechnen bei solchen Forderungen gerne vor, dass es in deutschen Kliniken noch immer Überkapazitäten gebe, die auch durch die Krankenhausreform der großen Koalition nicht ausreichend abgebaut worden seien. Ein Vorwurf, den die DKV nicht akzeptieren mag. „Der seit Jahren steigende stationäre Behandlungsbedarf macht es erforderlich, die Frage der Standorte und Kapazitäten von Krankenhäusern klug und behutsam zu diskutieren und die scheinbar einfache Krankenkassenlogik des Streichens und Kürzens um jeden Preis als das zu enttarnen, was sie ist: eine wenig verantwortungsvolle Vorgehensweise in einem Kern der sozialen Daseinsvorsorge“, so Georg Baum.

Kritiker monieren schon seit Jahren, dass sich Deutschland zu komplizierte und vor allem zu teure Parallelstrukturen in der Gesundheitsversorgung leistet. Noch immer stehen niedergelassene Ärzte, Krankenhäuser und Kliniken in Konkurrenz zu einander, was die Kosten weiter in die Höhe treibt. Gleichzeitig gibt es auf dem Land immer weniger Ärzte und erst Recht Fachärzte, während sich in den großen Städten niedergelassene Ärzte gerade zu drängeln. Die Notaufnahmestellen der Krankenhäuser sind dort in der Regel trotzdem vollkommen überlastet.