Geburtstag

Geburtstag: Helmut Digel wird 65

Düsseldorf/dpa. - «Auf die acht Jahre als DLV-Präsident darf ich mitstolz zurückblicken», sagte Digel, der an diesem Dienstag seinen 65.Geburtstag feiert.

Von Andreas Schirmer 05.01.2009, 17:41

«Auf die acht Jahre als DLV-Präsident darf ich mitstolz zurückblicken», sagte Digel, der an diesem Dienstag seinen 65.Geburtstag feiert.

Seit 1995 gehört der Direktor des Instituts fürSportwissenschaften in Tübingen dem Council des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF an, in dem er für Marketing und damit auch für dieVerhandlungen über die Fernsehrechte zuständig ist. «Man sieht wieschwer die TV-Verhandlungen momentan sind. Dies wird für dieSportverbände die große Herausforderung der nahen Zukunft sein»,meinte Digel. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat ihnzudem in die Berater-Kommission für die olympischen Jugendspieleberufen, die erstmals 2010 in Singapur stattfinden werden.

Den Sprung an die Spitze der deutschen Funktionäre blieb ihmverwehrt. Seine Ambition, 2002 Walther Tröger als Präsident desdamaligen Nationalen Olympischen Komitees (NOK) abzulösen, fandennicht ausreichend Widerhall - zumal der streitbare Schwabe mit Kritikan Tröger und Co. sich selbst um seine Chance gebracht hatte. «Ichbin einen Weg gegangen, der ein Bumerang war», erkannte Digel damalsselbstkritisch. Inzwischen weiß er, dass er national beim Gerangel umangesehene Ämter keine Rolle mehr spielt: «Die Chance gibt es fürmich nicht mehr.»

Dennoch will der Kenner des internationalen Hochleistungssportsweiter gefragt und ungefragt seine Meinung sagen. «Ich werde weiterein kritischer Begleiter der politischen Themen des Sports sein»,sagte Digel, der trotz Erreichens des Pensionsalter noch ein Jahrweiter als Professor in Tübingen wirken wird. Insgesamt hat er inseiner wissenschaftlichen Laufbahn rund 25 Bücher geschrieben «Sportist mein Leben», so der frühere Handball-Bundesligaspieler.

Damit der deutschen Spitzensport international konkurrenzfähigbleibt, empfiehlt er, mehr über den nationalen Tellerrand zu sehen.«Wir müssen den Hochleistungssport als lernendes System begreifen undnicht als eine geschlossene Gesellschaft», meinte Digel. «Wenn wirnicht schnell zu einer Öffnung kommen, werden wir ganz schnellabsinken.» Allerdings dürfe man sich in einer globalisierten Weltnicht der Illusion hingegen, an einstige Erfolge anknüpfen zu können.«Alle 210 Länder wollen auch Medaillen gewinnen. Deshalb ist es klar,dass frühere Erfolge unmöglich geworden sind», stellte Digel fest.«Wenn wir Platz fünf bei Olympischen Spielen weiter halten, ist dasein exzellentes Ziel.»

Optimistisch ist er, was das Abschneiden der deutschenLeichtathleten trotz des Olympia-Absturzes in Peking bei derHeim-Weltmeisterschaft im August in Berlin angeht. «Ich glaube, dasswir 2009 eine Aufbruchstimmung erleben werden, dies ist mein Wunsch»,sagte er. «Es gibt genügend deutsche Athleten, die Weltklasse sind.Vielleicht können wir sieben Medaillen wie in Osaka holen», hofftDigel. Allerdings mahnt er auch, schon rechtzeitigdieVorbereitungen auf Olympia 2012 in London zu beginnen. «OlympischeSpiele sind viel schwerer als eine WM. Die Messlatte ist 2012hochgesteckt», weiß Digel, der an seinem Geburtstag im Urlaub ist.