Aljona Savchenko/Bruno Massot

Warum es für Deutschlands Eiskunstlauf-Traumpaar keine Zukunft gibt

Es wird kein Comeback der Olympiasieger Bruno Massot und Aljona Savchenko mehr geben. (Foto: imago/Beautiful Sports)

Köln - Aljona Savchenko, dieses 1,53 m kleine Energiebündel, hatte noch einen großen Traum. Noch einmal zu Olympia, noch einmal um Gold laufen. In ihrem Kopf hatte die 37-Jährige alles bereits so oft durchgespielt. Doch dieser Traum ist geplatzt. Ihr Partner Bruno Massot wollte nicht mehr. Überreden ließ er sich nicht. Das Comeback der Paarlauf-Olympiasieger bei den Winterspielen in Peking 2022 ist damit endgültig vom Eis.

„Bruno und ich haben entschieden, nicht in den Wettkampf zurückzukehren“, teilte Savchenko am Freitag schweren Herzens auf Instagram mit, „das war eine extrem schwierige Entscheidung, und ich kämpfe immer noch damit.“ Was blieb ihr auch anderes übrig, schließlich lag dieser Entschluss nicht in ihren Händen. „Ich habe wirklich gehofft, meine Karriere fortzusetzen, aber unglücklicherweise fehlt ein Teil des Teams“, schrieb sie.

Bruno Massot: Sicherheit ist wichtiger als Ruhm

Schon gut eine Woche zuvor hatte sich die Entwicklung abgezeichnet. Der 32-jährige Massot kündigte an, mit seiner Familie aus der Schweiz in seine Geburtsstadt Caen in der Normandie zurückzukehren. Dort soll er für den französischen Eislaufverband als Coach ein Paarlauf-Trainingszentrum aufbauen. Ein verlockendes Angebot für einen zweifachen Familienvater, dem die Sicherheit wichtiger war als erneuter Ruhm.

Befürchtet hatte Savchenko das Ende ihrer Träume von der sechsten Olympia-Teilnahme schon länger. Im vergangenen März erklärte die sechsmalige Weltmeisterin fast schon verzweifelt: „Allein laufen kann ich ja nicht, und mit einem anderen Partner wäre es Quatsch.“ Ein etwaiger Massot-Ersatz hätte im Hinblick auf Peking nicht nur auf dessen Level laufen, sondern auch einen deutschen Pass besitzen müssen.

Die gebürtige Ukrainerin Savchenko, die im Allgäu lebt, kann sich nun ganz auf ihre Familie konzentrieren. Auch wenn sie sich das noch nicht so vorgestellt hatte. Savchenko hatte noch die Gier auf den Wettbewerb, die unbändige Lust am Sport. „Ich liebe das Adrenalin im Wettbewerb“, sagte sie, „ich liebe es, mich im täglichen Training anzutreiben und über meine Grenzen zu gehen.“

Aljona Savchenko liebte die Bewunderung der Fans

Und sie liebte die Reaktionen des Publikums. Wenn sie ausdrucksstark über das Eis glitt, schauten ihr die Fans fasziniert zu. Das war schon bei den Vorstellungen mit ihrem vorherigen Partner Robin Szolkowy so, mit dem sie fünfmal WM- und viermal EM-Gold gewonnen hatte. Savchenko wusste um ihre Wirkung, Savchenko brauchte das. Doch das ist Vergangenheit.

Dem Eiskunstlauf generell, aber vor allem der Deutschen Eislauf-Union (DEU) geht damit eine Attraktion verloren. Sportlicher Höhepunkt von Savchenko/Massot war der Triumph 2018 in Pyeongchang. Begonnen hatte die Mission Gold aber mit einem Fehlstart und Rang vier nach dem Kurzprogramm. Massot war den Salchow nur zweifach statt dreifach gesprungen. Punktabzüge, Gold schien bereits unerreichbar.

Doch in der Kür lief das Paar zur Höchstform auf. Mit einem Punkteweltrekord fingen Savchenko/Massot die führenden Chinesen Sui Wenjing/Han Cong noch ab und triumphierten mit einem halben Punkt Vorsprung. Im Monat danach gewannen Savchenko/Massot auch bei der WM in Mailand Gold. Das Paar lief seit 2014 gemeinsam für Deutschland, bleiben wird für immer die Erinnerung an jenen 15. Februar 2018. (sid/Jürgen Magh)