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Eil

Schwere Rennen für Schweizer Ski-Weltcup in Crans-Montana: Der Sport nach der Feuerhölle

Ein verheerender Brand tötet in Crans-Montana 40 Menschen und verletzt viele Dutzende mehr. Wenige Wochen danach steigen dort Skirennen. Was bedeutet das vor allem für die Schweizer Athleten?

Von Manuel Schwarz und Christiane Oelrich, dpa 28.01.2026, 08:40
Die Anteilnahme in Crans-Montana ist nach der tödlichen Feuerkatastrophe groß. (Archivbild)
Die Anteilnahme in Crans-Montana ist nach der tödlichen Feuerkatastrophe groß. (Archivbild) Antonio Calanni/AP/dpa

Crans-Montana - Eigentlich war eine fröhliche Ski-Sause geplant. Mit drei Rennen und Partys drumherum wollte Crans-Montana die alpinen Athletinnen und Athleten Richtung Olympia verabschieden. Zugleich sollte ein Vorgeschmack her für die WM 2027 just in dem Wintersportort im Schweizer Kanton Wallis. Nach der Feuerkatastrophe aus der Silvesternacht mit 40 Toten aber ist in Crans-Montana nichts mehr, wie es war. 

Trotzdem entschieden sich die Organisatoren dafür, die Rennen auszutragen. „Der Ort braucht diese Rennen“, sagte der Gemeindepräsident Nicolas Féraud dieser Tage. Die Menschen bräuchten positive Energie und die Möglichkeit, sich in großer Zahl zu versammeln. Die Trauer der Angehörigen der Opfer solle auch während der Weltcup-Rennen respektiert werden. 

Den Schweizer Ski-Lokalmatadoren stehen emotional schwere Tage bevor. „Wir leiden alle mit“, sagte Justin Murisier vor der Männer-Abfahrt am Sonntag. Die Speed-Frauen sind am Freitag mit der Abfahrt dran, am Samstag steht für sie auch noch ein Super-G auf dem Programm. „Es gibt kaum Worte, um meine Gefühle nach dieser Katastrophe zu beschreiben“, hatte Malorie Blanc schon Anfang Januar erzählt. Die beiden kommen aus der Nähe von Crans-Montana.

Keine Partys im Ort, Schweigen und Gedenken an der Strecke

Nach dem tödlichen Brand in einer Bar, der 40 Menschen tötete und mehr als 100 zum großen Teil schwer verletzte, hatte es Stimmen gegeben, die eine Rennabsage forderten. Die Veranstalter hielten an den Wettkämpfen fest, strichen aber sämtliche Party-Events im Ortskern. Der Weltcup soll sich auf die Piste und das Zielstadion beschränken. „Da wird es ein dezentes Rahmenprogramm geben, mit Momenten und Gesten des Schweigens und Gedenkens“, hieß es.

Auch vier Wochen nach der Katastrophe steht die Gemeinde in der Südwestschweiz noch im Zeichen des Unglücks. Nachdem anfangs nahe der betroffenen Bar tausende Blumen, Kerzen und Botschaften abgelegt worden waren, ist inzwischen bei der Kapelle Saint-Christophe etwas weiter entfernt ein Ort, an dem Menschen innehalten und trauern können.

Abfahrer Murisier: „Müssen unserer Arbeit nachgehen“

Die Sportlerinnen und Sportler müssen indes versuchen, all das auszublenden. „Das Leben geht weiter“, sagte Abfahrer Murisier der Deutschen Presse-Agentur und meinte damit, dass man mit dem Schmerz umgehen muss, aber deswegen nicht stehen bleiben darf. „Das ist unsere Arbeit. Es geht uns wie jedem anderen auch: Wir müssen wieder unserer Arbeit nachgehen.“

Zuletzt waren in der Schweiz schon Männer-Rennen in Adelboden und Wengen ausgetragen worden, dort gab es Momente der Andacht. Die Frauen stehen indes vor ihrem ersten Heim-Event seit dem Unglück. Malorie Blanc kündigte an, auch für die Leute ihn ihrer Heimat zu fahren. Die 22-Jährige hatte Glück, dass keine Freunde oder Bekannten unter den Opfern des Brandes waren. Wie sie der Zeitung „Blick“ sagte, musste sie irgendwann aber aufhören, auf ihrem Handy die News von daheim zu verfolgen, „weil alles so brutal ist“.

Sportliche Erfolge als Ablenkung?

Teamkollegin Camille Rast wuchs ebenfalls nahe Crans-Montana auf, ist als Technik-Spezialistin bei der Abfahrt und dem Super-G aber nicht am Start. Als sie Anfang Januar einen Weltcup-Riesenslalom gewann, formte sie mit den Händen ein Herz für die Kamera. „Es war nicht einfach“, sagte sie damals im Schweizer Fernsehen. „Der Sport bringt so viele Emotionen. Ich hoffe, dass ich diesen Familien zumindest ein kleines Lachen bescheren konnte.“

Genau das möchten auch andere Eidgenossen an diesem Wochenende. Der Schweizer Abfahrtscoach Reto Nydegger sagte der dpa: „Ich glaube, Sport kann den Leuten auch zeigen, dass das Leben weitergeht.“

Sein Team um die Stars Marco Odermatt und Franjo von Allmen habe schon in der Neujahrswoche in Crans-Montana trainiert und über die Geschehnisse gesprochen. „Da war viel Respekt dabei“, sagte Nydegger und kündigte an: „Wir wollen unsere Arbeit nun so gut wie möglich machen. Vielleicht hilft das den Leuten dort irgendwie, ein bisschen zur Normalität zurückzufinden.“