Olympia-Eskalation Nach Skeletoni-Ausschluss: Ukrainische Rodler mit Helm-Geste
Skeleton-Pilot Wladislaw Heraskewytsch darf wegen eines Helms mit Bildern getöteter Sportler nicht bei Olympia starten. Bei der Team-Staffel im Rodeln solidarisieren sich seine Landsleute mit ihm.

Cortina d'Ampezzo - Nach dem Ausschluss des Skeleton-Piloten Wladislaw Heraskewytsch bei Olympia haben sich die ukrainischen Rodler mit ihrem Landsmann solidarisiert. Nach ihrem Rennen in der Team-Staffel im Ziel angekommen knieten sich Julianna Tunyzka, Andrij Mandsij, Ihor Hoj, Nasarij Katschmar, Olena Stezkiw und Olexandra Moch gemeinsam hin und hielten ihre Helme hoch.
In der sogenannten Leaders-Box, in der sich die jeweils Führenden während eines Rennens versammeln, präsentierten sie sich daraufhin demonstrativ mit einer ukrainischen Fahne. Zudem brüllten die Rodler unter anderem die Botschaft „Wlad, wir sind bei dir. Ukraine, wir sind bei dir“ in die Kamera, waren dabei aber kaum zu verstehen. Auf die Helm-Geste reagierte Heraskewytsch bei X mit einem Herz-Emoji. Das Team landete am Ende beim Sieg der deutschen Auswahl auf dem sechsten Platz.
Rodler Mandsij: „Es war kein Protest. Wir wollen Wlad unterstützen“
„Es war kein Protest. Wir wollen Wlad unterstützen und an die Menschen erinnern, die im Krieg gegen Russland gestorben sind“, sagte der Rodler Mandsij zu der Geste und sprach von einer „Team-Idee“. Seine Mannschaftskollegin Tunyzka sagte, sie sei während des Rennens nicht nervös, sondern in Gedanken bei Heraskewytsch gewesen. „Ich bin nervös, was mein Land, Heraskewytsch, mein Team betrifft“, sagte sie.
In der Eskalation um den Helm des ukrainischen Skeletoni hatte IOC-Präsidentin Kirsty Coventry am Vormittag in Tränen aufgelöst den Ausschluss des 27 Jahre alten Ukrainers von den Wettbewerben in Italien erklärt. Heraskewytsch wollte trotz eines Verbots und mehrfacher Warnungen des IOC nicht auf das Tragen des Helms mit Bildern von im Krieg gegen Russland getöteten Sportkollegen in der olympischen Entscheidung verzichten.
Heraskewytsch legt Einspruch ein
Heraskewytsch hat mittlerweile gegen den Ausschluss Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas eingelegt. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion. Auf dem Helm von Heraskewytsch sind Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zu sehen, die bei russischen Anschlägen ums Leben gekommen sind. Politische Botschaften aber sind den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Olympischer Spiele während eines laufenden Wettbewerbs verboten.
Das IOC und der zuständige Weltverband stützten sich beim Ausschluss von Heraskewytsch auf die Richtlinien der Olympischen Charta, die den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Olympischer Spiele politische Botschaften während eines laufenden Wettbewerbs untersagt.
Rodler Loch: „Hätte mir mehr Fingerspitzengefühl vom IOC erwartet“
Nach der Team-Staffel meldete sich auch der dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch noch einmal zu Wort. „Ich hätte mir mehr Fingerspitzengefühl vom IOC erwartet, ich finde das wirklich schade“, sagte Loch im ZDF. Kurz zuvor hatte er die Entscheidung als „sehr, sehr schlecht“ bezeichnet. Getroffen habe er ihn noch nicht, sagte Loch. „Ich freue mich, wenn ich ihn auch mal in den Arm nehmen kann. Wir kennen uns sehr, sehr gut, es tut mir einfach für ihn und natürlich für sein Land megaleid.“ Loch ist Mitgründer der Vereinigung „Athletes for Ukraine“.