Robert Stieglitz

Robert Stieglitz: Wieso dem Ex-Weltmeister seine Scheidung neue Kraft gibt

Magdeburg/Halle - Private Probleme raubten Ex-Weltmeister Robert Stieglitz in den vergangenen Jahren viel Kraft. Jetzt ist seine Scheidung durch und er greift noch einmal an.

Von Daniel George 12.01.2017, 17:01

Das Schreiben vom Oberlandesgericht erreichte Robert Stieglitz an Heiligabend. Das passte, denn es war sein größtes Weihnachtsgeschenk. Die offizielle Bestätigung der Scheidung von seiner Ex-Frau Anna ließ „einen Stein von seinem Herzen fallen“, erinnert sich Dirk Dzemski. 2010 hatte sein Schützling die Scheidung eingereicht, erst jetzt, sechs Jahre später, wurde sie rechtskräftig. Dzemski lacht: „Dafür kommt Robert bestimmt ins Guinness-Buch der Rekorde.“

Inzwischen ist Zeit für solche Späße. Doch lange war Stieglitz alles andere als zum Lachen zumuten. Sein Trainer sagt sogar: „Wenn Robert zu dem Zeitpunkt, wo die ganz großen Kämpfe waren, diesen Kopf von heute gehabt hätte, wäre er immer noch Weltmeister.“

Neues Familienglück für  Robert Stieglitz

Nun sitzt Stieglitz als amtierender Europameister im Halbschwergewicht im Empfangsbereich eines halleschen Fitnessstudios. Eine Körperanalyse liegt hinter ihm. Zwei Monate bleiben noch bis zum nächsten Kampf in Leipzig, einer freiwilligen Titelverteidigung des im November errungenen EM-Titels. Gegner noch offen. Wer auch kommt: „Ich fühle mich super und bin guter Dinge“, sagt Stieglitz.

Inzwischen ist er 35 Jahre alt. „Eigentlich ein Rentner im Boxsport“, meint er lächelnd. Doch Stieglitz war in den vergangenen Jahren selten so aufgeräumt wie jetzt. Was ihn für seine Gegner nur umso gefährlicher macht.

Als Vorzeigesportler galt der gebürtige Russe schon immer. „Er raucht nicht, er trinkt nicht, er feiert nicht“, sagt sein Trainer Dirk Dzemski. Und: „Er bringt eine Grundfitness mit, für die andere drei Wochen trainieren müssen.“

Ex-Schwiegervater griff Robert Stieglitz an

Mit dieser Disziplin boxte sich Stieglitz zweimal zum Weltmeister im Supermittelgewicht. 2015 verlor er den finalen Super-Fight gegen Arthur Abraham, es war die dritte Pleite im vierten Duell. Die hatten viel mit der Psyche zu tun, meint Dzemski. Robert Stieglitz kämpfte lange im Rosenkrieg. 2012 sorgte eine Auseinandersetzung mit seinem Ex-Schwiegervater für Schlagzeilen. Der hatte ihn mit einer Eisenstange attackiert, mit 1,8 Promille Alkohol im Blut. Stieglitz griff zum Kantholz, sein Gegenüber erlitt einen dreifachen Schädelbasisbruch. „Boxer Stieglitz drohen bis zu zehn Jahre Haft“, titelte „Die Welt“ damals.

Dazu kam es nicht, die Staatsanwaltschaft erkannte auf Notwehr. Doch die scheinbar unendliche Scheidungsgeschichte ging weiter. Und mit solchen Problemen im Hintergrund boxte es sich alles andere als unbeschwert. „Einmal kam er zum Training, da habe ich ihn gleich wieder weggeschickt“, erinnert sich Dirk Dzemski. „Er war so wütend. Die ganze Geschichte hat ihm Energie geraubt. Das hat viel kaputt gemacht.“

Doch jetzt ist das alles vorbei. Stieglitz hat sein Glück mit seiner neuen Freundin gefunden. Im August letzten Jahres kam seine Tochter Valeria zur Welt. Die kleine Familie bewohnt ein Haus am Rand von Magdeburg. Trainiert wird in der Stadt, entspannt auf dem Grundstück am Wald. Auch um seinen Sohn im Teenager-Alter aus der Ehe mit seiner Ex-Frau kümmert sich Stieglitz regelmäßig.

„Privat“, weiß der 35-Jährige, „ist bei mir nicht immer alles gerade gelaufen, aber jetzt habe ich endlich meine Ruhe gefunden.“

WM-Kampf?  Robert Stieglitz: „Will ich nicht mehr“

Robert Stieglitz wirkt aufgeräumt. Der große Ruhm um jeden Preis? Die Familie und seine Gesundheit sind dem Boxer mittlerweile wichtiger. Irgendwann noch einmal um einen WM-Titel boxen, diesmal im Halbschwergewicht, kommt für ihn nicht mehr infrage. Top-Kämpfer wie Titelträger André Ward oder Sergej Kovalev „sind richtig gute Jungs“, meint Stieglitz. Ein Duell mit ihnen „will ich nicht mehr, das wäre auch viel zu gefährlich“.

Stieglitz kennt Eduard Gutknecht gut. Dass der Supermittelgewichtler nach einem Kampf im November letzten Jahres ins künstliche Koma versetzt werden musste, war auch für den SES-Boxer ein Schock. Noch immer kämpft Gutknecht um sein Leben. Und solche Geschichten geben Stieglitz zu denken. „Ich mache lieber einen Kampf weniger“, sagt er, gefragt nach möglichen Duellen mit Ward oder Kovalev. „Ich will meine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.“

Dafür bedeutet ihm seine Familie zu viel. Endlich hat er seine Ruhe gefunden und plant bereits die Zukunft: „Ohne Boxen geht es bei mir nicht.“ Deshalb ist eine Trainerkarriere beim Magdeburger Boxstall bereits angedacht. Doch erstmal „habe ich die Nische Europameisterschaft für mich entdeckt“. Und da ist für Robert Stieglitz noch längst nicht Schluss.