Box-Gala in Magdeburg

Halles Tom Dzemski verliert seinen Titel und Vater Dirk kritisiert den Ringrichter

Tom Dzemski verliert in Magdeburg im deutschen Duell gegen Michael Eifert. Was das Lager des ehemaligen Hallensers und Vater Dirk auf die Palme bringt.

Von René Miller
Michael Eifert (r.) erwischt Tom Dzemski am Körper.
Michael Eifert (r.) erwischt Tom Dzemski am Körper. (Foto: imago/Helmke)

Magdeburg/VS - Mit drei Gürteln kehrt Michael Eifert aus Magdeburg ins Allgäu zurück. Als Inhaber der WBO-Krone im Halbschwergewicht der Junioren holte er sich am Sonnabend vor knapp 1.000 Zuschauern auf der Magdeburger Seebühne auch die Gürtel der Box-Weltverbände IBF und WBC. Den Rückkampf gegen Tom Dzemski werteten die Punktrichter mit 97:93, 97:93 und ziemlich verwunderlich einmal 95:95.

„Er war heute einfach besser“, erkannte auch der ehemalige hallesche Sportschüler Tom Dzemski seine Niederlage an. Der Schützling und Sohn von Dirk Dzemski war sehr gut in den Kampf gestartet und holte sich die ersten zwei Runden souverän.

Aber in der dritten Runde kam es wohl eher durch ein Missverständnis zur entscheidenden Szene des Kampfes. Nach nur 26 Sekunden musste der 24-jährige Köthener einen harten und vor allem unerwarteten Schlag von Eifert hinnehmen, wackelte danach ordentlich.

Entscheidende Szene ärgert Trainer Dirk Dzemski

Er mühte sich zwar bravourös bis zur nächsten Pause, konnte sich aber von diesem Wirkungstreffer nicht mehr richtig erholen. Eifert übernahm danach von Runde zu Runde immer mehr das Kommando. „Ich war selbst in der zehnten Runde noch nicht müde“, berichtete der 23-Jährige nach dem Kampf.

Für Trainer und Papa Dzemski hätte der Kampf ohne diesen Schlag aber möglicherweise eine andere Richtung genommen. Denn der 49-Jährige wollte in dieser Szene zunächst ein „Break“ von Ringrichter Timo Habighorst gehört haben. Mit „Break“ wird der Kampf unterbrochen, damit die Boxer auseinander gehen, wenn sie sich zu sehr umklammert haben. Mit „Box“ wird der Kampf dann wieder freigegeben. Und vorher darf nicht geschlagen werden. Dzemski: „Tom hat aber genau in diesen Sekunden den Schlag bekommen.“

Nachdem Dirk Dzemski sportlich fair Eifert und dessen Trainer Ali Celik gratuliert hat, diskutierte er noch kräftig mit dem Ringrichter. Der verneinte aber ein „Break“ und erklärte, dass er nur darauf hingewiesen habe, dass Eifert nicht klammern soll.

Dirk Dzemski ist mit Ringrichter-Entscheidung nicht einverstanden

Inzwischen hat sich Dzemski senior die Szene noch einmal genau angeschaut und sagt: „Ein Break-Kommando gab es nicht. Aber Tom ist ein klarer Nachteil entstanden. Michael Eifert hält fest und es kommt das Kommando ,No Holding!’. Daraufhin hebt Tom die Arme und zeigt an, dass er nicht hält. Der Ringrichter berührt dann Toms Arm, weshalb er einen Schritt aus der Aktion macht und wehrlos dasteht“, schildert Dirk Dzemski die Momente aus seiner Sicht.

„Dann bekommt er den schweren Treffer, ist angeschlagen und knickt dabei noch um. Für mich hat diese Szene zusätzlich zum tiefen Abducken und einigen Ellenbogen-Stößen den ganzen Kampf zerstört. Wir mussten danach ja unsere Taktik komplett umstellen“, schimpfte er.

Weil das Team Dzemski hinten raus wusste, dass es nach Punkten nicht mehr reichen wird, rannte Dzemski immer ungestümer an, um vorzeitig durch einen K.o. zu gewinnen. Doch Eifert war zu fit und zu clever, um noch ernsthafte Probleme zu bekommen. Und für das von Dzemski kritisierte Abducken wurde er vom Ringrichter lediglich ermahnt.

Michael Eifert besiegt Tom Dzemski klar nach Punkten: „War in der Topform meines Lebens“

Der Sieger ließ sich von den Nebengeräuschen nicht beeindrucken. „Ich habe neben der Physis auch viel an meiner Technik gearbeitet und war in der Topform meines Lebens. Und ich wollte nach der Vorgeschichte diesen Kampf unbedingt gewinnen“, sagte Eifert, der im vergangenen August an selber Stelle umstritten knapp verloren hatte. Dieses Mal war das Urteil klar.

Was auch Eiferts Trainer Celik so sah: „Wenn man beide Kämpfe analysiert, dann ist Michael auch der verdiente Sieger dieses Duells.“ Ein drittes Duell um die Nachwuchs-WM-Gürtel kann aufgrund der Altersbeschränkung nicht steigen. Tom Dzemski muss sich nach der ersten Niederlage im 18. Kampf andere Gegner suchen.