Neue Kooperationen

Red Bull und RB Leipzig suchen Partner in China und Südamerika

Leipzig - Der Bundesligist RB Leipzig sucht strategische Partner in China und Südamerika.

Von Ullrich Kroemer 15.04.2017, 11:04

Dass zu enge Kooperationen zwischen Klubs mit gleichem Geldgeber Schwierigkeiten bereiten, wissen sie bei RB Leipzig mittlerweile. Seit nunmehr zwei Jahren sind die Macher des Red-Bull-Fußballs dabei, RB Leipzig und Red Bull Salzburg zu „entflechten“, wie das die Verantwortlichen nennen. Ziel dabei ist es, im kommenden Jahr mit beiden Klubs für die europäischen Wettbewerbe zugelassen zu werden. Doch offenbar spielen sich im weltweiten Red-Bull-Konstrukt noch weit größere Umstrukturierungen ab.

RB-Leipzig-Boss Oliver Mintzlaff: Rücktritt als Red-Bull-Fußballchef

Zu Beginn dieser Woche war bekannt geworden, dass RB-Boss Oliver Mintzlaff vom Posten des Red-Bull-Fußballchefs zurückgetreten ist. Auf MZ-Nachfrage erklärt Mintzlaff nun: „Ich habe meine Tätigkeit als Head of Global Soccer aus freien Stücken beendet. Dieser Schritt war seit langem geplant und wurde bereits vor einigen Wochen umgesetzt.“ Die MZ hatte bereits Mitte 2016 darüber berichtet, dass die Ämterhäufung Probleme bereiten könne.

Mintzlaff bleibt freilich Geschäftsführer und Vereinsvorsitzender in Leipzig. Für seine Position als „Head of Global Soccer“, wie das im Red-Bull-Universum heißt, wird es keinen Nachfolger geben. „Es ist derzeit nicht geplant, diese Position wieder zu besetzen“, heißt es aus der Kommunikationsabteilung in München.

Das verwundert zunächst, weil Mintzlaff die Klubs in Leipzig, Brasilien, den USA und bis 2015 auch Salzburg steuerte und erfolgreich mit einheitlicher Philosophie ausstattete. Doch dieses „Filialsystem“ wurde viel kritisiert und barg zumindest auf europäischer Ebene Konflikte mit den Integritätsregeln der Uefa. Also neuer Kurs: Das Fußball-Konglomerat im Zeichen der roten Bullen soll künftig nicht mehr zentral von Sponsor und Investor Red Bull aus gesteuert werden. Und gut möglich, dass dann RBL als wichtigstem Verein die tragende Rolle bei der Internationalisierung zukommt.

Red Bull und RB Leipzig suchen Partner in China und Südamerika

Wie die MZ erfuhr, will Rasenballsport in Kürze Kooperationen mit einem großen chinesischen Klub sowie einem Verein in Lateinamerika schließen. „Internationalisierung ist nicht nur bei uns, sondern bei allen Vereinen ein großes Thema. Auch wir werden uns zukünftig internationaler ausrichten“, sagt Mintzlaff. Für das internationale Geschäft schafft RB sogar eigens einen neuen Posten. Der passende Mann dafür wird gerade noch gesucht. „Wir werden ab Sommer einen neuen Direktor für Internationalisierung und Strategie einstellen, um Kooperationen insbesondere für den asiatischen, aber auch den lateinamerikanischen Markt zu schließen, die Synergien für RB Leipzig bringen werden“, bestätigte Mintzlaff. Anfang März war der 41-Jährige in China, eine chinesische Delegation hatte Leipzig im Dezember besucht.

Leipzig kann so einerseits das bislang nur zu einem Bruchteil gehobene gewaltige Talente-Reservoir in China erschließen. Wichtiger aber scheinen wirtschaftliche Kooperationen mit chinesischen Unternehmen. Bereits Ende 2016 hatte Mintzlaff der MZ gesagt, dass er sich „natürlich Kooperationen und Partnerschaften in verschiedensten Konstellationen mit chinesischen Unternehmen vorstellen“ könne, um wie angestrebt weitere externe Gelder zu akquirieren. RB Leipzig wird demnach künftig noch viel mehr als global arbeitende Fußballmarke auftreten.

SC Freiburg gegen RB Leipzig am Ostersamstag

Wie ein Gegenentwurf kommt da der Gegner an diesem Ostersamstag daher: der SC Freiburg. Im Badischen geben sich die Verantwortlichen um Trainer Christian Streich so bodenständig wie nirgends anders – trotz des aktuell sechsten Tabellenplatzes. Dass zu dieser Saisonphase gleich zwei Aufsteiger auf den Europapokalplätzen stehen, gab es bislang noch nie in der Bundesliga-Geschichte. Doch SC-Trainer Streich meidet das Gerede vom Europapokal. Der 51-Jährige empfahl in gewohnt breitem Dialekt, „weniger schwätze, sondern die Luft ze spare, um mehr auf’m Platz renne ze könne“. Freiburgs Trainer kündigte an, sein Team dem Spielstil der Gastgeber anpassen zu müssen: „Sie können uns ein Stück weit ignorieren, wir sie nicht – wie so oft.“

Sein Kollege Ralph Hasenhüttl machte keinen Hehl daraus, dass er Streich mag und schätzt. Erst neulich bei einer Trainertagung hätten beide „lange miteinander philosophiert“. Hasenhüttl warnte: „Das Team ist sehr gut aufeinander abgestimmt und findet in jeder Spielsituation immer wieder neue Lösungen. Wir sind mitten auf der Zielgeraden, müssen jetzt die letzten Meter gehen und uns so schnell wie möglich Vorsprung holen, um zum Saisonende nicht mehr jedes Spiel gewinnen zu müssen.“ Und: „Im Moment sind wir Vize-Meister und schauen, dass wir das am Ende der Saison auch sind.“

Als Tabellenzweiter und Champions-League-Teilnehmer schließt es sich schließlich leichter Kooperationen in China und Südamerika. (mz)