RB im Trainingslager

RB Leipzig: Wie Hasenhüttl sein Team auf die Champions League vorbereitet

Seefeld - Sie sind die großen Geheimnisse des Weltfußballs, seit jeher: die Überlegungen eines Trainers - seine Pläne, seine Ideen, seine Strategien. Auch Ralph Hasenhüttl hat im Trainingslager im österreichischen Seefeld seine nicht ...

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer
RBL-Trainer Ralph Hasenhüttl bereitet sein Team auf eine Dreifach-Belastung während der Saison vor. dpa

Sie sind die großen Geheimnisse des Weltfußballs, seit jeher: die Überlegungen eines Trainers - seine Pläne, seine Ideen, seine Strategien. Auch Ralph Hasenhüttl hat im Trainingslager im österreichischen Seefeld seine nicht gelüftet.

Der Trainer von RB Leipzig zählt zur Riege der Tüftler im deutschen Fußballs, er hat also eine Menge zu verbergen, was sich erstmals am Samstag in den Tiroler Alpen bemerkbar machte, als der Teambus am Morgen nicht links Richtung Trainingsplatz in Seefeld, sondern sich heimlich nach links davon stahl und nach Kematen fuhr, gut 30 Kilometer entfernt, wo RB am Dienstag die Türken von Konyaspor testet.

RB Leipzig mit Geheimniskrämerei im Trainingslager

Bloß keine fremden Augen auf dem Trainingsgelände! Hasenhüttl und sein Stab gehen in eine unbekannte Saison, weil noch keiner einen Champions-League-Kader trainiert hat. Die Belastungen nehmen zu, die Trainingsmöglichkeiten während der Saison schrumpfen. Außerdem braucht RB im Spiel neue Lösungen. Nur gegen den Ball zu spielen, reichte schon vergangene Spielzeit nicht aus.

Deshalb die Gehemniskrämerei zuletzt, weil „wir uns nicht in die Karten schauen lassen wollen“. Trotzdem hat der Trainer am sonntäglichen Regenerationstag verhältnismäßig lange Blicke in seine Überlegungen und seine Arbeit gewährt, die zusammengestellt erahnen lassen, was Neues auf den Österreicher, seine Mitarbeiter und seinen Kader zukommt.

RB-Trainer Ralph Hasenhüttl spricht über...

... das Geheimtraining am Samstag: „Wir wollten ein paar Dinge trainieren, die nicht jeder sehen sollte. Wir werden im Trainingslager ja auch beobachtet, also brauchen wir ab und an ein bisschen Abgeschiedenheit, wo wir ins Detail gehen und Formationen ausprobieren können. Da wollen wir uns nicht in die Karten schauen lassen.“

 ... Pläne für den Test gegen Konyaspor und die Partien gegen Sevilla und Lissabon beim Emirates Cup: „Ich werde Dienstag zwei Mannschaften á 45 Minuten spielen lassen. Das macht im Moment Sinn. Wir wollen bis zum Ende der Vorbereitungszeit bis auf die drei jungen jeden Spieler gleich belasten, auch was die Spielzeiten anbetrifft. Beim Emirates Cup werde ich deshalb zwei Mannschaften jeweils eine der Partien spielen lassen.“

... die Eigenarten eines Champions-League-Kaders: „Die Stammspieler vom letzten Jahr werden dankbar sein dafür, dass sie nicht jedes Spiel machen werden. Ich habe noch keine Stammelf im Kopf, aber ich habe auf vielen Positionen das angenehme Problem, jemandem sagen zu müssen, dass er nicht spielt. Das ist nicht einfach für mich als Trainer, aber lieber schaue ich auf eine Bank und sehe viele Optionen als keine.“

... die besonderen Umstände einer Saisonvorbereitung mit Liga, Pokal und Champions League: „Die Champions League ist für meinen Stab und mich bekanntermaßen völliges Neuland. Es ist für uns also learning by doing. Aber das schärft die Sinne. Wir haben schon sehr früh gewusst, wo und wie wir welche Belastungen setzen.

In diesem Sinne habe ich keine Angst, dass wir mit Beginn der Saison bei dem einen oder anderen Spieler schnell die Reißleine ziehen können. Egal wie er heißt und wie wichtig er für uns möglicherweise gerade wäre. Es kann natürlich auch sein, dass wir sehr früh schon sehen, welchen Spieler wir gegen welchen Gegner brauchen, so daß wir auch vorausschauend eine Pause geben können.

Weil ich zum Beispiel gegen den Gegner am Samstag eher Ballbesitz brauche und unter der Woche eher Spieler gegen den Ball. Es kann also sein, dass einer im Camp Nou nicht ran darf, dafür aber am Wochenende gegen Mainz. Ich denke, wir werden diese Vorbereitung sicherlich nicht so schnell vergessen, weil sie für uns die erste ist.“

... Wirkung und Grenzen eines Trainingslagers: „Die Vorbereitung ist nicht nur für die Spieler da, das wird oft übersehen. Sie ist vor allem auch für uns Trainer da. Ich kann zum Beispiel in einer Einheit eine neue Formation testen. Das ist dann auch für uns Trainer wichtig, weil wir im Nachhinein zusammensitzen können und darüber nachdenken, was wir noch besser korrigieren können oder wo die Schwachstellen der Geschichte sind. Die Vorbereitungsspiele dienen dann dazu, das zu festigen oder ganz in die Tonne zu klopfen, wenn eine Idee nicht funktioniert.“

... alten Stil und neue Ansätze: „Wir sind auf der Suche nach einem Plan, der es uns vielleicht ermöglicht, mit etwas weniger Aufwand Ergebnisse über die Runden zu bringen.“

(mz)