RBL-Vorsänger im Interview

RB Leipzig-Vorsänger Sebastian über die Bundesliga und die Ansprüche der RBL-Fans

Leipzig - Sebastian, Vorsänger im Fanblock, spricht über das Bundesligadebüt und den Anspruch der RBL-Fans.

Von Ullrich Kroemer 26.08.2016, 11:42
RBL-Vorsänger Sebastian im Fanblock.
RBL-Vorsänger Sebastian im Fanblock. imago sportfotodienst

Zum Debüt von RB Leipzig in der ersten Liga werden am Sonntagabend bei der TSG Hoffenheim (17.30 Uhr) etwa 1000 Leipziger Fans mit dabei sein. Sebastian, der als Vorsänger im Fanblock die Stimmung bei Heim- und Auswärtsspielen anheizt, hat mit der MZ über den Respekt der RBL-Fans vor der ersten Bundesligasaison, Ablehnung durch andere Fanszenen und die gewaltfreie Einstellung der RB-Fans gesprochen.

Sebastian, auch die Fans von RB Leipzig starten am Sonntag in die erste Saison in der ersten. Liga. Was haben Sie sich vorgenommen?
Sebastian: Die erste Saison wird eine Orientierungssaison sein. Wir schauen: Wo stehen wir als Fanszene? Was können oder müssen wir möglicherweise noch anders machen? Es wird einfach etwas komplett Neues für uns. Wir werden anfangs ins kalte Wasser springen und dabei schwimmen lernen. Für uns ist wichtig, dass wir nichts kopieren, sondern eher unser eigenes Ding machen. Das hat uns ja auch bisher ausgezeichnet.

Das heißt, Sie haben Respekt vor der Premierensaison in der Bundesliga?
Sebastian: Die erste Liga ist auch was die Fanszenen anbelangt etwas komplett anderes als die zweite Liga. Wenn ich nur an Schalke, Dortmund oder Frankfurt denke – diese Vereine haben geile Fanszenen, die ordentlich laut sind und etwas auf die Beine stellen können. Diese Fanszenen konnten sich über Jahrzehnte hinweg entwickeln. Wir sind ja gerade noch dabei, laufen zu lernen.

Wie zufrieden waren Sie mit Ihrem Support in Dresden?
Sebastian: Was die Stimmung angeht, fand ich es sehr spektakulär. Fast alle RB-Fans sind dem Aufruf gefolgt, in Weiß anzureisen und haben über die gesamte Spieldauer hinweg die Mannschaft nach vorn gepeitscht.

Worauf freuen Sie sich in der ersten. Liga besonders?
Sebastian: Für mich persönlich ist das Spiel gegen Darmstadt ein absolutes Highlight-Spiel. Da gibt es noch ein paar offene Rechnungen, die beide Vereine miteinander zu begleichen haben.

Erwarten Sie, dass Ihnen viel Ablehnung entgegenschlagen wird?
Sebastian: Ja, das wird wieder hochkochen. Ich rechne mit einer ähnlichen Situation wie in der ersten Zweitligasaison oder wie in der dritten Liga. Vielleicht wird uns die eine oder andere Ultraszene boykottieren, aber wie man am Beispiel Dortmund sieht, wird der Gästeblock in unserem Stadion dann dennoch oft voll sein. Ganz aufhören wird die Ablehnung nie, aber mit der Zeit wird das wieder schwächer werden. Das ist ein ganz normaler Prozess.

RBL hat 20.000 Dauerkarten verkauft. Das Stadion wird auch deswegen oft voll sein, weil die Zuschauer die Gegner und generell Bundesliga-Fußball sehen wollen. Haben Sie Angst, dass zu viele Eventfans neu dazukommen?
Sebastian: Man schimpft immer über Eventfans. Aber sie finanzieren die günstigen Kartenpreise im Fanblock schließlich mit. Deswegen finde ich das nicht verwerflich. Schlimm fände ich, wenn Eventfans im Fanblock stünden, die nur die Stimmung erleben wollen, aber den Mund nicht aufkriegen, um die Mannschaft zu unterstützen. Aber das ist nicht zu befürchten, weil es kaum noch Tickets für Sektor B gibt. Wir werden richtig gute Stimmung bei den Heimspielen haben.

Die Kurve ist derzeit weitgehend gewaltfrei. Wie wird die generelle Entwicklung Ihrer Meinung nach weiter verlaufen?
Sebastian: Vielleicht wird es auch mal einen Vorfall geben, der Medieninteresse hervorruft. Aber generell denke ich, dass unsere Kurve friedlich bleibt. Die meisten haben keine Lust auf Zustände, wie wir sie früher in Leipzig hatten, als sich Fans Straßenschlachten mit der Polizei und untereinander geliefert haben. Wir haben einfach keinen Bock auf Gewalt.

Was wünschen Sie sich für die erste Bundesligasaison?
Sebastian: Ich wünsche mir möglichst viele emotionale Spiele, bei denen das ganze Stadion bebt und wie zum Aufstiegsspiel gegen Karlsruhe zum voll besetzten Hexenkessel wird. Kurz nachdem wir „Auf geht’s Leipzig, kämpfen und siegen” angestimmt hatten, schoss Emil Forsberg das 1:0. Das war geil, richtig elektrisierend. Dafür bin ich Capo bei RB Leipzig.