Offene Zukunft des Trainers

RB Leipzig: Überfordert Hasenhüttl den RBL-Kader?

Leipzig - Die RB-Niederlage gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln wirft auch die Frage auf, ob Klub und Trainer das Team noch in dieselbe Richtung entwickeln.

Von Martin Henkel
Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl (r.) gibt Emil Forsberg im Training Anweisungen.
Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl (r.) gibt Emil Forsberg im Training Anweisungen. dpa-Zentralbild

Die Forderung war deutlich. Noch war der B-Block voll, und das bei minus sieben Grad und nach einem 1:2 von RB Leipzig gegen den 1. FC Köln, das schwer zu verstehen war. Im B-Block stehen die Leipziger Altvorderen, Ultra-Affine und Fankulturschaffende. Sie sangen nach Spielende „Wir woll’n euch kämpfen seh’n!“, als der Kader mit Sicherheitsabstand müde klatschend an ihnen vorbeizog.

Es können sich viele aus diesem Block nicht mehr daran erinnern, wann sie die Parole zum letzten Mal angestimmt haben. Nicht jedenfalls, seit Ralph Hasenhüttl im Sommer 2016 seinen Job als Trainer antrat.

Es war also interessant zu erfahren, was der Österreicher davon hielt. Hasenhüttl sagte: „Spieler, die auf dem Zahnfleisch gehen, haben in der Regel keine Kraft mehr fürs Kämpfen. Es wäre wichtiger gewesen, spielerische Lösungen zu suchen.“

RB Leipzig: Lob für die erste Halbzeit

So ist der Österreicher: Er kann für ihn unsinnige Überlegungen von sich weisen, ohne jemanden zu brüskieren. Trotzdem stand bei RB Leipzig an diesem Sonntagabend die Frage nach einer anderen Herangehensweise im Raum - und die wird der Trainer so schnell nicht los. Die erste Halbzeit war ja ein Lehrstück darüber, wozu der Kader des Vorjahresaufsteigers fähig ist. „Besser kann man das nicht spielen“, urteilte Hasenhüttl.

Der Coach hatte seine Konterspieler Timo Werner und Yussuf Poulsen auf die Bank gesetzt. Dafür stellte er den spielstarken Kevin Kampl ins defensive Mittelfeld und ließ davor vier Kreative ran: Marcel Sabitzer, Bruma, Ademola Lookman und Emil Forsberg. Er habe diese offensive Variante bewusst gewählt, sagte er später. „Wir wollten Köln beherrschen.“

Anfangs ging es sich exzellent aus. Augustin traf früh zum 1:0 (3.). Danach beherrschte RB die Laternenträger vom Rhein tatsächlich nach Belieben. Eine Handvoll Großchancen ergaben sich, Leipzig brachte aber keine davon unter. „Wer seinen Gegner so am Leben lässt“, sagte Kampl später, „der macht ihn wieder stark.“

Spiel gegen Köln: Schlecht gecoacht?

Genau das war das Problem. Und vielleicht ist es sogar ein grundsätzliches. Mit Beginn der zweiten Halbzeit kippte das Spiel. Köln presste höher, ackerte, kämpfte, wollte das Tor – und bekam zwei. Das erste durch Vincent Koziello (70.), das zweite durch Leonardo Bittencourt (77.). Selten hat man RB in dieser Saison so hilflos gesehen. Und selten Hasenhüttl so wenig gewillt, das 1:0 über die Bühne zu bringen.

Anstatt mit Demme und Ilsanker zwei Spieler für die Defensive zu bringen, schickte er Poulsen und Werner aufs Feld. Hasenhüttl wollte Spielkontrolle und das 2:0. Eine Minute nach Werners Einwechslung fiel das 1:1.

Pech gehabt, oder Spiel vercoacht? Vermutlich hat beides zum Verlust der drei so wichtigen Punkte geführt. Bitter, denn die Sachsen wollen unbedingt unter die ersten Vier der Tabelle.

Jetzt sind sie Sechster und das bei Partien in den kommenden Wochen, die nichts Gutes verheißen: Erst kommt der BVB, dann geht es zum Zweiten der Heimspiel-Tabelle nach Stuttgart, danach kommt der FC Bayern und dazwischen duelliert sich RB in der Europa League mit den Russen von Zenit St. Petersburg.

Hasenhüttl hätte also hinreichenden Grund gehabt, mal mit der Alpenfaust auf den Tisch zu hauen. Ist aber nicht sein Ding. „Ich bin nicht hier, um meinen Emotionen freien Lauf zu lassen“, sagte er, „sondern um den Kader weiterzuentwickeln.“

Was wird mit dem Trainer?

Das allerdings ist die Gretchenfrage am Cottaweg. Was hat der Trainer vor? Die ganze Saison über schon zeichnet sich ab, dass der Coach vom alten Pressing-Fussball weg will. Zum einen, weil viele Gegner für diese Art Fußball zu tief stehen. Aber auch, weil er sich selber zu einem Topteam-Trainer ausbilden will, der Dominanz und Spielkontrolle kann? Um reif zu werden für größere Klubs?

Den Kader jedenfalls scheint das zu überfordern. Nur fünf Zu-null-Spiele sind den Sachsen bis dato gelungen, vorige Saison waren es zehn. Und was Sportdirektor Ralf Rangnick von diesem Fußball hält, hat er vor der Winterpause erklärt, als er forderte, zum alten System zurückzukehren.

Damals machte auch das Gerücht die Runde, Baumeister und Wunschtrainer würden nicht mehr in allen Fragen der Kaderentwicklung dieselben Ziele verfolgen. Beide widersprachen. Doch dass Hasenhüttl weiter zögert, seinen 2019 auslaufenden Vertrag zu verlängern, wirft die Frage auf, ob es nicht bald zum Tabubruch kommt: nämlich der Trainerfrage. Rangnick jedenfalls ließ zuletzt durchblicken, dass er nicht gewillt ist, mit einem Chefcoach in die neue Saison zu gehen, dessen Arbeitspapier nur noch ein Jahr Gültigkeit besitzt.

Freier Tag gestrichen

Aus den zwei freien Tagen für die Profis von RB Leipzig ist nichts geworden. Trainer Ralph Hasenhüttl hatte diese vor der Partie gegen den 1. FC Köln in Aussicht gestellt. Nach dem Spiel, das die Leipziger am Sonntag nach einer 1:0-Führung noch 1:2 verloren, gibt der 50 Jahre alte Österreicher seinen Spielern nur an diesem Dienstag frei. Mittwoch und Freitag trainiert RB unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Hasenhüttl will seine Mannschaft bestmöglich auf der Spitzenspiel der Fußball-Bundesliga am kommenden Samstag gegen Borussia Dortmund vorbereiten. Nach dem Abrutschen auf den sechsten Platz und der dritten Pflichtspiel-Niederlage nacheinander muss RB dringend punkten.

(mz )