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RBL-Highlights RB Leipzig: Sieben Meilensteine auf dem Weg in die Champions League

Von Ullrich Kroemer 08.05.2017, 13:58
Schon nach 32 Spieltagen kann Aufsteiger RB Leipzig über die sichere Champions-League-Qualifikation jubeln.
Schon nach 32 Spieltagen kann Aufsteiger RB Leipzig über die sichere Champions-League-Qualifikation jubeln. dpa

Leipzig - Nach 32 Spieltagen hat sich RB Leipzig sicher für die Champions League qualifiziert. hat Diese Spiele und Entwicklungen waren entscheidend für die Rekordsaison des Aufsteigers :

21. August 2016: Hasenhüttls perfektes Krisenmanagement

Am Vormittag nach dem Pokal-Aus gegen Dynamo Dresden im ersten Pflichtspiel der Saison tagte der Krisenstab auf dem Trainingsgelände von RB Leipzig. Trainer Ralph Hasenhüttl und Sportdirektor Ralf Rangnick steckten die Köpfe zusammen. Sogar Chefplaner Oliver Mintzlaff kam unüblicherweise hinzu. Die Anspannung war zu greifen. Nun gab Rangnick zu: „Wir hatten nur einmal Sorge, das war nach dem Pokalspiel gegen Dresden. Da haben wir gedacht: Okay, da haben wir noch etwas zu tun. Aber ab dem ersten Spieltag hatten wir keine wirklichen Sorgen mehr.”

Doch Hasenhüttl tat dem bis dato zuweilen zu verkopften und angestrengten System RB in dieser Situation spürbar gut, strahlte nicht überehrgeizige Verbissenheit aus, sondern demonstrierte Besonnenheit und legte (selbst-)kritisch den Finger in die Wunde, als er fehlende „Cleverness” anmahnte. „Wenn wir unser Spiel mal nicht so durchziehen können, muss man sich halt zusammenrotten und Plan B verfolgen”, hatte Hasenhüttl gesagt. „Es muss auch mal reichen, eine Führung zu verwalten und den Rhythmus des Gegners anders zu brechen. Das wird uns sicher in Zukunft besser gelingen, das kann ich versprechen.” Er behielt Recht.

10. September: Euphorisches Erweckungserlebnis gegen Dortmund

Und auch das zweite Aufeinandertreffen mit einem schwarz-gelben Klub hatte entscheidende Bedeutung für die Saison. Selbstvertrauen und Euphorie nach Naby Keitas Last-Minute-Treffer zum 1:0-Sieg gegen den BVB im ersten Bundesliga-Heimspiel der RB-Geschichte trug das Team über die gesamte Saison. Dieser Erfolg trug maßgeblich dazu bei, dass sich die Leipziger in dieser Saison alles zutrauten. In nahezu jedem Interview über die Erfolgsserie des Aufsteigers nannten Spieler und Trainer das Erweckungserlebnis gegen Dortmund. Teamgeist dieser Mannschaft und der unbedingte Glauben in das Tun des neuen Trainers waren an diesem rauschhaften Abend in Leipzig geboren. Es sollte bis Mitte Dezember dauern, bis das Team das erste Mal ein Bundesliga-Spiel verliert.

17. September: Erfolgsduo Werner- Forsberg kommt in die Spur

Der 4:0-Auswärtserfolg beim HSV war nicht nur Leipzigs erster Auswärtssieg in der Liga, sondern war auch deswegen besonders wichtig, weil er zur Gala von Timo Werner und Emil Forsberg geriet. EM-Teilnehmer Forsberg hatte zuvor noch formschwach agiert, war aber bei seinem ersten Startelfeinsatz in Hamburg überragend, als er in der zweiten Hälfte zwei Tore vorbereitete und eins selbst erzielte. Werner – längst noch nicht so selbstbewusst wie heute – kam erst zur Hälfte ins Spiel. Rangnick und Hasenhüttl hatten ihm beim Spaziergang vor dem Spiel prophezeit, dass er die Partie entscheiden würde. So kam es, der damals noch 20-Jährige erzielte zwei Treffer selbst und holte sich einen Assist. Das Erfolgsduo Werner-Forsberg war geboren. Einer von beiden oder beide zusammen waren an 42 der 60 RB-Tore als Torschütze oder Vorlagengeber direkt beteiligt – 70 Prozent aller Tore.

23. Oktober: Naby Keita tritt aus dem Schatten

Welch’ hervorragender Fußballer Naby Keita ist, war nach den ersten Eindrücken in Testspielen klar. Doch dass er auch in der Lage ist, das in der Bundesliga auf den Platz zu bringen, wusste man nach dem 3:1 gegen den SV Werder Bremen, als Keita mit einem Doppelpack die Werder-Defensive quasi im Alleingang schwindelig spielte. Am Tag danach schwärmte Hasenhüttl: „Es ist normalerweise nicht mein Ding, einzelne Spieler herauszuheben. Aber was er gestern gespielt hat, war herausragend.” Der Fußballlehrer staunte: „Wenn er mal den Ball am Fuß hat, ist er eine Waffe. Wahnsinn, was er macht.” Und zudem hatte sich Keita an das robuste Spiel gewöhnt, erkannte, wie kämpferisch und taktisch klug er die Gegner attackieren muss, um selbst offensiv glänzen zu können. Nach dem Werder-Spiel fehlte der Guineer nur noch ein einziges Mal in dieser Saison in der Startelf: gelbgesperrt beim Rückspiel in Bremen, das ohne ihn 0:3 verloren ging.

18. November: Erste Tabellenführung – erst die Spitze des Eisbergs

Nach dem 3:2 bei Bayer Leverkusen war RB Leipzig erstmals Tabellenführer. Entscheidender aber war die Art und Weise, wie dieser Sieg zustande kam: Elfmeter gehalten, Spiel gedreht, Siegtor durch Orban. Hasenhüttl und Teampsychologe Sascha Lense hatten sich vor der Partie wieder eine treffende Motivations-Metapher einfallen lassen, um die Mannschaft zu pushen: Das Eisbergmodell kennt man eigentlich aus der Freud’schen Psychologie. Das Trainerteam übersetzte das Bild auf die Leistungsfähigkeit des Teams, bei der aktuell nur die Spitze des Eisbergs zu sehen sei. Viel mehr schlummere noch unter der Oberfläche. „Wir haben vor dem Spiel versucht, der Mannschaft ihr wahres Potenzial zu zeigen und dass wir heute alles davon brauchen werden, weil Leverkusen ein starker Gegner ist”, hatte Hasenhüttl erklärt. „Vieles von dem, was wir an Potenzial haben, war noch gar nicht so sichtbar.” Apropos Eisberg: Nach dem Leverkusen-Spiel war RB sogar vom 11. bis 14. Spieltag Tabellenführer – auf dem Gipfel.

Dezember bis Februar: Richtige Antwort auf Niederlagen

Wie gefestigt diese jüngste Mannschaft der Liga ist, war stets nach Niederlagen zu sehen. Nach Pleiten in Ingolstadt und München, im Trainingslager gegen Ajax Amsterdam (1:5) sowie gegen den HSV kam das Team stets umso kämpferischer und abgebrühter zurück. Zum Beispiel zum Rückrundenstart mit Siegen gegen Eintracht Frankfurt und die TSG Hoffenheim. „Für uns gibt es keine Niederlagen”, ist einer von Hasenhüttls Leitsprüchen. „Entweder wir gewinnen das Spiel oder an Erfahrung.” Traf angesichts der raschen Lernkurven des Teams genau so zu.

1. April bis 8. April: Die perfekte englische Woche nach der „Delle”

Nach drei Spielen ohne Sieg und nur einem Remis kam RB mit der perfekten englischen Woche wie Phönix aus der Asche und qualifizierte sich mit neun Punkten aus drei Spielen für das europäische Geschäft. Das 4:0 gegen Darmstadt brachte die Euphorie zurück. Beim 3:2 in Mainz, einem der härtesten Spiele der Saison, demonstrierte Leipzigs Mentalität und Kampfkraft. Und der Last-Minute-Sieg gegen Leverkusen war neben dem Auftaktsieg gegen den BVB der emotionalste Heimsieg. Bereits vor der Siegesserie hatte Hasenhüttl gesagt: „Wir brauchen diese Delle, um die Siege, die danach wieder kommen werden, richtig wertschätzen zu können.” (mz)