15,5-Millionen-Euro-Kauf

RB Leipzig: Oliver Burke in Leipzig angekommen

Leipzig - Der schottische Neuzugang ist jetzt in Leipzig.

Von Maritn Henkel
Oliver Burke

Oliver Burke ist am Montagnachmittag in Leipzig gelandet, und wie sich das für einen Transfer wie Burke gehört, hatte die Ankunft des 15,5-Millionen-Euro-Kaufs bei seinem neuen Arbeitgeber etwas vom Glamour, den nur eine Hintertürankunft verbreitet.

Burke ist Zugang Nummer sechs

Tor geht auf, Auto schleicht in den Innenhof und heraus steigt der Star, sieht sich verstohlen um, wird schleunigst durch irgendeine Tür geschoben. Und dann, vorne wieder raus, jetzt ganz offiziell: Hier, Oliver Burke, Schotte, RB Leipzigs Zugang Nummer sechs, und was für einer, wenn man den Meldungen aus Großbritannien Glauben schenken darf, dass der 19 Jahre junge Außenstürmer das Zeug hat zu einer Karriere vergleichbar mit der des Walisers Gareth Bale, dem 105-Millionen-Euro-Megastransfer vom FC Everton zu Real Madrid vor drei Jahren.

Klar, Leipzig ist nicht Madrid, 15,5 Millionen sind nicht 105 und RB bei weitem nicht Real. Läuft hier ein paar Nummern kleiner ab, aber Burke spricht trotzdem in Superlativen. Nachdem er zur Kabinentür raus ist, marschiert er auf den Trainingsplatz zu, Hoodie, enge graue Jeans, in denen die Bahnradsportler-Oberschenkel kaum Platz haben, dazu das Kreuz eines Ringers. Daumen hoch, Burke lächelt, RB Leipzig, die ersten Eindrücke? „Das hier ist absolut erstklassig, fünf Sterne“, sagt Burke, „das war jetzt bei meinem alten Verein Nottingham Forest nicht so der Fall. Fantastisch!“

Sachsen statt Bayern

Vor einer Woche noch war Burke Spieler des englischen Zweitligisten, er war zweifacher Einwechsel-Nationalspieler und Talent. Doch kaum jemand hatte ihn in diesem Sommer auf der Jagdliste. Außer RB Leipzig und die englischen Großklubs Arsenal, Manchester United, angeblich auch die Bayern. Hört man so. Burke sagt: „Das war so.“ Warum dann Leipzig? „Sie haben sich wirklich sehr um mich bemüht, nicht nur als Spieler, sondern als Mensch, und das ist mir wichtig.“

Komisch dürfte die Offerte trotzdem im ersten Moment gewesen sein. Leipzig, die Stadt? „Kannte ich vorher nicht. Ich musste erst ins Internet und nachschauen. Ich hab mich dann da rein gelesen, dann war ich mit meinem Berater da und danach konnte ich das Angebot nicht mehr ablehnen.“ Burke lächelt. Und den Verein? „Kannte ich auch nicht wirklich.“ Aber: „Ich bin hier, um zu wachsen, um mich zu entwickeln, und hier kann ich das.“ Das Trainingszentrum also – fünf Burkesche Sterne. Die Stadt – fantastisch. Dazu der Klub, jung, potent. Und Bundesliga – „jeder weiß, wie gut das Niveau hier ist.“

Burke ist später noch zu Trainer Ralph Hasenhüttl an den Mittelkreis des Übungsfeldes gelaufen. Sie haben sie herzlich begrüßt, ein paar Spieler schauten auf einen Männerhandschlag vorbei. Kennen tut Burke von seinen neuen Kollegen keinen. „Nicht wirklich.“ Aber er hat sie sich auf Video angeschaut. „Das hat mir echt gefallen, wie Leipzig spielt, das kommt meiner Art genau entgegen.“

Burke ist über 1,90 Meter groß, ungewöhnlich für einen Außen, dazu ist er schnell und technisch versiert. Vergleichbar mit dem Waliser Bale? „Vielleicht in ein paar Jahren. Eher noch erinnert er mich gerade an Robbie Keane“, sagte vor Tagen Schottlands Assistenztrainer Mark McGhee am Rande der Vorbereitung auf das WM-Qualifikationsspiel der Schotten gegen Malta am Sonntag, das die „Tarten Army“ 5:1 gewann. Keane hatte seine besten Zeiten bei den Spurs, 197 Spiele, 80 Tore, jetzt ist er Kapitän der LA Galaxys in den USA, Der Ire war früh ein Star, Stürmer, feines Gespür, wuchtig, ehrgeizig, abgebrüht, einer mit Punch. McGhee fügte an: „Als ich Oliver zum ersten Mal gesehen habe, das war schon was Spezielles, er hatte das gewisse Etwas, so wie Keane, den X-Factor, der ihn außergewöhnlich macht. Wie er sich bewegt hat, seine Schnelligkeit, sein Gefühl am Ball - es war zum Fingerlecken.“

Teuerster Transferschotte

Dass Burke in diesem Sommer schon gewechselt ist, sagte McGhee, habe ihn nicht gewundert, auch nicht die Summe: 15,5 Millionen Euro, Burke ist damit der teuerste Transferschotte der Geschichte. „Aber zu RB Leipzig, das hat mich überrascht.“ Dann aber sei der Gedanke durchgesickert: „Klar, bei Arsenal oder United hätte er erst einmal anderthalb Jahre auf dem Trainingsplatz verbracht, oder bei einer der B-Mannschaften gespielt. In Leipzig wird er vermutlich eher regulär spielen.“

Ist das so? Burke, der ohne Freunde, ohne Freundin, ohne Familie eingeflogen ist, hat am Montag verneint, dass er einen Stammplatz erwarte. Er sei hier, um sich erst einmal umzuschauen, um sich an alles zu gewöhnen, um sich an- und einzupassen. „Ich werde, denke ich nicht gleich von Anfang an spielen. Ich werde Zeit brauchen, um mich an alles zu gewöhnen. Und das werde ich tun. Ich werde, wie man so schön sagt, alles aufsaugen wie ein Schwamm.“ (mz)