4:1-Sieg in Freiburg

RB Leipzig gewinnt 4:1 beim SC Freiburg im Schwarzwald-Stadion

Freiburg - RB Leipzig zieht den Bayern davon - zumindest bis zum Samstagabend beträgt der Vorsprung sechs Punkte. In Freiburg ließ der Aufsteiger nichts anbrennen.

Von Martin Henkel 25.11.2016, 20:15
Timo Werner bejubelt seinen 3:1-Treffer. (
Timo Werner bejubelt seinen 3:1-Treffer. ( dpa

RB Leipzig kam als ungeschlagener Tabellenführer in den Breisgau zum zwölften Saisonspiel. Und war auch nach 90 Minuten weiter an der Spitze der 1. Liga. Die Sachsen gaben sich beim SC Freiburg keine Blöße und gewannen durch Tore von Naby Keita (2.), zwei Mal Timo Werner (21., 34.) sowie Marcel Sabitzer (79.) verdient 4:1 (3:1). Den Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 1:1 erzielte Florian Niederlechner per Kopf (15.). Leipzig ist hat damit bei einem Spiel mehr sechs Punkte Vorsprung auf den FC Bayern München. Nie ist ein Aufsteiger jemals erfolgreicher in eine Oberhaus-Saison gestartet. Und schon gar kein Neuling.

Ausgangslage

RB Leipzig fuhr zum ersten Mal in seiner ohnehin kuriosen Vereinsgeschichte als Tabellenführer der Fußball-Bundesliga zu einem Auswärtsspiel. An diesem Freitagabend mit drei Punkten Vorsprung auf den FC Bayern (Spiel am Samstag 18.30 Uhr gegen Bayer Leverkusen) zum SC Freiburg, vor Anpfiff Tabellenzehnter. Ausgerechnet! Wenn es einen Gegner gibt, der die Leipziger gut kennt, dann der Sport-Club.

Beide Vereine duellierten sich vergangene Saison in Liga zwei und stritten um die Meisterschaft. Freiburg setzte sich letztendlich durch. Nicht zuletzt durch die Partie im März, die als Schneeballspiel in die Annalen beider Klubs einging. RB verlor im Schnee Halt und Übersicht und schließlich 1:2. Angeblich reisten die Sachsen deshalb mit einer offenen Rechnung in den Südwesten, aber Trainer Ralph Hasenhüttl hatte früh angekündigt: „Wenn es wieder schneit, bleiben wir einfach im Bus.“

Personalien

RB Leipzig gehen so langsam die Abwehrspieler aus. Nach Lukas Klostermann (Kreuzband), Ken Gipson (Knöchelbruch) und Bernardo (Meniskus) fällt seit dem Spiel gegen Bayer vergangenen Freitag auch Innenverteidiger Marvin Compper aus (Knöchel). Es hätte ihn ersetzen können Kyriakos Papadopoulos, aber der legte sich diese Woche überraschend mit Knieproblemen ebenfalls unters Messer. Bedeutete also, dass Trainer Ralph Hasenhüttl Stefan Ilsanker nach innen beorderte und Benno Schmitz in der Viererkette rechts spielen ließ.

Im Vergleich zum SC waren die Personalsorgen aber verschmerzbar. Trainer Christian Streich musste sieben Ausfälle kompensieren, darunter die des Toptorjägers Maximilian Philipp und Rekordzugang Caglar Söyüncü in der Innenverteidigung.

Fans

Etwa 1000 Fans begleiteten die Leipziger am Freitagabend zum Gastspiel nach Freiburg. Im Vorfeld hatten die Freiburger Ultras mit einem Spottvideo eine durchaus kreative Form des Protests gegen RBL gewählt. In Form einer Nachrichtensendung persifliert das Video eine Zukunft mit RB Leipzig als treibende Kraft im deutschen Fußball.

Spielverlauf und Analyse

1. Hälfte

Es schneite nicht. Leipzig also stieg aus dem Bus und stellte sich dem Gegner, der zuvor zwölf seiner 15 Punkte zu Hause geholt hatte und neben RB (116,4 Kilometer) die zweitlaufstärkste Mannschaft der Liga stellte (115,9). Ralph Hasenhüttl hatte es vor dem Spiel prognostiziert: „Das wird vor allem ein Laufspiel.“ Die Aussichten waren untertrieben. Die Partie begann im Raketenmodus. 1. Minute: Foul an Diego Demme kurz hinterm Mittelkreis, Freistoß Emil Forsberg auf Stefan Ilsanker, Freiburgs Schlussmann  Alexander Schwolow klärte zur Ecke. Die trat Forsberg auf Marcel Sabitzer, der passte auf Naby Keita. Ein Schuss aus 25 Metern: 1:0 für RB! Nach 1:20 Minuten!

13 Minuten später war die Führung egalisiert. Einen Segelball von Pascal Stenzel quer über den Platz köpfte Florian Niederlechner zwischen Schmitz und Ilsanker hindurch zum 1:1 ins Tor. Aus der Kalten. Völlig unerwartet. RB hatte das Spiel bis dahin in eisernem Griff.

Also wieder offen die Partie. Dachte man. Doch die Sachsen übernahm sofort wieder die Kontrolle. Sechs Minuten darauf waren sie wieder in Führung. Demme passte einen Langlupfball in die Sprinterbeine von Timo Werner, der den Ball unter Schwolows Beinen hindurch unter Kontrolle bekam und nur noch einschieben brauchte. Es war sein sechstes Saisontor.

Sein siebtes schob er in der 34. Minute hinterher. Dazwischen hatte sich das Spiel eingependelt. RB ließ den Ball laufen, Freiburg lauerte auf Konter. Aber das können die Sachsen bekanntlich ja auch. Umschalten ist ihre große Stärke. Werners Treffer ging ein Ballverlust der Gastgeber voraus. Über Yussuf Poulsen und Forsberg flutschte der Ball in den Lauf des Leipziger Stoßstürmers, der mit einem Bogenflachschuss Schwolow keine Chance ließ.

2. Hälfte

Das Spiel drehte, was zu erwarten war. Wollte der SC noch etwas mitnehmen aus der Partie, musste er etwas dafür zun. Die Freiburger störten nun früher und verlagerten ihre Reihen weiter nach vorn. Für RB hieß das, spielen zu können, worin sie Meister dieser Liga sind: gegen den Ball arbeiten und blitzschnell kontern.

Torchancen erspielten sich bis zur 67. Minute freilich weder die Gäste noch die Hausherren. Dann schoss Vincenzo Grifo das erste Mal in den zweiten 45 Minuten aufs Tor von Peter Gulacsi, der Ungar hielt. Im Gegenzug schoss auch RB das erste Mal aufs Freiburger Tor. Erfolgreich eigentlich. Forsbergs Treffer wurde aber wegen Abseits’ von Werner nicht gegeben (68.).

Die Sachsen legten trotzdem noch einen Treffer nach. Für den brauchten sie allerdings zwei Anläufe. Das jeweilige Pass-Tor-Pärchen: Forsberg und Sabitzer. Beim ersten Gegenstoßpass des Schweden schoss der Österreicher noch an den Pfosten (76.), drei Minuten später bediente Forsberg seinen Kollegen erneut, dieses Mal traf Sabitzer mit einem Schuss aus zwölf Metern (79.). Und beendete damit die Partie vorzeitig.

Ausblick

Nach zwei Auswärtsspielen darf RBL am kommenden Samstag zuhause zur besten Sendezeit 18.30 Uhr im Topspiel gegen den FC Schalke antreten. Freiburg muss drei Stunden zuvor bei Bayer Leverkusen antreten (Sa., 15.30).

SC Freiburg gegen RB Leipzig 1:4 (1:3) 

SC Freiburg: Schwolow - P. Stenzel, Torrejon (46. Haberer), Gulde (70. Föhrenbach), C. Günter - Höfler, Abrashi - Frantz, Grifo - Petersen (77. Möller Daehli), Niederlechner

RB Leipzig: Gulacsi - Schmitz, Ilsanker, Orban, Halstenberg - Demme, Keita - Sabitzer (87. Khedira), Forsberg - Ti. Werner (84. Selke) - Y. Poulsen (78. Burke)
Tore: 0:1 Keita (2., Sabitzer), 1:1 Niederlechner (15., Stenzel), 1:2 Werner (21., Demme), 1:3 Werner (34., Forsberg), 1:4 Sabitzer (79., Forsberg)
Chancen: 5:6  Ecken: 4:5
Schiedsrichter: Benjamin Brand (Bamberg) Gelbe Karten: Stenzel (18.), Höfler (63.) / Orban (32.), Schmitz (42.), Poulsen (49.)
Zuschauer: 24.000 im Schwarzwald-Stadion Freiburg