Pressekonferenz vor Mittwochspiel

RB Leipzig gegen Gladbach: Pressekonferenz vor Mittwochspiel: Hasenhüttl tappt fast in Europapokalfalle

Leipzig - Es lagen auf der Pressekonferenz vor dem Mittwochspiel RB Leipzigs gegen den Vorjahres-Vierten Borussia Mönchengladbach (20 Uhr) hier und da Fallen aus. Personalfragen etwa. Oder solche nach den Ambitionen des Aufsteigers. RB ist nach drei Partien, einem Remis, zwei Siegen, aktuell Dritter der Liga. Vor der ersten Saison hieß es am Cottaweg: Wir wollen mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Und jetzt, modifiziert der Klub seine Ziele? Stichwort: Europa League? Trainer Ralph Hasenhüttl wäre fast hineingetappt in die Europapokalfalle. 15 Minuten nur haben gefehlt. Er wurde gefragt, wann er seine Aufstellung für das Spiel im Kopf habe. Hasenhüttl antwortete: „Spät, ich habe ja bis 20.30 Uhr Zeit.“ Kurze Pause. „Oh, hätte ich jetzt 20.45 Uhr gesagt, das hätte vielleicht ’ne Schlagzeile ...

Von Martin Henkel
RB-Cheftrainer Ralph Hasenhüttl bei der Pressekonferenz
RB-Cheftrainer Ralph Hasenhüttl bei der Pressekonferenz imago sportfotodienst

Es lagen auf der Pressekonferenz vor dem Mittwochspiel RB Leipzigs gegen den Vorjahres-Vierten Borussia Mönchengladbach (20 Uhr) hier und da Fallen aus. Personalfragen etwa. Oder solche nach den Ambitionen des Aufsteigers. RB ist nach drei Partien, einem Remis, zwei Siegen, aktuell Dritter der Liga. Vor der ersten Saison hieß es am Cottaweg: Wir wollen mit dem Abstiegskampf nichts zu tun haben. Und jetzt, modifiziert der Klub seine Ziele? Stichwort: Europa League? Trainer Ralph Hasenhüttl wäre fast hineingetappt in die Europapokalfalle. 15 Minuten nur haben gefehlt. Er wurde gefragt, wann er seine Aufstellung für das Spiel im Kopf habe. Hasenhüttl antwortete: „Spät, ich habe ja bis 20.30 Uhr Zeit.“ Kurze Pause. „Oh, hätte ich jetzt 20.45 Uhr gesagt, das hätte vielleicht ne Schlagzeile gegeben.“

Einstieg ins internationale Geschäft?

20.45 Uhr werden hierzulande traditionell die Partien der Champions League angepfiffen. Und die waren natürlich Thema am Tag vor dem zweiten Heimspiel dieser Saison gegen Gladbach, neben Bayer, dem BVB und Bayern München der vierte deutsche Teilnehmer der Champions League. So wie die der Europa League. Vor allem, weil nach den Auftritten des Neulings die Liga anfängt zu glauben, der Aufsteiger werde nicht gegen den Abstieg sondern um den Einstieg ins internationale Geschäft spielen. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl hatte am Dienstag gemutmaßt, RB Leipzig spiele um Europapokal-Plätze mit. Und weil die Borussen Mittwoch vor einer Woche selbst ihr erstes Spiel in der Königsklasse bestritten, sie gingen mit 0:4 gegen Manchester City unter. Hasenhüttl ging nicht auf die Pleite ein, spielte aber auf die Partie an: „Vorigen Mittwoch hat Gladbach noch gegen City gespielt, jetzt dürfen wir gegen sie antreten. Das ist eine tolle Sache für uns. Wir haben viel Lust auf dieses Spiel.“

Lust, nicht Angst, nicht Ehrfurcht

Lust, nicht Angst, nicht Ehrfurcht – das ist das deutlichste Zeichen, wie sich das Selbstwertgefühl der Leipziger in den vergangenen Wochen gewandelt hat. „Wir wollen zeigen, dass wir nach Dortmund einem weiteren Champions-League-Teilnehmer Probleme bereiten können“, sagte Hasenhüttl, zollte dem Gegner zwar Respekt „denn wir haben es mit einer Truppe zu tun, die zu den spielerisch Besten gehört, was diese Liga zu bieten hat.“ Aber: „Wir haben zuletzt auch gezeigt, dass wir solche Mannschaften gut verteidigen können.“ Was freilich gar nichts bedeutet. Europapokal? Schmarrn! „Wenn der Gegner uns schon in der Europa League sieht, ist das schön für den Gegner. Aber wir sehen uns dort bei Weitem noch nicht. Wir haben eine sehr junge Mannschaft, der wir die Zeit geben müssen, sich zu entwickeln. Wir träumen nicht von der Europa League, wir arbeiten lieber daran, dass wir weiter vorankommen.“

Wer startet gegen Gladbach?

Mit wem er das gegen Gladbach vorhat, ließ Hasenhüttl offen. Natürlich. Kein Trainer lässt sich in die Aufstellung schauen. Außerdem will Hasenhüttl ein paar Stammformationsfragen ja sowieso erst Mittwoch für sich beantworten. So wie die nach der Besetzung der rechten Außenbahn in der Viererkette. Auf der spielte bis vor kurzem Lukas Klostermann, der sich allerdings das Kreuzband riss, weshalb Hasenhüttl Bernardo die Aufgabe gegen den HSV anvertraute. Eine Garantie hat der Brasilianer deshalb aber nicht. Das gleiche gilt für Emil Forsberg, der gegen die Hamburger an allen vier Toren beteiligt gewesen ist. Er war offiziell Mann des Spiels. „Emil ist im Vorwärtsgang fantastisch“, sagte Hasenhüttl, aber im Spiel gegen den Ball fehlten dem Schweden hin und wieder „ein paar Prozent“. Die müsse er noch aus sich herausholen, „dann bekommt er auch seine Einsatzzeiten“. Ähnliches gilt für Naby Keita, den der Österreicher in Hamburg erstmals als Spielmacher ausprobiert hat, in der Halbzeitpause aber auf die Bank beorderte, „im Spiel gegen den Ball war das nicht so prickelnd.“

Bis auf Klostermann alle Spieler zur Verfügung

So der so, oder anders – Hasenhüttl hat bis auf Klostermann alle seine Spieler zur Verfügung. „Und alle wirken frisch. Das Spiel gegen den HSV war intensiv, trotzdem hat es uns gar nicht so viel Energie gekostet, wie wir angenommen haben.“ Er kann also aus den Vollen schöpfen. Oder er hat die Qual der Wahl – je nachdem. Bis Mittwochabend halb neun wird er es für sich herausgefunden haben. Halb neun? Hasenhüttl war knapp an 20.45 vorbeigeschrammt, jetzt musste er die Korrektur nur noch richtig ausführen. „Nicht halb neun. 20.00 Uhr. Natürlich. Bis morgen Abend.“ (mz)