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Uefa-EntscheidungRB Leipzig: Das sagen die Experten zur Champions-League-Lizenz

Leipzig - Bei einem Treffen am Freitag in der Zentrale des europäischen Fußball-Verbandes im schweizerischen Nyon räumten die Bosse von RB Leipzig und Red Bull Salzburg letzte Zweifel bei den Regelhütern der Uefa aus. Am Dienstagabend erhielten beide Klubs die Bestätigung, dass sie für die Champions League zugelassen ...

Von Ullrich Kroemer 22.06.2017, 10:44
Um die Rolle von Red Bull bei den Klubs in Leipzig und Salzburg gibt es immer wieder Diskussionen.
Um die Rolle von Red Bull bei den Klubs in Leipzig und Salzburg gibt es immer wieder Diskussionen. imago sportfotodienst

Bei einem Treffen am Freitag in der Zentrale des europäischen Fußball-Verbandes im schweizerischen Nyon räumten die Bosse von RB Leipzig und Red Bull Salzburg letzte Zweifel bei den Regelhütern der Uefa aus. Am Dienstagabend erhielten beide Klubs die Bestätigung, dass sie für die Champions League zugelassen sind.

Financial-Fair-Play-Experte Ludwig Hierl erklärt: „Für die Uefa ergab sich ein gewisses Dilemma. Die Finanzkontrollkammer musste entscheiden, ob ein Integritätsverstoß vorliegt oder eben nicht. Ähnlich wie es ,ein bisschen schwanger’ nicht gibt, gab es hier nur ein ,ja’ oder ein ,nein’ als Antwort.”

Dafür waren in den vergangenen zwei Jahren umfangreiche Umbauarbeiten im Red-Bull-Fußballsystem notwendig: Ralf Rangnick musste sich als Sportdirektor aus Salzburg zurückziehen; RBL-Boss Oliver Mintzlaff räumte den Posten des Red-Bull-Fußballchefs ebenso wie Rudolf Theierl als Vorstand in Salzburg.

In Österreich darf das Mateschitz-Imperium offiziell nur noch als Hauptsponsor agieren, maximal 30 Prozent am Gesamtumsatz tragen und nicht mehr mitbestimmen. Zudem muss der FC Salzburg, Red Bull ist als Name international nicht gestattet, künftig bei Uefa-Spielen in veränderten Trikots auflaufen, um peinliche Verwechslungen zu vermeiden.

Champions-League für RB Leipzig: „Nach geltendem Uefa-Recht ist es regulär“

Paul Lambertz, Sportrechtler aus Düsseldorf, sagt der MZ, dass „die Entflechtung so vorangeschritten ist, dass man davon sprechen kann, dass beide Vereine unabhängig voneinander sind. Ob das aber tatsächlich so ist, wird die Zukunft zeigen.”

Wirtschaftswissenschaftler Henning Zülch, Professor an der HHL in Leipzig, bestätigt: „Nach geltendem Uefa-Recht ist es regulär, beide Vereine spielen zu lassen.” Aus Sicht der Fans hingegen keineswegs. „Fans zweifeln zu Recht die Integrität des Wettbewerbs an. Meines Erachtens ist mit integritas eine gewisse Unversehrtheit gemeint. Diese verliert der Wettbewerb durch den hier diskutierten Präzedenzfall.”

RB Leipzig und Salzburg: Direktes Duell wäre der SuperGAU für beide Vereine

Doch wie bereits bei den vorangegangenen Lizenzierungdiskussionen gelte: Wenn die Verbände diese Schlupflöcher bieten, ist es nicht verwerflich, diese zu nutzen. Der Thüringer Sportjurist Arnhold glaubt, „dass die Uefa mit Blick auf die Integritätsregeln noch einmal nacharbeitet und diese für die Zukunft konkreter und somit bestimmter ausgestalten wird”.

Und was, wenn beide Klubs tatsächlich in Champions oder Europa League direkt aufeinanderträfen? „Ein solches Szenario wäre der SuperGau für die Vereine”, sagt Wirtschaftsexperte Zülch. Er glaubt: „Ein großer Shitstorm würde die Partie begleiten”; der Imageschaden für das junge Unternehmen RB Leipzig würde verheerend ausfallen.

Jurist Lambertz sagt: „Jede entscheidende Spielaktion wird darauf analysiert werden, ob nicht vielleicht doch die eine oder die andere Mannschaft nicht alles gegeben hat. Ich hoffe sehr für den Fußball, dass nicht der böse Schein eines wie auch immer gearteten irregulären Spiels entsteht.” Sportrechtler Arnhold ist diesbezüglich angesichts der großen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gelassen: „Eine Stallorder halte ich in diesem konkreten Fall für ein etwas übertriebenes Schreckensszenario.” (mz)