2:0 gegen Karlsruhe

RB Leipzig: Aufstieg in die 1. Bundesliga nach dem Sieg gegen den Karlsruhe SC

Leipzig - Zweite Liga war schön, Zeit für uns zu gehen“, hallte es durch die ausverkaufter Leipziger Fußball-Arena. Nach 22 Jahren ist die Stadt in der kommenden Saison wieder der Fußball-Bundesligist vertreten. RB hat am Sonntagnachmittag mit einem 2:0-Sieg gegen den Karlsruhe SC den Aufstieg perfekt gemacht. Bis in der ausverkauften Arena alle Feierdämme brachen, brauchte es eine gehörige Portion Geduld.

Von Clemens Boisserée 08.05.2016, 16:45
Emil Forsberg: Sein Treffer zum 1:0 war der Grundstein für den 2:0-Erfolg gegen den KSC.
Emil Forsberg: Sein Treffer zum 1:0 war der Grundstein für den 2:0-Erfolg gegen den KSC. dpa-Zentralbild

„Zweite Liga war schön, Zeit für uns zu gehen“, hallte es durch die ausverkaufte Leipziger Fußball-Arena. Nach 22 Jahren ist die Stadt in der kommenden Saison wieder in der Bundesliga vertreten.

RB hat am Sonntagnachmittag mit einem 2:0-Sieg gegen den Karlsruher SC den Aufstieg perfekt gemacht. Bis bei den "Roten Bullen" alle Feierdämme brachen, brauchte es aber eine gehörige Portion Geduld.

Ausgangslage

Für den Karlsruhe SC ging es um nichts mehr. Die schwache erste Saisonhälfte mit Platz 14 nach 17 Spielen sorgte dafür, dass die Badener schon früh mit dem Aufstieg nichts mehr zu tun hatten.

Die starke Rückrunde mit nur drei Niederlagen und der fünftbesten Punkteausbeute ließ jedoch alle Abstiegsängste schnell vergehen. Vor dem Anpfiff stand das Team von Trainer Markus Kauczinski auf Platz sieben und war seit fünf Spielen ohne Niederlage.

Auf der anderen Seite die Leipziger: Im letzten Spiel gegen Bielefeld wirkte die Mannschaft stellenweise verkrampft, am Ende sprang nur ein 1:1 heraus, der Aufstieg wurde vertagt. Vor der KSC-Begegnung war klar: Ein Sieg genügt - und die Bundesliga ruft. Unabhängig davon, was Verfolger Nürnberg daheim gegen St. Pauli macht.

Kurioser Zusammenhang vor der Partie: Während RB unter der Woche Ralph Hasenhüttl als neuen Trainer für die kommende Saison präsentierte, wird Kauczinski Hasenhüttls Nachfolger beim FC Ingolstadt.

Personalien

Vor der Partie hatte Trainer Ralf Rangnick ein großes Geheimnis um die Aufstellung gemacht. Insbesondere die Position des Torhüters blieb lange offen.

Letztlich kehrte Vize-Kapitän Fabio Coltorti, der mit den Bullen bereits zwei Aufstiege gefeiert hat, für Peter Gulacsi zurück ins Tor. Auch die zuletzt gesperrten Willi Orban und Stefan Ilsanker standen wieder in der Startelf.

Auf der anderen Seite kündigte KSC-Coach Kauczinski unter der Woche bereits an: "Wir wollen uns schon aus Fairness-Gründen teuer verkaufen, werden wieder die beste Elf bringen." Im Vergleich zum 2:1-Sieg gegen Sandhausen vergangene Woche, rotierte er auf gleich fünf Positionen.

Fans

Ausverkauftes Haus und strahlend blauer Himmel: Die Atmosphäre und äußeren Bedingungen hätten kaum besser sein können an diesem Sonntag. 42.559 Fans wollten die „Roten Bullen“ zum Aufstieg schreien. Vor dem Spiel florierte erstmals ein echter Schwarzmarkt, Tickets wurden für bis zu 100 Euro gehandelt.

Gut 2000 derer, die eine Eintrittskarte besaßen, trafen sich vor Anpfiff zu  einem gemeinsamen Fanmarsch durch die Stadt in Richtung Stadion. Während der 90 Minuten präsentierte sich die Arena dann in einer Mischung aus lautstarken Fangesängen, Geraune und Geklatsche. Unter den Mitfiebernden: Red-Bull-Gründer und RB-Investor Dietrich Mateschitz.

Eine kleine Lücke klaffte aber auch im letzten Heimspiel der Saison: Der Gästeblock war weitgehend leer, 800 Tickets wurden noch an Leipziger Fans verkauft.

Die KSC-Fanszene boykottierte das Spiel beim „Brausehersteller“ – wie die KSC-Ultras RB bezeichnen – und veranstaltete ein „Traditionswochenende“ mit Spielen der U19 und der zweiten Mannschaft der Karlsruher.

Der Ablauf, die Analyse und die Statistik des Spiels

Spielverlauf

Hochmotiviert, laufstark, präsent – so begannen die Bullen die möglichweise vorentscheidenden 90 Minuten, ohne jedoch zunächst echte Torchancen herauszuspielen. Es brauchte bis zur zwölften Minute, ehe ein Kopfball von Willi Orban im Anschluss an die erste Ecke so etwas wie Gefahr erzeugt. Sein Abschluss landete jedoch über dem Tor.

Es würde ein Geduldsspiel werden, hatte Kapitän Dominik Kaiser vor der Partie angekündigt und sollte damit Recht behalten. Bis zur 22. Minute brauchte es, ehe diese hektische Partie die nächste Chance für die „Roten Bullen“ produzierte: Der im Strafraum freigespielte Yussuf Poulsen kam zum Abschluss, drosch den Ball aus halbrechter Position aber nur ans Außennetz.

Die Gäste verlagerten sich unterdessen auf Konterchancen und verwalteten den Spielaufbau ohne Zug zum gegnerischen Tor. Und dennoch hatten die Badener in der 30. Minute plötzlich die Möglichkeit zur Führung, als Dimitrios Diamantakos nach einer Ecke am langen Pfosten freistehend zum Abschluss kam und am glänzend reagierenden Fabio Coltorti scheiterte.

Tempofußball überließ der KSC aber weiterhin den Leipzigern, die ihrerseits im Gegenzug durch Lukas Klostermann die Führung auf dem Fuß hatten. KSC-Schlussmann René Vollath parierte den Gewaltschuss des Verteidigers.

Die Partie hatte nun Betriebstemperatur erreicht und drohte nach einem Foul von Forstberg an Bjarne Thoelke kurz zu überhitzen. Schiedsrichter Sippel beruhigte die Gemüter und zeigte dem aufgebrachten Karlsruher Manuel Gulde die gelbe Karte (36.).

Auch die letzte Möglichkeit vor der Pause verzeichnete das Rangnick-Team: Marcel Halstenberg nahm sich aus rund 20 Metern einfach mal ein Herz, sein Schuss strich jedoch knapp links am Tor vorbei.

Auf Wechsel verzichteten beide Trainer zu Beginn der zweiten Halbzeit und auch spielerisch änderte sich zunächst wenig: RB bemüht und sichtlich motiviert aber zu hektisch, Karlsruhe mit störrischer Ruhe in allen Aktionen ohne echten Drang, mehr als einen Punkt mitnehmen zu wollen.

Bis zur 52. Minute ging das so, aber dann: Eine ganz starke Aktion der RB-Offensive öffnete das Tor zur 1. Bundesliga. Nach einem Einwurf kombinierten sich die Bullen blitzschnell an den Sechzehnmeterraum, Stefan Ilsanker flankte scharf an den Fünfmeterraum, wo Emil Forsberg nur noch den Fuß hinhalten musste. 

RB spielte nun sichtlich befreit auf und fast hätte Forsberg nur drei Minuten später in ganz ähnlicher Manier den Doppelpack geschnürt. Für die Hereingabe von Poulsen fehlte den Schweden jedoch eine Zehenspitze. 

KSC-Coach Kauczinski reagiert nun und wechselte gleich doppelt: Für Prömel kam mit Stürmer Erwin Hoffer ein zusätzlicher Offensivmann, Daniel Gordon ersetzte den gelb-rot-bedrohten Gulde.

Nur: Helfen taten diese Wechsel zunächst nichts. RB blieb das wesentlich gefährlichere Team, KSC-Keeper Vollath hielt sein Team gegen den allein vor ihm auftauchenden Davie Selke, der in der Zwischenzeit für Marcel Sabitzer gekommen war, im Spiel (72.).

Und wer die Tore vorne nicht macht, der kassiert sie hinten. An diese alte Fußballweisheit schienen sich in der Folge auch die Gäste aus Baden zu erinnern, die auf einmal Druck erzeugten. Torwart-Rückkehrer Coltorti klärte in letzter Sekunde vor dem einschussbereiten Hoffer (74.). An der Seitenlinie tobte Trainer Rangnick. Sollte etwa der Aufstiegstraum an diesem Sonntag doch noch platzen?

Rangnick wechselte und brachte Bruno für den läuferisch starken Yussuf Poulsen. Aber der KSC blieb am Drücker. Enrico Valentini versuchte es per Freistoß aus halblinker Position auf die kurze Ecke – drüber (80.).

Es brauchte eine deutliche Ansage von Coltorti, ehe sich seine Vordermänner wieder besannen – und es brauchte einen dicken Torwartpatzer von Vollath, um den Aufstieg dann endgültig perfekt zu machen. Eine Freistoßflanke von Halstenberg ließ der Schlussmann durch die Hände gleiten - 2:0 für RBL.

Nun gab es in der Arena kein Halten mehr. Mit dem Schlusspfiff lagen sich über 42.000 Fans, Mannschaft, Trainer und Betreuerstab in den Armen. RB Leipzig ist Erstligist.

Analyse

Die Bullen starteten geradezu übermotiviert in die Partie, leisteten sich bis Mitte der ersten Halbzeit viele Ungenauigkeiten und Fehlpässe und kamen daher kaum zu ersthaften Torchancen.

Es brauchte erst den Weckruf in Form einer Großchance für die Gäste aus Karlsruhe, ehe sich das Rangnick-Team langsam auf seine spielerische Klasse besann. Eben jene sorgte letztlich dafür, dass kurz nach der Pause der Knoten platzte.

Wie Torschütze Forsberg vor dem 1:0 von seinen Mitspielern freigespielt wurde – das hatte Bundesliga-Format. Dass das junge Leipziger Team es anschließend vergaß, den Sack zuzumachen und dem KSC sogar einige Chancen gewährte, zeugt von den Baustellen für den künftigen Coach Ralph Hasenhüttl.

Diese Truppe – die in ihren Festen auch kommende Saison das Abenteuer erste Liga angehen wird – hat das Potenzial, für einige Fußballfeste in der stimmungsvollen Leipziger Arena zu sorgen. Denn auch das gehört in diese Analyse: Das Leipziger Publikum präsentierte sich in diesen entscheidenden 90 Minuten als stimmgewaltiger Rückhalt. Bundesligatauglich.

Ausblick

Zum Saisonabschluss muss das Rangnick-Team am nächsten Sonntag zum MSV Duisburg (Anstoß 15.30 Uhr). Über 2000 RB-Fans haben sich bereits Tickets für die (vorerst) letzte Zweitligapartie der „Roten Bullen“ gesichert. Für die Duisburger geht es in dieser Partie noch um den Klassenerhalt.

RB Leipzig – Karlsruher SC 2:0 (0:0)

RB Leipzig: Coltorti - Klostermann , Orban , Compper , Halstenberg - Ilsanker , Demme - D. Kaiser , Sabitzer (68. Selke), Forsberg - Y. Poulsen (78. Bruno)
Karlsruhe SC: Vollath - Valentini  Thoelke , Gulde (65. Gordon), Sallahi - G. Krebs , Peitz (69. Mehlem) - Torres, Prömel (57. Hoffer), Yamada – Diamantakos
Tor(e): 1:0 Forsberg (52.), 2:0 Halstenberg (87.)
Eckstöße: 4:3 , Chancenverhältnis: 8:3.
Schiedsrichter: Peter Sippel (Würzburg), Gelbe Karten: - / Gulde (36.), Peitz (51.), Sallahi (67.)
Zuschauer: 42.559  (ausverkauft) in der Red-Bull-Arena