Champions League

Neuling RB Leipzig ist in der Champions League angekommen

leipzig - Nach dem Erfolg über den FC Porto sind die Spieler von RB Leipzig bereit für weitere Großtaten. Sie wissen, dass sie in der Königsklasse mithalten können.

Von Ullrich Kroemer

Als Kevin Kampl nach RB Leipzigs laut Trainer Ralph Hasenhüttl „historischem“ 3:2-Premierensieg in der Champions League gegen den FC Porto vor die Journalisten trat, war auch der sonst so besonnene Mittelfeldmann euphorisiert. „Wir haben in der ersten Hälfte Weltklasse gespielt“, schwärmte der 20-Millionen-Euro-Rekordzugang.

„Wir hatten nach vorn super Aktionen, hinten gute Ballgewinne, haben schnell nach vorn gespielt und dem Gegner aus dem Spiel heraus kaum Chancen gelassen.“ Vor allem in den ersten 45 Minuten bot der „Königsklassen“-Neuling eine offensiv atemberaubende, vor allem spielerisch furiose Leistung.

RB Leipzig zeigte Offensivfußball vom Feinsten

Wie das Offensivquartett Bruma, Emil Forsberg, Marcel Sabitzer und Jean-Kévin Augustin in den ersten 45 Minuten harmonierte und dabei jede Menge gefährlicher Szenen kreiierte - allein acht Großchancen in Hälfte eins -, war beeindruckend. „Das war ein geiles Fußballspiel heute“, sagte auch Forsberg noch immer im Rausch des Spiels. „Wir sind eine tolle Mannschaft mit super Typen überall, die miteinander spielen wollen. Das haben wir heute gezeigt.“

Nach der bisweilen mühsamen ersten Saisonphase, in der auch Spieler und Trainer noch Zweifel am eigenen Vermögen hatten und sich erst ein neuer Teamspirit bilden musste, ist nun förmlich zu greifen, wie die Mannschaft ihre Linie gefunden hat.

Das hat auch viel mit der mutigen Auf- und Einstellung von Trainer Ralph Hasenhüttl zu tun. Der Chefcoach verordnete der Mannschaft nach der ersten Orientierungsphase der Saison nun sozusagen im zweiten Level mehr Wagemut. „Im dritten Champions-League-Spiel gab es keine Ausreden mehr, ich wollte, dass wir das spielen, was wir auch können“, sagte Hasenhüttl. „Nach dem Spiel in Dortmund sind wir heute vollgepumpt mit Selbstvertrauen in dieses Spiel gegangen.“

Dass RB Leipzig wieder zu seinem leidenschaftlichen Feuerwerk-Fußball in der Offensive und dem aggressiven Gegenpressing in der Defensive zurückgefunden hat, hängt viel mit Kevin Kampl zusammen. Der Zugang aus Leverkusen glänzt derzeit neben Naby Keita als Dreh- und Angelpunkt des Spiels.

Dabei war es durchaus ein Wagnis, zwei so spielstarke und offensivhungrige Akteure wie Keita und Kampl auf der Doppelsechs im Defensivzentrum des Spiels aufzubieten. Doch das vermeintlich riskante Manöver ging in Dortmund ebenso gut auf wie gegen Porto. „Im Moment sind wir mit Keita und Kampl auf der Sechs bärenstark“, lobte Hasenhüttl. „Das ist ein Augenschmaus, was die beiden spielen.“

Leipziger haben das Weiterkommen selbst in der Hand

Wohlgemerkt nicht nur im Angriff, wenn Kampl drängend den Ball vor sich hertreibt und wunderbare Diagonalbälle spielt oder Keita das Spielgerät eng am Fuß die Lücke für den tödlichen Pass sucht. Sondern auch in der Defensive, wo sich beide Techniker nicht zu schade sind, jedem Ball nachzugehen. Kampl sagte: „Es heißt zwar, die Aufstellung sei mutig, aber sie ist nicht zu mutig.

Wir haben heute ebenso wie in Dortmund aus dem Spiel heraus nicht viel zugelassen.“ Klar, seien Keita und er eher offensive Typen. „Aber wir haben darüber gesprochen, wir wissen, was wir zu tun haben, um mannschaftsdienlich zu spielen.“ Auch dank der Leistung des 27-Jährigen mit dem blondierten Schopf tat sich RB in den vergangenen Spielen deutlich leichter - sowohl gegen spielstarke Teams mit viel Ballbesitz als auch gegen konterstarke Mannschaften.

Mit nun vier Punkten hat es RB Leipzig als Gruppenzweiter selbst in der Hand, die Vorrunde in der Champions League zu überstehen. „Wir haben gezeigt, dass man mit uns rechnen muss“, sagte Forsberg. Und: „Wir haben alle Chancen weiterzukommen.“ Und Hasenhüttl prophezeite: „Wenn wir die Leichtsinnsfehler in der Defensive abstellen, haben wir eine schöne Zukunft vor uns.“ (mz)