Marcel Sabitzer im MZ-Interview

Marcel Sabitzer vor RB Leipzig gegen Bayern München: „Ein Traum geht in Erfüllung“

Leipzig - RB-Spielmacher Sabitzer über das Gipfeltreffen, das Duell mit David Alaba und RB-Boss Mateschitz.

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel 20.12.2016, 11:58
Marcel Sabitzer ist mit seiner Technik und seinem guten Passspiel belebend für das RB-Spiel.
Marcel Sabitzer ist mit seiner Technik und seinem guten Passspiel belebend für das RB-Spiel. imago sportfotodienst

Interview-Termine gehören nicht zur Lieblingsbeschäftigung von RB Leipzigs Spielmacher Marcel Sabitzer. Doch beim Gespräch mit Ullrich Kroemer und Martin Henkel im Trainingszentrum taut der 22-Jährige auf.

Während im Hintergrund Fans das Sabitzer-Trikot mit der Nummer 7 an die Glasfassade halten, berichtet er über seine Vorfreude auf das Spitzenspiel und seine frühere Leidenschaft für den FC Bayern.

Herr Sabitzer, war das 2:0 gegen Hertha das beste, souveränste RB-Spiel in dieser Saison?
Marcel Sabitzer: Wenn man es über die gesamten 90 Minuten hinweg betrachtet, dann stimmt das. In den anderen Spielen, in denen wir auch dominant waren, wurde es in der Schlussphase noch etwas enger. Aber so konzentriert, wie wir das am Samstag zu Ende gespielt haben, hatte ich auf dem Platz nie das Gefühl, dass wir noch ein Tor kassieren werden.

Hätten Sie es vor anderthalb Jahren, als Sie aus Salzburg nach Leipzig gekommen sind, für möglich gehalten, sich mit dem FC Bayern um die Herbstmeisterschaft zu duellieren?
Sabitzer: Das konnte keiner absehen. Dass wir unser Ding 15 Spieltage lang so konstant durchziehen, war vor allem angesichts des schwierigen Starts mit dem Pokal-Aus in Dresden nicht zu erwarten. Da wussten wir noch nicht, wo wir stehen. Dann sind wir durch den späten Ausgleich zum Auftakt in Hoffenheim...

Ihrem Treffer...
Sabitzer: ... und den Heimsieg gegen Dortmund sozusagen in den Flow gekommen – mit einer kurzen Unterbrechung in Ingolstadt, aber das hat uns nicht aus der Bahn geworfen. Aus solchen Spielen kann man ja auch lernen.

Sie haben als Österreicher wegen der Nähe zu München auch einen geografischen Bezug zum FC Bayern. Was bedeutet Ihnen dieses Spitzenspiel persönlich?
Sabitzer: Mir persönlich bedeutet das Spiel enorm viel. Ich war als Kind immer Bayern-Fan, bin daheim mit Bayern-Klamotten rumgelaufen. Deswegen ist es für mich ein Traum, der in Erfüllung geht, dass ich tatsächlich einmal gegen Bayern spielen darf. Dementsprechend freue ich mich auf das Spiel, aber ich will natürlich schon dahin fahren und eine richtig gute Leistung mit der ganzen Mannschaft zeigen. Das zählt für uns.

Gibt es etwas, worauf sie sich bei diesem Spiel besonders freuen?
Sabitzer: Ich freue mich auf das Duell gegen den Linksverteidiger der Bayern – das Österreicher-Duell gegen David Alaba, mit dem ich gut befreundet bin. Das wird vielleicht entscheidend werden (lacht).

Was rechnen Sie sich aus?
Sabitzer: Dass Bayern München über uns steht – nicht nur tabellarisch –, darüber müssen wir nicht diskutieren. Aber vielleicht können wir über die gesamten 90 Minuten hinweg immer wieder für Nadelstiche sorgen. Wozu es dann am Ende reicht, sehen wir am Mittwochabend.

RB Leipzig hat bislang mit der Ausnahme Ingolstadt auf alles eine Antwort gewusst. Sind die Bayern so weit weg von den anderen Mannschaften, dass sie es vergleichsweise defensiv angehen?
Sabitzer: Bayern ist die klare Nummer eins in Deutschland und gehört auch in Europa zur absoluten Spitze. Wir sind Aufsteiger und haben die jüngste Truppe der Liga. Wir sind der Underdog. Die Bayern wissen ebenso gut über unsere Stärken Bescheid, wie wir über ihre. Das wird also ein ganz schweres Spiel, aber wir sind nicht chancenlos.

Kommt der Münchner Ballbesitz-Fußball dem RB-Spiel nicht sogar entgegen, sodass Sie die Leipziger Spezialdisziplinen – Pressing-Gegenpressing-Umschalten – ausspielen können?
Sabitzer: Nein. Ich würde niemals behaupten, dass es gegen Bayern einfacher wird, als gegen irgendeinen anderen Gegner. Wir brauchen einen Sahne-Tag, um etwas mitnehmen zu können. Wenn Bayern hingegen einen Über-Tag hat, dann wird es für jede Mannschaft der Welt richtig schwer. Wir müssen versuchen unsere Stärken ausspielen, unser Spiel selbstbewusst auf den Platz zu bringen, und dann wird man sehen, wie weit wir tatsächlich schon sind.

Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz war am Samstag in der Kabine. Hat er Sie extra für das Spiel motiviert?
Sabitzer: Es ist immer ein spezieller Moment, wenn Herr Mateschitz persönlich da ist, wenn er uns zuschaut und wenn man ihm ansehen kann, wie viel Freude er an unserer jungen Mannschaft hat. Aber er sagt selbst immer, dass er nicht der Mann der großen Worte ist. Deswegen hat er uns nur kurz zum Spiel gratuliert und uns mitgeteilt, dass er am Mittwoch in München wahrscheinlich auch im Stadion ist.

In österreichischer Mundart, wie man hörte.
Sabitzer: Er spricht eben mit seinem Dialekt. So ist er einfach, er wird sich nie für irgendjemanden verstellen. Ich finde ihn sehr sympathisch, ehrlich, bodenständig, und deswegen bin ich auch froh, dass ich bei diesem Klub spielen kann.