Joachim Löw zu Gast bei RB Leipzig

Holt Joachim Löw bald fünf RB Leipzig-Spieler in die Nationalmannschaft?

Leipzig - Nicht nur Timo Werner darf sich gute Chancen auf eine Nominierung ausrechnen. Auch Willi Orban, Diego Demme, Marcel Halstenberg oder Lukas Klostermann dürfen sich Hoffnungen machen.

Von Ullrich Kroemer
Joachim Löw bei seinem Besuch in Leipzig.
Joachim Löw bei seinem Besuch in Leipzig. imago sportfotodienst

Zeit für ein gemeinsames Gespräch zwischen Ralf Rangnick und Jogi Löw blieb am Samstagabend nicht. Der Bundestrainer verließ das Spiel zwischen RB Leipzig und der TSG Hoffenheim bei seinem Premierenbesuch etwa in der 80. Minute. Rangnick hatte während der Partie ein Stockwerk tiefer als der prominente Besucher gesessen, um das Spiel auf seinem angestammten Glücksbringer-Platz verfolgen zu können. So trafen sich die beiden Fußball-Koryphäen nicht einmal.

Ralf Rangnick bringt Orban, Marcel Halstenberg und Diego Demme ins Spiel

Doch Rangnick nutzte die Gelegenheit dennoch, um nach Abpfiff auf die deutschen im Startaufgebot der Leipziger hinzuweisen. Auf alle fünf, nicht nur auf Timo Werner. „Wir tun ja jetzt gerade so, dass Jogi Löw nur wegen Timo Werner Grund hat, hierher zu kommen. Das sehe ich nicht so”, sagte Leipzigs Sportdirektor selbstbewusst. „Wir haben schon noch ein paar andere Spieler, die er heute auch gesehen hat. In der Abwehr braucht man ja auch Spieler, nehme ich mal an.”

Rangnick meinte Innenverteidiger Willi Orban, Linksverteidiger Marcel Halstenberg und „Sechser” Diego Demme, die aus Rangnicks Sicht allesamt eine Option für Löw sind.
Doch ist das tatsächlich realistisch?

Über Timo Werner, der die besten Chancen der Leipziger auf eine Nominierung hat und schon im März dabei sein könnte, äußerte sich Löw bereits im ZDF-Sportstudio. Der derzeit beste deutsche Torschütze sei „ein sehr interessanter Spieler, der immer wieder mit hohem Tempo in die Tiefe geht”, sagte der Bundestrainer.

Wie Timo Werner mit dem Löw-Lob umgeht

Werner selbst, der alle Nachwuchsteams des DFB durchlaufen hat, musste übrigens nicht lange überlegen, wen er für den besten deutschen Stürmer hält: „Für mich immer noch Thomas Müller”, sagte der 20-Jährige schlagfertig. Doch Müller hat anders als Werner gerade keinen Lauf, ebensowenig wie Mario Götze, Mario Gomez oder Kevin Volland. Insofern hat der pfeilschnelle Werner, der bisweilen noch technische Probleme hat, gute Aussichten, für die kommenden Länderspiele nicht nur nominiert zu werden, sondern auch zu spielen.

Werner selbst, jüngster Akteur der jungen RB-Startelf, sieht einer möglichen Berufung cool entgegen. „Das kann man auf sich zukommen lassen. Wenn meine Leistung hier im Verein irgendwann gut genug ist, um A-Nationalspieler zu werden, dann freue ich mich”, sagte der gebürtige Stuttgarter. „Aber bis dahin gibt es in dieser Saison und in den kommenden Jahren noch genug Spiele, um zu zeigen, dass man irgendwann einmal da spielen darf.”

Wieso auch Lukas Klostermann bei Joachim Löw auf dem Zettel steht

Marcel Halstenberg hat ein besonderes Merkmal, das ihn hinter Werner zum interessantesten RB-Spieler für den Bundestrainer macht: sein linker Fuß. Zudem ist der 25-jährige Spätstarter, der nie in einem U-Team des DFB spielte, äußerst schnell und athletisch, was Löw links hinten in der Viererkette schätzt – das ideale Double für Jonas Hector. Der derzeit verletzte Rechtsverteidiger Lukas Klostermann stand vor seinem Kreuzbandriss bereits aufs Löws Zettel. Perspektivisch ist die Berufung des Olympia-Silbermedaillengewinners nur eine Frage der Zeit.

Für Innenverteidiger Willi Orban, der symbolträchtig die Nummer vier auf dem Trikot trägt, ist die Konkurrenz in der deutschen Auswahl ungleich größer. Der Vize-Kapitän von Rasenballsport hat zwar schlechtere Zweikampf- und Passwerte als seine Konkurrenten Mats Hummels oder Niklas Süle. Doch der Ex-U21-Nationalspieler war in entscheidenden Szenen immer zur Stelle, leistete sich kaum Patzer.

Für Willi Orban blieben auch andere Optionen für die A-Nationalmannschaft

Orban selbst gibt sich zwar seinem Naturell entsprechend gelassen. Zu dem prominenten Tribünengast sagte der 24-Jährige am Samstag: „Natürlich ist die Nationalmannschaft als Sportler ein Ziel. Aber ich habe mir keinen so großen Kopf gemacht. Eine solche Entscheidung wird ja nicht von einem Spiel abhängig gemacht.” Dennoch macht sich der gebürtige Pfälzer weiter Hoffnungen auf eine Berufung.

Falls die ausbleibt, hat er auch die Option, für Polen oder Ungarn anzutreten – Geburtsländer seiner Mutter beziehungsweise seines Vaters. Die Option, für das Land seines Vaters zu spielen, hat auch Diego Demme. Rangnick empfahl den in Leipzig unverzichtbar gewordenen Mittelfeld-Kämpfer jüngst bei einem italienischen TV-Journalisten für die „Squadra Azzurra”. Im DFB-Team dürfte angesichts des Angebots an hochbegabten „Sechsern” kein Platz für den 25-Jährigen sein. (mz)