RBL-Kritik

Alex Feuerherdt nennt Fanprotest gegen RB Leipzig eine „ideologische Versautheit“

Leipzig - Wie der Blogger die Ablehnung von RB Leipzig einordnet.

Von Ullrich Kroemer 27.10.2016, 11:51
Proteste gegen RB Leipzig seien eine  „ideologische Versautheit“. Sagt zumindest der Publizist Alex Feuerherdt.
Proteste gegen RB Leipzig seien eine  „ideologische Versautheit“. Sagt zumindest der Publizist Alex Feuerherdt. imago sportfotodienst

Alex Feuerherdt ist Blogger (Lizas Welt), Publizist, Buchautor, Fußball-Schiedsrichter, Fan des FC Bayern München – und beschäftigt sich mit der Kritik an RB Leipzig. Auf Einladung des RB-Fanclubs Bulls United 09 und des RBL-Fanverbandes referierte der 47-Jährige am Mittwochabend zum Thema „RB Leipzig – Der Untergang des Fußballs?” Untertitel: „Über das Kicken im Kapitalismus und die Sehnsucht nach einem fragwürdigen Idyll?”

Feuerherdt holte weit aus, begann seinen Vortrag mit den Anfängen des Fußballs in England, als der Sport noch als Fußlümmelei verschrien war, und beschrieb dessen allmähliche Kapitalisierung als logischen Weg zur „Ware Fußball”. Feuerherdt zeichnete dabei unter anderem nach, dass nicht wie allgemein angenommen Eintracht Braunschweig 1973 die erste Trikotwerbung (Jägermeister) auf der Brust hatte, sondern der Amateurklub Wormatia Worms bereits 1967 mit einem Reklameschriftzug auflief (Caterpillar). Die damalige Empörung, öffentliche Befürchtungen und Rechtsstreits mit dem DFB erinnern deutlich an den Protest gegen die Lizenzierung von RB Leipzig für die Bundesliga. 

„RB Leipzig als Chiffre für das Andere”

Als zentrale Aussage seines Vortrags enttarnte Feuerherdt den Protest gegen RB in den Ultra- und Fankurven hierzulande als „ideologische Versautheit”. Der Kölner zeigte anhand von Beispielen der Proteste, dass „RB Leipzig als Chiffre für das Andere” wahrgenommen werde. Die Argumentation der RB-Kritik in den Fankurven ähnele der des Antisemitismus, von Antikapitalismus oder Antiamerikanismus.

Feuerherdt untermalte die These etwa mit einem Protestaufkleber, auf dem auf einem verfälschten Logo von RB statt der roten Bullen rote Ratten zu sehen sind, die in Richtung eines Euros (statt der Sonne) streben. RB firmiert dort nicht als Rasenballsport, sondern Rattenball. Oder einem umgestalteten 100-Dollar-Schein, auf dem Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz mit Hakennase zu sehen ist.

Auseinandersetzung mit den Ursachen der Kritik fehlt

Den vielerorts ausufernden und teils geschmacklosen Protest gegen RB Leipzig als generelles Ressentiment gegen alles Andersartige zu beschreiben, ist ein durchaus interessanter Ansatz. Was aber ist mit jener Kritik, die sachlich geäußert wird und Missstände wie mangelnde Mitgliedermitbestimmung oder fehlende Transparenz in Strukturen, Entscheidungswegen und Bilanzen thematisiert?

Derartige Kritik klammerte Feuerherdt komplett aus und argumentierte diesbezüglich undifferenziert. Mitgliedermitbestimmung bei anderen Klubs seien „Scheinmitbestimmung”; der FC Bayern oder Borussia Dortmund täten nichts anderes als RB. So hinterließ der Vortrag auch seine Fragezeichen: Denn um Kritik kritisieren zu können, gehört es auch dazu, sich mit den Fakten und Inhalten der Kritik und nicht nur mit deren krassesten Ausprägungen auseinanderzusetzen. (mz)