Ademola Lookman im Interview

Ademola Lookman im Interview: „Ich bin jetzt mehr Stürmer, als ich es vorher war“

Leipzig - Drei Spiele noch, dann ist die Saison vorbei, und auch für Ademola Lookman geht seine Zeit bei RB Leipzig zu Ende. Der junge Brite vom FC Everton ist nur geliehen. Er kam im Winter und brachte die Hoffnung mit, öfter zu spielen als in der Premier League. Aber daraus wurde nur in Ansätzen etwas. Vier Mal stand er in der Startelf, vier Mal wurde er eingewechselt, er schoss zwei ...

Von Martin Henkel
Leihspieler Ademola Lookman war nur wenige Monate für RBL am Ball. imago sportfotodienst

Drei Spiele noch, dann ist die Saison vorbei, und auch für Ademola Lookman geht seine Zeit bei RB Leipzig zu Ende. Der junge Brite vom FC Everton ist nur geliehen. Er kam im Winter und brachte die Hoffnung mit, öfter zu spielen als in der Premier League. Aber daraus wurde nur in Ansätzen etwas. Vier Mal stand er in der Startelf, vier Mal wurde er eingewechselt, er schoss zwei Tore.

Mit welchem Gefühl kehrt der 20 Jahre alte Nachwuchsnationalspieler zurück? Die Mitteldeutsche Zeitung sprach vor dem Auswärtsspiel in Mainz am Sonntag mit Ademola Lookman über die falschen Fußballschuhe, seine Erfahrungen mit der Bundesliga – und die Chancen, gar nicht heimzukehren, sondern zu bleiben.

Mister Lookman, sind die verbleibenden Partien Ihre letzten für RB Leipzig?
Ademola Lookman: Das liegt nicht allein in meinen Händen. Wenn Leipzig mich will, dann muss der Klub das zunächst mit Everton besprechen.

Sam Allardyce, Ihr Trainer in Everton, hat unlängst gesagt, Ademola Lookmans Zukunft ist eine Frage des Geldes. Legt Leipzig genug auf den Tisch, würde Ihr Arbeitgeber Sie ziehen lassen.
Ich denke nicht, dass ich mich zu diesem Zeitpunkt in diese Überlegungen einschalten sollte. Das müssen beide Vereine besprechen. Wenn das passiert, wird mein Berater auch seine Arbeit machen. Ich konzentriere mich jetzt voll auf die letzten drei Spiele.

Wenn Sie allein entscheiden könnten, wo würden Sie in der kommenden Saison spielen?
Ich habe die Zeit hier sehr genossen. Mehr kann ich dazu gerade nicht sagen, meine Zukunft ist offen.

Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Ralph Hasenhüttl haben erklärt, Sie gern behalten zu wollen. Haben sie mit Ihnen darüber gesprochen?
Nein.

Wie fällt ihr Fazit aus nach vier Monaten in Leipzig, deutschem Fußball, Schnee im März und Sommersonne im April?
Ich habe jeden Tag genossen.

Sie haben nichts vermisst?
Doch, das Essen meiner Mutter. Aber es hat nicht einen Moment gegeben, in dem ich meine Zeit hier bereut habe. Ich mag die Stadt, ich mag die Menschen und, deshalb bin ich ja hier, ich mag den Stil, den RB spielt. Das ist schneller Angriffsfußball, wie er mir sehr entgegenkommt.

Wieso RB Leipzig, der Klub dürfte in England kaum bekannt sein.
O doch, das ist er. Schon allein der letzten Saison wegen. Aber ich kenne RB schon, seit ich 17,18 Jahre alt bin. Ralf Rangnick hat mich beobachtet, da war ich noch bei Charlton Athletic. Ich bin froh, dass sich die Leihe im Januar ergeben hat. Ich möchte keine Minute missen.

An was haben Sie gedacht, als Sie sich für den Wechsel ins Ausland entschieden haben?
Ich wollte vor allem eine neue Erfahrung. Ich denke, in ein anderes Land zu gehen, gibt einem so viel Input. Das kann dir niemand jemals wieder nehmen kann.

Zum Beispiel?
Eine neue Sprache lernen. Vermutlich fragen Sie gleich: ‚Und?` (Lacht) Ich nehm’s vorweg: Es entwickelt sich. Aber ich bin Fußballer, vor allem deswegen war ich hier. Ich wollte etwas Neues kennenlernen.

Haben Sie?
Na klar. Der Fußball in England ist physischer. Und die Fans sind nicht so aktiv oder jedenfalls anders als hier. Hier singen sie 90 Minuten ohne Unterbrechung. Das ist gut für uns Spieler, das pusht enorm.

Sie haben zwei Tore geschossen, einmal gegen Gladbach, einmal gegen Bremen, beide auswärts. Haben Sie den Jubel der Fans vermisst?
(lacht) Nein.

Auf den Siegtreffer in Gladbach bei Ihrem Debüt folgte die Anekdote von den falschen Schuhen, die sie getragen haben. Die Stollen waren zu kurz und Sie sind häufig ausgerutscht. Der Trainer wollte Sie vor Ihrem Tor eigentlich wieder runternehmen.
(lacht) Ja, war die falsche Entscheidung. Der Rasen war sehr nass. Gut, dass er mich draufgelassen hat.

Ralph Hasenhüttl hat später erzählt, Sie hätten nur ein paar Schuhe dabeigehabt.
Das stimmt nicht ganz. Ich hatte mehrere, nur war ich an das eine mehr gewohnt. Das erste Spiel für Leipzig – ich wollte in den Schuhen spielen, in denen ich mich am wohlsten fühle.

Der Trainer hat Sie nicht so oft spielen lassen.
Es ist auch nicht einfach für einen Coach, mit einem Spieler zu arbeiten, der am Ende der Saison wieder weg ist. Das verstehe ich. Und trotzdem hat er sich sehr mit mir beschäftigt. Er hat mir viele Informationen gegeben, wie ich mich verbessern kann. Ich bin jetzt mehr Stürmer, als ich es vorher war. Ich habe gelernt, noch mehr in die kleinen Räume zu gehen, mich Gegnern zu stellen, zu dribbeln, um neue Situationen zu schaffen oder Räume für meine Kollegen zu reißen - und schnell den Abschluss zu suchen.

Als sie sich im Winter verleihen ließen, rief ihnen ihr Trainer nach, er befürchte, dass Sie auch in Leipzig nicht mehr Spielzeit bekommen werden als in der Premier League. Sie haben tatsächlich nur 358 von 990 möglichen Minuten gespielt. Sind Sie trotzdem zufrieden?
Ja und nein. Ich habe die Europa-League-Spiele verpasst, weil ich ja schon mit Everton Europapokal gespielt hatte. Das bedauere ich sehr. Aber ansonsten - egal wie viele Einsätze ich hatte oder nicht: Ich will diese Erfahrung um nichts in der Welt missen.

Sie hatten vier Startelfeinsätze. Der jüngste war der vorigen Samstag beim 2:5 gegen Hoffenheim. Sie waren also unmittelbar beteiligt an einer historischen Pleite. Noch nie hat RB, seit der Verein in einer der drei Profiligen spielt, derart hoch zu Hause verloren.
Wenn man will, kann man das natürlich so sehen. Aber das ist der negative Aspekt und der bringt einen Spieler nicht weiter. Ich sehe mir an, was gut war. Und auch wenn wir fünf Tore bekommen haben, wir waren nicht nur schlecht. Wir haben nach vorn gespielt, wir haben weiter und weiter attackiert. Das ist auch eine Möglichkeit, auf das Ergebnis zu blicken: Das Positive sehen.

Wie haben Sie die Rote Karte von Emil Forsberg erlebt?
Ganz ehrlich, ich denke, das war kein Rot. Er trifft den Gegner nicht hart oder gefährlich, sondern an der Brust. Und der Andere zieht und zerrt vorher an ihm… Aber okay, so ist das Leben.

Gibt es etwas, was sie in Leipzig noch zu erledigen haben, bevor Sie nach England zurückgehen?
Ich habe gehört, der Zoo ist Weltklasse. Ich will ihn vor dem Ende der Saison unbedingt besuchen. Für alle Fälle.

(mz)