0:1-Heimpleite

0:1-Heimpleite: RB Leipzig patzt gegen Sandhausen

Leipzig - RB Leipzig muss im Aufstiegskampf fünf Saisonspiele vor Schluss eine herbe Schlappe hinnehmen. Beim 0:1 (0:0) gegen den unerwartet starken und gut organisierten SV Sandhausen absolvierte Rasenballsport eines der schwächsten Heimspiele der Saison und musste die dritte Heimpleite dieser Spielzeit hinnehmen. So verpasste es der Red-Bull-Klub, den Vorsprung auf Relegationsrang drei auszubauen. Stattdessen kann der 1. FC Nürnberg nun am Samstag wieder verkürzen. Das Tor des Tages erzielte Korbinian Vollmann ...

Von Ullrich Kroemer
Der Leipziger Davie Selke verzweifelt nach einem Fehlschuss.
Der Leipziger Davie Selke verzweifelt nach einem Fehlschuss. dpa-Zentralbild

RB Leipzig muss im Aufstiegskampf fünf Saisonspiele vor Schluss eine herbe Schlappe hinnehmen. Beim 0:1 (0:0) gegen den unerwartet starken und gut organisierten SV Sandhausen absolvierte Rasenballsport eines der schwächsten Heimspiele der Saison und musste die dritte Heimpleite dieser Spielzeit hinnehmen. So verpasste es der Red-Bull-Klub, den Vorsprung auf Relegationsrang drei auszubauen. Stattdessen kann der 1. FC Nürnberg nun am Samstag wieder verkürzen. Das Tor des Tages erzielte Korbinian Vollmann (62.).

Ausgangslage

Im fünftletzten Spiel der Saison wollte RB Leipzig mit aller Macht seine Heimserie fortsetzen, um „den Auswärtssieg in Düsseldorf mit einem Heimsieg gegen Sandhausen nachträglich aufzuwerten”, wie RBL-Trainer Ralf Rangnick forderte. Sandhausens Trainer Alois Schwartz erwartete in Leipzig eine „Herkulesaufgabe”. Nach dem starken Start in die Spielzeit mussten die Kurpfälzer in diesem Kalenderjahr bereits sieben Niederlagen in zehn Spielen hinnehmen. Aus dem ersten Aufeinandertreffen in dieser Saison nahmen die „Roten Bullen” durch einen umkämpften 2:1-Sieg drei Punkte mit. Bitter dürfte den Beteiligten auf Leipziger Seite hingegen noch immer die 0:4-Heimniederlage aus der Vorsaison in Erinnerung sein. „Der Gegner wird tief hinten drin stehen, im Mittelfeld pressen”, sagte der gesperrte Marcel Halstenberg. „Wir müssen sie die gesamten 90 Minuten bespielen und am besten über die Außen kommen.”

Personalien

Ralf Rangnick vertraute bis auf eine Ausnahme jener Elf, die in der zweiten Hälfte in Düsseldorf begeisterte. So saß Diego Demme zunächst nur auf der Bank, Stefan Ilsanker durfte dafür wieder auf der Sechser-Position ran. Im Sturm begann Rangnick mit Yussuf Poulsen und Davie Selke. Neu im Team war Linksverteidiger Anthony Jung, der den Gelb gesperrten Marcel Halstenberg ersetzte. Bei Sandhausen beorderte Coach Schwartz vier neue Männer in die erste Elf, musste unter anderem seine Viererkette wegen zweier Gelb-Sperren zweimal umbauen.

Fans

30.279 Leipziger waren am Freitagabend ins Stadion gekommen – für RB nur die fünftgrößte Kulisse der Saison. Im Aufstiegskampf und drittletzten Heimspiel der Saison hätte man durchaus mit ein paar Tausend Zuschauern mehr rechnen können. Doch die, die gekommen waren, machten trotz des Spielverlaufs lautstark Stimmung, sangen und klatschten beinahe das komplette Spiel hinweg durch. Im Gästeblock hatten sich etwa 30 Fans versammelt. Der Rest der Sandhäuser Anhänger war auf die originelle Idee gekommen, das Spiel in Leipzig zu boykottieren und hatte es vorgezogen, die knapp 500 Kilometer besser nicht anzutreten. Nun ja.

Spielverlauf und Analyse

Ralf Rangnick hatte vor der Partie gefordert, den Gegner von Beginn an „in die Enge zu treiben und ihm zuzusetzen”. Doch wie schon in den vergangenen Spielen hatte RB Leipzig auch gegen Sandhausen Probleme, wach, engagiert und aggressiv genug in die Partie zu kommen. So gehörten die ersten zehn Minuten den Gästen. Eine schöne Hereingabe von Thomas Pledl von der Grundlinie verpasste der einschussbereite SVS-Toptorjäger Aziz Bouhaddouz nur knapp (3.).

Nach zehn Minuten hatte Yussuf Poulsen die erste Chance für RB, nachdem sich Lukas Klostermann auf der rechten Seite bis zum Strafraum durchgekämpft hatte. Doch Poulsen konnte die Hereingabe nicht richtig kontrollieren und schoss den Ball Sandhausens Torhüter Marco Knaller in die Arme (10.). Die darauffolgende Ecke sorgte ebenfalls für Gefahr vor Knallers Kasten, doch Davie Selke und Willi Orban kamen je einen Schritt zu spät. 

Erste Hälfte: RB fahrig und gehemmt im Spielaufbau

Zwar hatte RB neben viel Ballbesitz auch gelegentliche Chancen und gute Szenen. Doch generell agierten die Hausherren zu fahrig, gehemmt und wenig durchschlagskräftig im Spielaufbau. Sandhausens hoch stehende Ketten in Abwehr und Mittelfeld verteidigten weitgehend stabil und verschoben geschickt, sodass sich kaum Räume für RB boten. Und ab und an setzten die Schwartz-Elf selbst gefährliche Konter. Tomas Pledls Kopfball ging nach schöner Angriffsaktion neben den Kasten von RBL-Keeper Peter Gulacsi (19.). Korbinian Vollmanns scharfer Freistoß war ebenfalls gefährlich, verfehlte den Kasten aber auch (30.). 

RB entwickelte nach einer halben Stunde etwas mehr Druck. Willi Orban per Kopf (25.), Marcel Sabitzer mit einem Distanzschuss von der Strafraumgrenze (36.) sowie Kapitän Dominik Kaiser per Freistoß, den Keeper Knaller hervorragend parierte (37.), vergaben Gelegenheiten für die „Roten Bullen”. Insgesamt aber war das in den ersten 45 Minuten erneut nicht das Spiel, das sich der Tabellenzweite in Gegenpressing und Offensivspiel vorgenommen hatte.

Hälfte zwei: Pass aus dem Halbfeld zur SVS-Führung

Anders als zuletzt zeigte auch Rangnicks Halbzeitansprache zunächst nicht die gewünschte Wirkung. Erst prüfte Bouhaddouz Gulacsi mit einem Dropkick aus der Distanz (48.). Als der Ball kurz darauf im Tor der Leipziger lag, entschied Referee Cortus richtigerweise auf Abseits. Doch wenig später durften die Gäste dann jubeln. Bouhaddouz konnte ungehindert aus dem Halbfeld auf Vollmann flanken, der ebenso wenig gestört erst Gulacsi anschoss und dann den Ball zum 0:1 ins Tor beförderte (62.).

RBL hatte zuvor durch Selke (54.) nach schöner Sabitzer-Flanke und Forsberg (58.) zwei Gelegenheiten gehabt, war aber jeweils an Knaller gescheitert. Nach der Sandhäuser Führung dauerte es zehn Minuten, bis die Gastgeber durch Bruno die nächste gefährliche Aktion hatten (72.). Doch der Schuss aus spitzem Winkel war ebenfalls kein Problem für Knaller. Kurz darauf setzten die Zuschauer schon zum Torjubel an, doch Forsberg hatte bei seinem Pass auf Poulsen im Abseits gestanden (75.). 

RB nahm nun wie schon zu Ende der ersten Hälfte mehr Fahrt auf, drängte wütend auf den Ausgleich. Doch Poulsen vergab freistehend aus halblinker Position (79.) ebenso wie der eingewechselte Georg Teigl (90.). Sandhausen blieb trotz des Dauerdrucks in den letzten 20 Minuten stabil, brachte in allen Situationen ein Körperteil an den Ball und das Überraschungsergebnis letztlich über die Zeit.

Ausblick

RB Leipzig hat nach der kurzen Woche zehn Tage Zeit bis zum nächsten Auftritt am Montag übernächster Woche beim 1. FC Kaiserslautern (25. April, 20.15 Uhr). Der SV Sandhausen ist einen Tag früher beim Heimspiel gegen den FSV Frankfurt gefragt (So, 13.30 Uhr).

Statistik

RB Leipzig – SV Sandhausen 0:1 (0:0)

RB Leipzig: Gulácsi – Klostermann (79. Teigl), Orban, Compper, Jung – Kaiser (C), Ilsanker (67. Demme) – Sabitzer, Forsberg – Poulsen, Selke ( 61. Bruno)
SV Sandhausen: Knaller – Thiede, Olajengbesi, Hübner, Paqarada (65. Linsmayer) – Kulovits (C), Roßbach – Vollmann (74. Stolz), Pledl, Bieler (86. D. Schulz) – Bouhaddouz
Tor: 0:1 Vollmann (68., Bouhaddouz); Ecken: 2:3, Torchancen: 10:4
Schiedsrichter: Benjamin Cortus (Röthenbach a.d.Pegnitz/bei Nürnberg) Gelbe Karten: - / 48. Vollmann (2), 55. Hübner (10)
Zuschauer: 30.279 in der Red-Bull-Arena Leipzig (mz)