MBC holt Warren zurück Mitteldeutscher BC holt Aufstiegsheld Andrew Warren zurück

Weißenfels - Gerade erst hatte Andrew Warren seine zwei großen schwarzen Reisetaschen in die Weißenfelser Wohnung gehievt, da zeigte ihm sein Handy auch schon an: „Du bist wieder zu Hause!“ Denn es wählte sich ins WLAN-Netz ein, ohne nach dem Passwort zu fragen. Das hatte Warren schließlich bereits in der vergangenen Saison eingetippt.
Der Aufstiegsheld ist zurück! Mit dieser Nachricht begeisterte der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) am Freitag seine Fans. In den sozialen Netzwerken überschlugen sich die Gratulationen. Für die Anhänger ist der 30 Jahre alte Aufbauspieler jetzt der große Hoffnungsträger im Kampf um den Klassenerhalt in der Basketball-Bundesliga (BBL). Warren sagt: „Ich will dem Team dabei helfen und bin sehr dankbar für diese Chance.“
Doch bei aller Euphorie: Seine Rückkehr wirft Fragen auf.
MBC ist nach Warren-Rückkehr an der Finanz-Grenze
Allen voran: Wie konnte sich Weißenfels die Verpflichtung von Warren nun plötzlich doch leisten? Im Sommer stand seine Weiterverpflichtung an erster Stelle auf der Prioritätenliste. Warren war der Wunschspieler von Manager Martin Geissler und Cheftrainer Igor Jovovic. Doch die Verhandlungen scheiterten an den zu hohen Gehaltsvorstellungen des US-Amerikaners. Klar ist jetzt: Für den MBC ist das Warren-Comeback ein Luxus.
In der vergangenen Spielzeit überzeugte der US-Amerikaner mit 17,5 Punkten und 3,1 Vorlagen im Schnitt und führte Weißenfels zurück in die BBL. Dann wollte er mehr, mehr Geld, und entschied sich für einen Wechsel in die zweite japanische Liga, wo seine Vorstellungen erfüllt wurden. Nicht verwerflich, befindet sich der 30-Jährige doch in einem Alter, wo ihm nicht mehr allzu viel Zeit bleibt, um mit Basketball seinen Lebensunterhalt zu verdienen und für die Zeit danach vorzusorgen. „Wir sind damals bei unserem Angebot an unsere finanziellen Grenzen gegangen und bewegen uns auch jetzt nicht weit davon weg“, sagt Martin Geissler, der Manager des MBC.
Warren war mit seiner Spielzeit in Japan unzufrieden, wird dem MBC finanziell nun wohl zumindest ein Stückchen entgegengekommen sein. Möglich wurde seine Verpflichtung allerdings nur, weil ein Großsponsor und weitere kleinere Sponsoren ihre Unterstützungsleistung für seine Rückkehr erhöhten.
MBC: Sponsoren machten die Warren-Rückkehr nach Weißenfels möglich
Das wird sich lohnen. Davon sind Igor Jovovic und Martin Geissler überzeugt. Der Coach, dessen Team aktuell auf dem 14. Tabellenplatz steht, meint: „Er wird keine lange Zeit benötigen, um unsere Systeme zu verstehen und wird sich schnell ins Team einfügen.“ Und der Manager sagt: „In der Verteidigung versprechen wir uns von seiner Verpflichtung eine Leistungssteigerung des gesamten Teams. Andrew hat auch in der vergangenen Saison oft den besten Spieler des Gegners verteidigt. Unser Vertrauen in seine Fähigkeiten ist sehr groß.“
Mitteldeutscher BC: Ein US-Profi darf gehen
Heißt aber auch: Die Vertrauen in die Fähigkeiten eines anderen Akteurs im Kader sind wesentlich geringer. Laut Regularien muss der MBC in der BBL bei einem Kader von zwölf Spielern immer mindestens sechs Deutsche auf dem Spielberichtsbogen vermerken. Bleiben sechs Plätze für ausländische Profis.
Die waren bislang: Marcus Hatten, Lamont Jones, Kruize Pinkins, Jordan Sibert (alle USA), Djordje Drenovac und Djordje Pantelic (beide Serbien). Nun gesellt sich Warren hinzu. Einer muss weichen.
Schlechte Perspektive für Jordan Sibert beim MBC
„Es ist am wahrscheinlichsten, dass Jordan Sibert der Spieler sein wird, der nicht im Kader stehen wird“, sagt Geissler – und zwar mit Blick auf das Auswärtsspiel am Samstagabend bei Alba Berlin, aber auch generell. Denn: „Sie sind sich als Spielertypen in unserem Kader am ähnlichsten.“
Will es sich der MBC also bis zum Saisonende Anfang Mai leisten, einen Profi zu bezahlen, der nur trainiert und für den Notfall bereitsteht? Für den Verein mit dem kleinsten Etat der BBL wäre das dekadent – aber möglich, versichert Geissler. „Wir haben jetzt erstmal so kalkuliert. Wir können ja keine Verträge abschließen nur mit der Hoffnung, dass sich ein anderer auflöst.“
Querstellen würde sich Weißenfels jedoch nicht. „Wir forcieren einen Abschied von Jordan Sibert nicht. Er ist weiterhin fester Bestandteil der Mannschaft“, sagt Geissler, „aber wenn er ein Team findet, wo ihm mehr Spielzeit garantiert wäre, würden wir ihm keine Steine in den Weg legen.“ Die Rückkehr des Aufstiegshelden fordert sein Opfer.
(mz)