Erst Klassenerhalt, dann Abschied?

Wie HFC-Trainer Schnorrenberg seine Situation sieht

Von Christoph Karpe
HFC-Trainer Florian Schnorrenberg macht sich Gedanken um seine Zukunft. (Foto: imago/Christian Schroedter)

Halle (Saale) - Terrence Boyd macht mit der Hand eine Wellenbewegung und lacht dazu: „Das ist wie bei einer Raupe: Wir kriechen jetzt die letzten Meter ins Ziel“, sagt der Stürmer des Halleschen FC und beschreibt so die Situation der Mannschaft in dieser Saison der dritten Fußball-Liga. Man will sich zum Klassenerhalt retten. Und das am liebsten schon in dieser Englischen Woche. „Wir wollen es am besten morgen klar machen“, sagt Trainer Florian Schnorrenberg klipp und klar.

Die Rechnung ist simpel: Am Dienstagabend (19 Uhr) ein Sieg über Türkgücü München, das auswärts im Hinspiel eindrucksvoll 3:0 bezwungen worden war. Und dann patzen am Mittwoch die Klubs auf den Abstiegsrängen 17 und 18 - Uerdingen (gegen Viktoria Köln) und Bayern II (in Duisburg). Dann gibt es imaginär die schwarz-weiß karierte Flagge für Rot-Weiß, weil das Klassenziel erreicht ist.

Will Florian Schnorrenberg überhaupt HFC-Trainer bleiben?

Die drei dann noch ausstehenden Spiele kämen damit einem Schaulaufen gleich. Obwohl der Ehrgeiz von Trainer Florian Schnorrenberg ungebrochen ist. Er möchte gern das Saisonziel „einstelliger Tabellenplatz“ noch erreichen. Was auch seine Position in punkto Verhandlungen über einen Vertrag für die nächste Saison - oder darüber hinaus - verbessern würde.

Doch will er das überhaupt? Am Montag gab der Trainer während einer kleinen Gesprächsrunde am Stadion auch einen Blick in seine Gefühlswelt preis und verblüffte da mit ein paar wie ganz nebenbei dahergesagten Sätzen: „Wenn der Klassenerhalt geschafft ist, müssen beide Seiten sich Gedanken machen, in welche Richtung es gehen soll. Auch ich muss mich entscheiden: Was möchte ich am liebsten?“

Für Schnorrenberg stehen viele Fragen im Raum: Bleiben - und wie von der Führung gewünscht in Richtung zweite Liga marschieren? Aber wäre das ehrgeizige Ziel realistisch? Mit welchen Spielern könnte das bewerkstelligt werden? Mit wem als Sportchef? Wie würden die Fans auf eine Verlängerung des Vertrages mit ihm als Trainer reagieren?

HFC bleibt erster Ansprechpartner für Trainer Schnorrenberg

Es gibt jede Menge Unwägbarkeiten jenseits der noch fehlenden drei Zähler. Doch eines könnte besser laufen als in der Vorsaison, wo es ja wegen der Corona-Pandemie eine wochenlange Unterbrechung gegeben hatte. Der finale Spieltag konnte damals erst am 4. Juli über die Bühne gehen. „Wir hätten diesmal zwei Monate mehr Zeit für die Planungen.“

Fest steht: Schnorrenberg ist, obwohl zwischenzeitlich in der akuten Krisenlage auch schon Ersatzkandidaten kontaktiert worden waren, zunächst der erste Ansprechpartner für den Verein.

HFC gegen Türkgücü zum dritten Mal mit der identischen Startelf?

Zukunft. Zunächst gilt für den Coach: „Wir haben noch nichts erreicht.“ Soviel Fokus wie möglich liegt auf dem Türkgücü-Spiel. Am Dienstagmorgen gibt es noch eine Videoanalyse vom Gegner, bei dem Schwächen im defensiven Umkehrspiel ausgemacht wurden. Hieße theoretisch taktisch: Man lässt Türkgücü angreifen, erobert den Ball, schaltet schnell um und überrumpelt den Gegner mit präzisen Kontern und kaltschnäuzigen Abschlüssen.

HFC-Stürmer Michael Eberwein (l.), hier beim Hinspiel-Sieg bei Türkgücü, hat seine Startelf-Chance zuletzt genutzt.
(Foto: imago/Picture Point)

Etwa so wie beim blitzsauberen Hinspiel-Sieg. Vorteil für Halle: „Für Türkgücü geht es in dieser Saison eigentlich um nichts mehr“, so Schnorrenberg. Beim ersten Treffen im Dezember träumten die Aufsteiger aus Bayern noch vom Durchmarsch in die zweite Liga.

Mit welchem Personal der Coach den finalen Schritt zu 46?Saisonpunkten (damit ist noch kein Drittliga-Team abgestiegen) gehen möchte, liegt auf der Hand: Beim fulminanten 3:0 in Dresden spielte die gleiche Mannschaft, die davor ein 1:1 gegen Verl erreicht hatte. Zu Veränderungen hat Florian Schnorrenberg also keinen Grund. Der zuletzt angeschlagene Jan Shcherbakovski ist zurück, wird aber zunächst wohl nur auf der Bank sitzen, weil Michael Eberwein bei Dynamo überzeugt und auch getroffen hatte. (mz)