HFC-Anwalt schickt Brief an DFB

HFC-Anwalt schickt Brief an DFB: Halle setzt wenig Hoffnung in Bundestag am Montag

Halle (Saale) - Explodiert das Pulverfass? Anträge auf Saisonabbruch, anwaltliche Schreiben, öffentliche Kritik aus der Politik: Der so außerordentliche wie virtuelle Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an diesem Montag (ab 13 Uhr) hat jede Menge Brisanz und eine Hauptfrage zu klären: Wird die Spielzeit der dritten Liga - wie es der DFB und acht Vereine (vier sind neutral) wollen - am Wochenende ...

Von Christoph Karpe
Im verregneten Münsterland absolviert der Hallesche FC um Toni Lindenhahn (vorn) seine ersten Einheiten Mannschaftstraining.

Explodiert das Pulverfass? Anträge auf Saisonabbruch, anwaltliche Schreiben, öffentliche Kritik aus der Politik: Der so außerordentliche wie virtuelle Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) an diesem Montag (ab 13 Uhr) hat jede Menge Brisanz und eine Hauptfrage zu klären: Wird die Spielzeit der dritten Liga - wie es der DFB und acht Vereine (vier sind neutral) wollen - am Wochenende fortgesetzt?

262 Delegierte müssen darüber befinden. Schon allein deshalb, weil die Fußball-Verbände aus Sachsen-Anhalt und Sachsen ganz offiziell den Antrag auf Abbruch gestellt haben. Die Begründung liefern die nach wie vor geltenden unterschiedlichen behördlichen Verfügungslagen in Deutschland in der Corona-Pandemie.

In Sachsen-Anhalt kann bis zum Mittwoch kein Mannschaftstraining abgehalten werden, was einen fairen Wettbewerb nicht zulasse. Außerdem verweisen die Verbände auf den Umstand, dass die Saison über den 30. Juni hinaus gehen werde und damit erhebliche arbeits- und vertragsrechtliche Probleme entstehen könnten.

HFC hat keine Hoffnung mehr auf Saison-Abbruch

Das sind auch jene Argumente der hierzulande betroffenen Klubs wie dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC. Sie gehören zu einer Achtergruppe, die den Spielbetrieb gern stoppen würden. „Der Antrag zur Beendigung der Saison ist in Begründung und Ergebnis ausgewogen. Durch Sicherung des Aufstiegs und Aufstockung der Liga auf 24 Vereine bietet er einen guten Interessenausgleich“, sagt HFC-Präsident Jens Rauschenbach.

Doch große Erwartungen hat er nicht: „Aufgrund der funktionärslastigen Stimmenverteilung beim Bundestag für DFB und DFL habe ich keine Hoffnung, dass dieser Vorschlag eine Chance hat.“ DFB, DFL und der bayrische Landesverband, der mit DFB-Vizepräsident Rainer Koch an der Spitze und seinen fünf Drittligisten ebenso vehement für Weiterspielen ist, stellen die Mehrheit. Sachsen-Anhalt hat in Abhängigkeit von den Mitgliederzahlen drei Stimmen, Sachsen vier. Aus Thüringen ist Unterstützung zu erwarten, aber ansonsten eher nicht.

Auch wenn die Abstimmung für Weiterspielen ausfällt, sind die betroffenen Vereine nicht gewillt, aufzugeben. Der Hallesche FC hat am Wochenende ein anwaltliches Schreiben an den DFB geschickt. „Wir haben durch unseren Anwalt die bestehende Wettbewerbsverzerrung beim DFB angezeigt und diesen aufgefordert, gleiche Bedingungen für alle mit mindestens 14 Tagen Mannschaftstraining zu schaffen. Wir erwarten hierzu eine Antwort und werden dann in unseren Gremien weitere Schritte beraten“, sagt Rauschenbach.

FCM streitet mit DFB über Corona-Tests

Die HFC-Mannschaft hat am Samstag ein Trainingslager in Nordrhein-Westfalen bezogen, wo sie sich unter Quarantäne-Bedingungen auf das Spiel bei Preußen Münster vorbereitet. Der DFB hat die Partie für Sonntag (14 Uhr im Liveticker) angesetzt, der HFC hat damit nur eine Woche Mannschaftstraining.

Noch forscher als der HFC ist der 1. FC Magdeburg. Bei dem ist eine Corona-Testreihe geplatzt, weil das Labor keinen Fahrer hatte. Die wäre vor einem Einzug ins Trainingslager zwingen notwendig gewesen. Der FCM stellte Antrag auf die Verlegung des ersten Spiels gegen Kaiserslautern. Der DFB lehnte das ab - und beide Seiten schickten sich daraufhin Vorwürfe: FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik verwies auf die zwei Testreihen bei Erst- und Zweitligaklubs, bevor diese ins Quarantäne-Trainingslager eingezogen seien.

Stoppt die Politik die 3. Liga am Dientag?

„Wenn wir jetzt in ein Hotel gehen, wissen wir nicht, ist einer infiziert oder nicht. Also ist es ein normales Trainingslager und kein Quarantäne-Trainingslager“, so Kallnik zum Aufenthalt im niedersächsischen Schöningen. Zwei bis drei Wochen Mannschaftstraining seien notwendig, um Wettbewerbsgleichheit zu ermöglichen. „Das ist weit und breit nicht in Sicht. Das kritisieren wir und werden uns juristische Schritte vorbehalten“, so Kallnik.

Ähnliches gilt für den FC Carl Zeiss Jena. In Thüringen darf bis zum 5. Juni nicht im Team trainiert werden. Auch Wettbewerbe sind untersagt. Und Thüringens Sportminister Helmut Holter sagte beim Deutschlandfunk klipp und klar in Richtung DFB: „Ich bin der Meinung, alle Vereine sollten die gleichen Bedingungen haben in diesem Wettbewerb innerhalb der dritten Liga. Leider sind es wieder die ostdeutschen Vereine, die den Kürzeren dabei ziehen.“ Vielleicht stoppt die Politik am Dienstag die dritte Liga? (mz/dpa)