Sportliche Planung ruht

Hallescher FC: Wird Rico Schmitt auch Sportdirektor beim HFC?

Halle (Saale) - Ex-Spieler Marco Hartmann, jetzt Kapitän von Dynamo Dresden, versteigert sich im Netz. Für ein gemeinsames Essen. Die Fans starten kreative Aktionen, spenden, verteilen Flyer, um das Stadion zu füllen. Der Verein geht in die Marketing-Offensive. Geschätzte 400.000 Euro sind auf vielen Wegen bislang in die so leere Kasse des Halleschen FC ...

Von Christoph Karpe

Ex-Spieler Marco Hartmann, jetzt Kapitän von Dynamo Dresden, versteigert sich im Netz. Für ein gemeinsames Essen. Die Fans starten kreative Aktionen, spenden, verteilen Flyer, um das Stadion zu füllen. Der Verein geht in die Marketing-Offensive. Geschätzte 400.000 Euro sind auf vielen Wegen bislang in die so leere Kasse des Halleschen FC geflossen.

Trotzdem: Niemand kann sich sicher sein, dass die Lücke von 1,4 Millionen Euro tatsächlich bis zum Ende des Monats geschlossen ist. Dann müssen die Lizenzunterlagen für die kommende Saison beim DFB eingereicht werden. Bekommt der rot-weiße Klub den fehlenden Großteil zusammen?

Die Verantwortlichen schweigen zur Finanzsituation beim HFC

Die entscheidenden Gremien der Stadt, potenzielle Extra-Geldgeber wie Stadtwerke und Saalesparkasse schweigen darüber, ob überhaupt und - wenn ja - was von ihnen als Zuschuss zu erwarten ist.

HFC-Präsident Michael Schädlich kennt den Stand der Dinge, hat sich aber einen Maulkorb verpasst. So wollen es die Entscheider, solange die Verträge nicht von Vorstandsgremien abgesegnet sind. Was nichts daran ändert: Die Anhänger tappen im Dunkeln. Was verständlichen Unmut schürt.

Die sportlichen Planungen beim HFC ruhen

Nur wenig sickert also durch. Wie etwa die Gesamtsumme, die der Hallesche FC erhalten könnte: 800.000 Euro. Friedlich geteilt. So sollen Stadtwerke und Saalesparkasse in den Rettungstopf einzahlen. Würde mit den anderen Benefiz-Geldern reichen. Das Okay vom DFB, auch die kommende Saison in Liga drei bestreiten zu dürfen, wäre gewiss.

„Ich bin regelmäßig mit den Führungsgremien des Vereins im Austausch und habe ein absolut positives Gefühl, dass der HFC in ruhige Gewässer kommt“, sagt Trainer Rico Schmitt.

Während also an der Finanzfront viel hoffnungsvolle Bewegung herrscht, ruhen die sportlichen Planungen für die kommende Spielzeit komplett. Manager Ralph Kühne ist raus, er hört womöglich schon zum Saisonende auf. Schmitt hat keine Entscheidungs-Legitimation.

Befördert der HFC Rico Schmitt zum Sportdirektor?

„Ich kann doch keine Gespräche mit Spielern über eine mögliche Vertragsverlängerung führen“, sagt der Trainer. Einmal abgesehen davon, dass erst finanziell „die Perspektive des Vereins feststehen“ müsse: Auch sein Vertrag läuft schließlich aus.

Trotz all dieser Ungewissheit macht sich Schmitt natürlich Gedanken, was ab Sommer beim rot-weißen Klub passieren könnte und müsste. Zum Beispiel den künftigen Kader betreffend: „Du brauchst immer Typen an Spielern, die für einen attraktiven und leidenschaftlichen Stil stehen, mit denen sich die Fans identifizieren wollen.“ Typen wie etwa Klaus Gjasula, Benjamin Pintol oder Nick Fennell. Aber die wollen langsam wissen, wo die Reise des HFC hingeht.

Dies aufzeigen könnte ein sportlicher Leiter, den der HFC ja ganz offiziell sucht. Aber gerade nicht bezahlen kann. Womöglich muss in der Finanznot auf die Besetzung des Postens durch einen Auswärtigen verzichtet werden. Plötzlich kommt jedenfalls die Variante Rico Schmitt ins Spiel. Der hat schließlich einst in Aue und danach in Offenbach den Job als Trainer und Sportdirektor in Personalunion gewuppt.

Rico Schmitt: „Ein Blick in meine Historie beantwortet vieles“

Schmitt selbst will sich nicht ins Gespräch bringen. Er sagt aber: „Ein Blick in meine Historie beantwortet vieles.“ Heißt: Natürlich würde er sich eine Doppelfunktion zutrauen.

Gleichzeitig räumt er vehement mit einem Vorurteil auf. „Es ist totaler Quatsch, wenn es heißt, ich könne nicht mit einem Sportdirektor zusammenarbeiten“, sagt er. In Aue, Offenbach und in Halle dann mit Stefan Böger sei die Konstellation nur durch „unglückliche Umstände“ gescheitert.

Bei den ersten beiden Klubs, weil ihm „ohne Not“ ein Sportchef vor die Nase gesetzt worden sei. Beim HFC war Böger schon da. Schmitt beerbte ihn bekanntlich im April 2016 als Coach. Böger bekam den neu geschaffenen und gut dotierten Sportchef-Posten auch, weil zum Beispiel aus dem Rathaus professionellere Strukturen beim Verein gefordert worden waren. Dass Schmitt und Böger nicht auf einer Wellenlänge liegen würden, war da noch nicht abzusehen. Böger ging vor Saisonstart - abgefunden mit etwa 80.000 Euro. Geld, das heute fehlt. Und das der Klub auch in Zukunft kaum hat.

Wie ein Spordirektoren-Modell mit Rico Schmitt beim HFC aussehen könnte

Womöglich entscheidet man sich auch für eine neue Konstellation: Schmitt den Vertrag zu verlängern und ihm einen Ex-Profi zur Seite zu stellen. So wie es in Dresden mit Sportchef Ralf Minge funktioniert.

„Auch Paderborn mit Markus Krösche ist ein gutes Beispiel“, meint Schmitt. Dass in Magdeburg Coach Jens Härtel und die Ex-Kicker Mario Kallnik, der Manager, und Maik Franz, Mitglied in der Geschäftsführung, erfolgreich funktionieren, sei erwähnt. „Wir müssen erst einmal definieren, was soll der sportliche Leiter alles leisten. Es darf kein Frühstücksdirektor sein, der sich profilieren will. Er muss arbeiten“, sagt Schmitt.

Er wäre wohl bereit, die Ärmel noch weiter hochzukrempeln. So wie am Spielfeldrand auch wieder am Sonnabend: „Ich habe eine sportliche Verantwortung“, sagt der 49-Jährige. Dem HFC sportlich die Klasse zu erhalten. Punkte auch gegen den starken Karlsruher SC zu sammeln.

(mz)