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Antrag auf DFB-BundestagZweigleisige 3. Liga: Argumente für und gegen das Modell mit zwei Staffeln

Frankfurt (Main) - Eine Entscheidung über die Zukunft der 3. Liga soll auf dem Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes am 25. Mai fallen. In dem Gremium soll dann auch über den Antrag des Saarländischen Fußball-Verbandes abgestimmt werden, eine zweigleisige 3. Liga ...

19.05.2020, 09:44

Eine Entscheidung über die Zukunft der 3. Liga soll auf dem Außerordentlichen Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes am 25. Mai fallen. In dem Gremium soll dann auch über den Antrag des Saarländischen Fußball-Verbandes abgestimmt werden, eine zweigleisige 3. Liga einzuführen.

„Ich denke, dass die Zahl der Unterstützer von der dritten bis zur fünften Liga am Ende im unteren dreistelligen Bereich landen wird“, sagt Sportvorstand Thorsten Binder von Rot-Weiß Oberhausen: „Das kann man dann nicht mehr ignorieren.“

Allerdings hatte der DFB jüngst erklärt, dass die Idee einer zweigleisigen 3. Liga aktuell „weder faktisch noch rechtlich und wirtschaftlich umsetzbar“ sei und vertagt werde. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lägen die „notwendigen strukturellen, ordnungsrechtlichen, wirtschaftlichen und zulassungstechnischen Voraussetzungen“ nicht vor.

Über die Strukur des Profifußballs unterhalb der Bundesliga will sich der Verband, der dazu die Einführung einer professionellen Taskforce plant, bis zum DFB-Bundestag 2022 „intensiv beraten“. Das Thema zweigleisige 3. Liga ist vielleicht aufgeschoben, aber längst nicht vom Tisch. Gute Argumente gibt es bei den Befürwortern, aber auch bei den Kritikern. Ein Überblick über die Diskussion.

Was für eine zweigleisige 3. Liga spricht

REISEKOSTEN: Die Teams würden zwar in den meisten Fällen am Vorabend eines Auswärtsspiels anreisen und im Hotel übernachten. Allerdings müssten geringere Entfernungen absolviert werden. Das spart zum einen Reisekosten, zum anderen ist es der Fitness der Spieler zuträglich, wenn sie nach einer Begegnung nicht sechs Stunden im Bus sitzen müssen.

DERBYS: Durch die regionale Beschränkung (Teams aus Nord, Nordost, West in einer Staffel, Süd-West und Bayern in der anderen) könnten sich die Fans auf mehr Duelle gegen traditionelle Rivalen freuen. Das wiederum dürfte für steigende Zuschauerzahlen und damit erhöhte Einnahmen für die Drittligisten sorgen.

AUF- UND ABSTIEG: Das Dauerthema des Aufstiegs in die 3. Liga wäre endgültig vom Tisch. Bisher steigen nicht alle Meister der fünf Regionalliga direkt auf, da es nur vier Absteiger gibt. Mit einer Neuordnung der 3. Liga und im Zuge dessen auch der Regionalligen, sollte man hier eine zufriedenstellende Lösung finden.

GESÜNDERE FINANZEN: Finanziell ist die aktuelle 3. Liga ein Fass ohne Boden. Im Durchschnitt macht ein Drittligist pro Saison 1,5 Millionen Euro Verlust. Das Phänomen beschrieb 2018 Michael Schwetje, damals Geschäftsführer von Fortuna Köln. „Viele Vereine akzeptieren die 3. Liga nicht als natürliches Zuhause, sondern nur als Durchgangsstation“, sagte der Unternehmer. Das führe zu erhöhten finanziellen Risiken. Ein zweigeteilte Liga hätte ein größeres sportliches Gefälle und könnte dem Hau-Ruck-Wirtschaften entgegenwirken.

Was gegen eine zweigleisige 3. Liga spricht

TV-EINNAHMEN: Nach jahrelangem Kampf war es dem DFB endlich gelungen, in MagentaSport einen TV-Partner neben der ARD zu finden und die Einnahmen für die Clubs zu erhöhen. Knapp 1,3 Millionen Euro erhält jeder Verein. In der Premieren-Saison 2008/09 waren es nur 540.000. Ohne Frage ist die Fernsehgeld-Kluft zur 2. Liga mit mehreren Millionen Euro gewaltig. Doch eine Zweiteilung der Liga würde diese noch größer werden lassen. Fraglich ist zudem, ob die Telekom dann Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit hätte.

SPORTLICHER WERT: Ein Blick auf die zweigeteilte 3. Liga vor über einem Jahrzehnt zeigt, dass Attraktivität und sportlicher Wert deutlich geringer waren als heute. In den 36 Clubs der beiden Staffeln spielten zehn Zweitvertretungen von Bundesligisten, was vielen Fans missfiel. Zudem war durch die Vielzahl der Teams nicht die Leistungsdichte gegeben, wie es in der eingleisigen Liga der Fall ist. So stieg Ludwigshafen am Ende mit nur zwei Siegen aus der Südstaffel ab.

SPANNUNG: Die 3. Liga ist wohl die spannendste, weil am wenigsten vorhersagbare Liga. Die aktuell unterbrochene Spielzeit ist das beste Beispiel. Aufsteiger Mannheim ist Zweiter, die Außenseiter Unterhaching und Meppen folgen. Finanz-Krösus Ingolstadt ist dagegen nur Fünfter, Traditionsclub Kaiserslautern und Zweitliga-Absteiger Magdeburg kämpfen gegen den Abstieg. Das kommt bei den Fans an: Vor der Unterbrechung lag der Zuschauerschnitt bei 8674 und damit deutlich über dem Rekord aus der Vorsaison (8132).

KEINE MEHRHEIT: Die Idee der zweigleisigen 3. Liga ist nicht neu. Sie existierte bereits bis Sommer 2008 und war auch kürzlich beim DFB-Bundestag 2019 ein Thema. „Die Arbeitsgruppe, in der Regionalligen, Verbände und 3. Liga vertreten waren, hatte mehr als zehn Modelle diskutiert, auch eine zweigeteilte 3. Liga. Alles wurde verworfen und war nicht annähernd mehrheitsfähig. Das gesamte Thema Unterbau muss auf die Agenda und ganzheitlich diskutiert werden“, betonte der für die 3. Liga zuständige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth im „Kicker“. Sowohl DFB als auch die aktuellen Drittligisten hatten sich zuletzt gegen eine Zweigleisigkeit ausgesprochen. (dpa/bbi/mz)