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Ex-DFB-PräsidentReinhard Grindel: Ex-DFB-Präsident darf nicht zurück zum ZDF

24.04.2019, 16:29

Mainz - Reinhard Grindel hat nach seinem Rücktritt als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sowie seinem Abschied von seinen Ämtern beim Weltverband Fifa und der Europäischen Fußball-Union (Uefa) offenbar keinen rechtlichen Anspruch auf eine Rückkehr zu seinem früheren Arbeitgeber ZDF.

„Das jetzt vorliegende Ergebnis der juristischen Expertise bestätigt ein Rückkehrrecht von Herrn Grindel nicht“, teilte ein ZDF-Sprecher auf SID-Anfrage mit.

Privat: Geboren am 19. September 1961 in Hamburg. Verheiratet mit Ehefrau Wenke, zwei Söhne.
Politik: Seit 1977 Mitglied der CDU. - Vom 22. September 2002 bis zum 3. Juni 2016 für die CDU im Deutschen Bundestag.
Fußball: Von 2011 bis 2014 1. Vizepräsident des Niedersächsischen Fußballverbands. Seit 25. Oktober Schatzmeister beim DFB. Vom 15. April 2016 bis 02. April 2019 DFB-Präsident. Seit 5. April 2017 Mitglied im Uefa-Exekutivkomitee als Vizepräsident „Gouvernance“ und im Fifa-Council.
Medien: 1989 als Korrespondent für Radio Schleswig-Holstein und die Neue Osnabrücker Zeitung in Bonn. 1997 Leitung des ZDF-Studios in Berlin. Von 1999 bis 2002 Leiter des ZDF-Studios in Brüssel.

1900 bis 1904: Ferdinand Hueppe
1904 bis 1905: Friedrich Wilhelm Nohe
1905 bis 1925: Gottfried Hinze
1925 bis 1945: Felix Linnemann
1950 bis 1962: Peco Bauwens
1962 bis 1975: Hermann Gösmann
1975 bis 1992: Hermann Neuberger
1992 bis 2001: Egidius Braun
2001 bis 2004: Gerhard Mayer-Vorfelder
23.10.2004 - 07.09.2006: Gerhard Mayer-Vorfelder/Theo Zwanziger
08.09.2006 - 01.03.2012: Theo Zwanziger
02.03.2012 - 09.11.2015: Wolfgang Niersbach
10.11.2015 - 14.04.2016: Rainer Koch/Reinhard Rauball (interimsweise)
15.04.2016 - 02.04.2019: Reinhard Grindel
seit 02.04.2019: Reinhard Rauball/Rainer Koch (interimsweise bis 27. September 2019)

„Ich trete vom Amt des DFB-Präsidenten zurück. Ich entschuldige mich dafür, dass ich durch mein wenig vorbildliches Handeln in Zusammenhang mit der Annahme einer Uhr Vorurteile gegenüber haupt- oder ehrenamtlich Tätigen im Fußball bestätigt habe.

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich nicht geldgierig und seit Jahren mit Compliance-Fragen befasst bin. Seit dem Wochenende kenne ich den Wert der Uhr von 6000 Euro und bin deshalb gestern Vormittag auf unseren Generalsekretär und unseren Compliance-Beauftragten zugegangen und habe mit ihnen die Lage erörtert.

Herr Surkis hatte keinerlei wirtschaftliche Interessen im Zusammenhang mit dem DFB. Er hat mich niemals davor oder danach um irgendeine Unterstützung gebeten. Es war zum damaligen Zeitpunkt auch schon klar, dass er nicht wieder für das UEFA-Exko kandidieren wird, dem er heute auch nicht mehr angehört. Es war und ist für mich keinerlei Interessenkonflikt erkennbar.

Für mich war dies ein reines Privatgeschenk, ohne jeden Bezug zum ukrainischen Verband oder gar einem Wirtschaftsunternehmen. Es war für mich ein Gebot der Höflichkeit, dieses Geschenk anzunehmen. Ich bin mit der Annahme des Geschenks offen umgegangen und habe es meinem mich in Genf begleitenden Mitarbeiter gezeigt und es später auch in Frankfurt im Kollegenkreis erwähnt. Ich kannte die Marke der Uhr nicht und hatte keine Vorstellung von ihrem Wert. Es war ein schweres Versäumnis, diesen Wert nicht sofort zu ermitteln. So hätte ich bereits den Anschein unredlichen Handelns vermeiden können.

Selbstverständlich werde ich mich auch an die Compliance-Beauftragten der FIFA und UEFA wenden und den Vorgang der Zollverwaltung melden. Steuerrechtlich ist wegen bestehender Freigrenzen nach Auskunft meines Steuerberaters die Sache unbedenklich.

Ich möchte nochmals betonen, dass ich mir nicht erklären kann, warum ich in dieser Angelegenheit nicht für die nötige Klarheit gesorgt habe. Sie können mir glauben, dass ich seit dem Wochenende fassungslos bin über den Fehler, der mir da unterlaufen ist. Ich möchte aber, nicht zuletzt im Interesse meiner Familie, die sehr unter der Situation leidet, darum bitten, jetzt die Untersuchungen der Compliance-Beauftragten in den verschiedenen Verbänden abzuwarten.

Ich habe keinerlei Gegenleistung für die Annahme des Geschenks erbracht. Ich bin davon ausgegangen, dass ich die Uhr als Privatgeschenk annehmen darf. Die Uhr wird so schnell wie möglich zurückgegeben. Ich hoffe sehr, dass nach der Prüfung durch die Compliance-Beauftragten sicher ein Verstoß gegen Meldepflichten festgestellt wird, aber im Übrigen meine Integrität nicht in Zweifel steht.

Lassen Sie mich zum Schluss sagen: Ich bin tief erschüttert, dass ich wegen eines solchen Vorgangs meine Funktion als DFB-Präsident aufgeben muss, die ich gerne ausgeübt habe, vor allem um dem Amateurfußball in Deutschland Impulse zu geben. Ich habe dafür gesorgt, dass die Leistungen für unsere Landesverbände erheblich verbessert wurden und damit die Arbeit an der ehrenamtlichen Basis gestärkt wurde. Ich freue mich, dass ich einen Beitrag leisten konnte, um die EURO 2024 nach Deutschland zu holen. Das ist eine hervorragende Perspektive für den Fußball an der Spitze und der Basis.

Wir haben den Neubau des DFB auf den Weg gebracht. Das ist gut für alle Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt. Und es ist durch den Abschluss verbesserter Sponsorenverträge gelungen, die wirtschaftliche Lage des DFB zu stärken. Ich bedanke mich bei meinen Kollegen aus den Landesverbänden, die mich bis zuletzt unterstützt haben, und ich danke den Kollegen aus der Bundesliga für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Am Ende frage ich mich: Warum ist das passiert? Ich kann es mir nur so erklären, dass ich zutiefst davon überzeugt war, dass ich nichts Unrechtes tue und im Stress des Amtes einfach zu wenig hinterfragt habe. Noch mal: Dass ich wegen eines solchen Vorgangs öffentlich so dastehe, macht mich fassungslos und traurig, und ich bitte einfach um eine faire Beurteilung meiner am Ende leider nur dreijährigen Amtszeit.“

Grindel hatte von 1992 bis 1997 beim ZDF in Bonn gearbeitet, von 1997 bis 1999 das ZDF-Studio in Berlin geleitet und war von 1999 bis 2002 Studioleiter in Brüssel. Danach wechselte er in die Politik und saß von 2002 bis 2016 als Abgeordneter für die CDU im Bundestag.

Reinhard Grindel seit dem 2. April nicht mehr DFB-Präsident

Am 15. April 2016 war Grindel als Nachfolger des ebenfalls zurückgetretenen Wolfgang Niersbach zum DFB-Präsidenten gewählt worden. Aufgrund einiger Verfehlungen hatte der 57-Jährige dann am 2. April seine Demission beim DFB erklärt, am 10. April auch seine Ämter bei Fifa und Uefa niedergelegt.

Am 3. April hatte es vonseiten des Zweiten noch geheißen: „Herr Grindel hat aufgrund seiner früheren Mitgliedschaft im Bundestag ein im Abgeordnetengesetz geregeltes gesetzliches Rückkehrrecht.“ Nun erfolgte nach genauerer juristischer Prüfung die Kehrtwendung. (sid)