Wechsel zum DFB?

Hansi Flick sagt Bayern Servus

Cheftrainer Hansi Flick hört beim FC Bayern München auf.  Foto: imago images/Hübner

Wolfsburg - Mitten in den verfrühten Titeljubel hinein ließ Hansi Flick die Bombe platzen. Der Sextuple-Trainer verlässt Bayern München nach wochenlangem Zögern am Saisonende - und er wird wahrscheinlich neuer Bundestrainer.

„Ich habe der Mannschaft gesagt, dass ich den Verein unter der Woche informiert habe, dass ich am Ende der Saison aus meinem Vertrag raus möchte“, sagte Flick bei Sky nach dem 3:2 (3:1) beim VfL Wolfsburg am Samstag. „Das ist Fakt. Das war mir wichtig, das mitzuteilen, weil es schon ein wenig Flurfunk gab.“

Er habe seine Entscheidung „nach reiflicher Überlegung getroffen“, betonte Flick, Details sollen intern bleiben. Mit DFB-Direktor Oliver Bierhoff habe er noch nicht konkret über die Nachfolge von Joachim Löw gesprochen, seine Zukunft sei also „überhaupt nicht klar“. Aber: „Der DFB ist eine Option, die jeder erwägen muss.“ Er müsse jetzt nach eineinhalb Jahren in München erst einmal alles verdauen.

Die Bayern verloren also an dem Tag, an dem sie den vorentscheidenden Schritt zur neunten Meisterschaft in Serie gingen, ihren Trainer. „Das ist eine emotionale Geschichte für uns alle“, sagte Kapitän Manuel Neuer. Vier Tage nach dem bitteren Champions-League-Aus gegen Paris St. Germain ist damit auch der schwelende Machtkampf mit Hasan Salihamidzic entschieden: Zwischen Trainer und Sportvorstand hatte es seit Wochen offen gekriselt.

Flick wird sich nach seinen sechs Titeln in der Vorsaison sehr wahrscheinlich als neuerlicher deutscher Meister vom Weltpokalsieger verabschieden. Sieben Punkte beträgt nun der Vorsprung auf Verfolger RB Leipzig, der am Freitagabend überraschend gegen die TSG Hoffenheim (0:0) gepatzt hatte. Fünf Spiele stehen aus.

Flick hatte es wochenlang auffällig sorgsam vermieden, dem DFB im Stile von Jürgen Klopp (FC Liverpool) oder Julian Nagelsmann (Leipzig) eine Absage zu erteilen. Damit sorgte er beim FC Bayern für Unruhe, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge reagierte auf Fragen immer wieder angespannt. Dennoch stimmten die Münchner am Ende wohl zu - vielleicht auch, weil sie bereits einen Nachfolger im Blick haben. Nagelsmann gilt als heißester Kandidat.

Als Sextuple-Trainer, der stallintern lange Löws Assistent war und dann Sportdirektor wurde, erscheint Flick beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als geradezu logische Wahl. Der Verband wollte aber nicht auf Trainer zugehen, die unter Vertrag stehen - so musste der 56-Jährige, 2014 an Löws Seite Weltmeister in Rio de Janeiro, selbst aktiv werden.

Das tat er bereits vor dem Spiel, in dem Jung-Nationalspieler Jamal Musiala mit zwei Treffern in der 15. und 37. Minute den Grundstein zum verdienten Erfolg legte. Dazwischen war Eric-Maxim Choupo-Moting erfolgreich (24.). Zwischenzeitlich war Wout Weghorst (35.) das Anschlusstor gelungen. Maximilian Philipp (54.) erzielte einen zweiten Anschlusstreffer.

Am Abend zuvor hatte Flick, das verriet er bei Sky, „zwei bis drei Stunden lang“ den Austausch mit VfL-Trainer Oliver Glasner gesucht, der bei einigen Vereinen sehr hoch im Kurs steht. Dabei habe er mit Glasner über die Situation beider Trainer gesprochen - womöglich wusste der Österreicher also schon vor dem Anpfiff Bescheid. Um 18.00 Uhr wusste es dann alle. (sid)