FSV Frankfurt vs. RB Leipzig

FSV Frankfurt vs. RB Leipzig: Trainer-Comeback von Rangnick: Aller Anfang ist schwer

Frankfurt - Wer wüsste es nicht besser als Ralf Rangnick: Kaum ein Fußballspiel gilt als so schlecht planbar wie der Saisonstart. Einmal nicht aufgepasst und all die Mühsal der Vorbereitung ist Makulatur. Vielleicht deshalb hat sich der Cheftrainer, Sportchef und Chefideologe von RB Leipzig – der 1:0-Arbeitssieg zum Zweitliga-Auftakt  beim FSV Frankfurt war gerade eingetütet – am Samstagnachmittag so sehr dafür interessiert, wie es dem anderen Red Bull Ableger aus Salzburg ergangen ist, für den der umtriebige Allesmacher in der vergangenen Saison ja auch noch verantwortlich ...

Von Frank Hellmann 26.07.2015, 09:04

Wer wüsste es nicht besser als Ralf Rangnick: Kaum ein Fußballspiel gilt als so schlecht planbar wie der Saisonstart. Einmal nicht aufgepasst und all die Mühsal der Vorbereitung ist Makulatur. Vielleicht deshalb hat sich der Cheftrainer, Sportchef und Chefideologe von RB Leipzig – der 1:0-Arbeitssieg zum Zweitliga-Auftakt  beim FSV Frankfurt war gerade eingetütet – am Samstagnachmittag so sehr dafür interessiert, wie es dem anderen Red Bull Ableger aus Salzburg ergangen ist, für den der umtriebige Allesmacher in der vergangenen Saison ja auch noch verantwortlich war.

Schmuckloser Arbeitssieg des namhaften Ensembles

Und als den Vordenker die Kunde aus der österreichischen Bundesliga erreichte, gingen die Mundwinkel nach unten: Red Bull Salzburg kassierte zeitgleich eine 1:2-Schlappe beim Aufsteiger Mattersburg. Hohn und Häme inklusive. So etwas blieb dem mit den üppig sprudelnden Brause-Millionen abermals massiv verstärkten deutschen Zweitligisten am Bornheimer Hang unter Rangnick-Regie erspart. 7.021 Zuschauer – mehr ließen sich nach einem vorgegangenen Unwetter nicht in das unter die Frankfurter Stadtautobahn gezwängte Stadion locken – erlebten einen schmucklosen Arbeitssieg des namhaften Ensembles, das seine erstklassigen Ansätze über weite Strecken gut versteckte.

„Es war sogar noch ein bisschen schwerer als erwartet. Es geht in der Liga anders als zu in den Testspielen. In der einen oder anderen Situation haben wir noch Glück gehabt. Nach meinem Geschmack war der Ball viel zu viel in der Luft“, bemängelte Rangnick. Ebenso hatte 57-Jährige nicht die vielen langen Bälle auf den Lehrplan gesetzt. Heraus kam eine umkämpfte, oft zerfahrene Partie – Alltagerlebnis im Unterhaus halt. Der nach vierjähriger Abstinenz auf die Trainerbank zurückgekehrte Rangnick erteilte vom Spielfeldrand zahlreiche Anweisungen – nach neun Minuten setzte er während der ersten Verletzungsunterbrechung eine spontane Taktikbesprechung für alle Feldspieler an. Stets bemüht um eine sachliche Tonart. „Um mich herum ist genug Hektik, deswegen habe ich versucht, einigermaßen cool zu bleiben“, meinte der sichtlich erholt ausschauende Schwabe, der hinterher seinen entspannten Gemütszustand einigermaßen einfach erklärte: „Gewinnen macht mehr Spaß als verlieren.“

Es bedurft indes eines schlimmen Querschlägers des überforderten Frankfurter Aushilfsverteidigers Alexander Bittroff, damit der österreichische Jungnationalspieler Marcel Sabitzer traf  (55.).  „Wir haben diesen einen Fehler, diesen einen Zufall erzwungen“, befand Rangnick, der das in der Praxis nicht ausgereifte 4-2-2-2-System zur Pause in eine 4-2-1-3-Formation („Ein Zehner, drei Spitzen“) verwandelt hatte. Doch dass die Rasenballsportler insgesamt speziell in der Offensive so wenig zu bieten hatte, war keine System-, sondern eher eine Personalfrage. Der Lehrmeister war dabei so frei, die  enttäuschenden Vorstellungen der Millionenstürmer Yussuf Poulsen und Davie Selke konkret anzusprechen: „Yussuf kann viel besser spielen. Und Davies Rolle war nicht dankbar. Ich mache mir bei ihm aber keine Sorgen, dass er noch genügend Tore schießen wird. Wir dürfen nicht zu hohe Maßstäbe anlegen.“

„Die kämpferische Komponente ist sicherlich größer als die spielerische“

Speziell der von Werder Bremen für immerhin acht Millionen Euro Ablöse abgeworbene Selke („Das war viel Kampf und Leidenschaft“) verriet gewaltige Umstellungsprobleme  - passt sich der 20-jährige irgendwann an, hat er auf jeden Fall einen Entwicklungsschritt vollzogen. Neu-Kollege Willi Orban hat es da einfacher, denn der vom 1. FC Kaiserslautern gewechselte Innenverteidiger kennt die zweite Liga eben nicht nur vom Hörensagen. „Die kämpferische Komponente ist sicherlich größer als die spielerische“, sagte der 22-Jährige. „Bei uns hat keiner geglaubt, dass wir hier gleich 3:0, 4:0 gewinnen.“  

Insofern könnte der Auftritt am ersten Spieltag schon so etwas wie eine Blaupause für den weiteren Saisonverlauf gewesen sein. Eine These, die Rangnick bejahte: „Wir haben nicht angenommen, dass uns die Gegner in der zweiten Liga Rosen ausstreuen.“ Gilt wohl auch fürs Montagsspiel nächster Woche, wenn Greuther Fürth in Leipzig vorstellig wird. (mz)