Comeback-Plan bei RB Leipzig

Comeback-Plan bei RB Leipzig: RB-Stürmer Terrence Boyd: „Ich würde auch Kreisliga spielen”

Leipzig - Treffpunkt Universitätsstraße in Leipzig: Terrence Boyd hat sich für das Interview mit der MZsein Lieblingscafé ausgesucht. Durchaus unüblich, denn andere Profi-Kicker wollen öffentlich möglichst wenig über ihr Privatleben preisgeben. Boyd dagegen – lässiges schwarzes Outfit, coole Sneaker mit Korkbeschichtung – schmeißt eine Runde Kaffee und berichtet locker und offen über die bislang schwierigste Phase seiner ...

Von Ullrich Kroemer 23.09.2015, 09:38

Treffpunkt Universitätsstraße in Leipzig: Terrence Boyd hat sich für das Interview mit der MZsein Lieblingscafé ausgesucht. Durchaus unüblich, denn andere Profi-Kicker wollen öffentlich möglichst wenig über ihr Privatleben preisgeben. Boyd dagegen – lässiges schwarzes Outfit, coole Sneaker mit Korkbeschichtung – schmeißt eine Runde Kaffee und berichtet locker und offen über die bislang schwierigste Phase seiner Karriere.

Sie waren vor Ihrer Verletzung US-Nationalspieler. Hat sich Jürgen Klinsmann mal gemeldet?

Boyd: Ja, aller drei, vier Monate hat er sich erkundigt, wie es mir geht. Es war mein großer Traum bei der WM 2014 dabei zu sein, jetzt versuche ich es, in den Kader für 2018 zu schaffen. Aber über das US-Team denke ich jetzt nicht nach. Ich muss erst einmal wieder richtig trainieren.

Wann können Sie wieder einsteigen?

Boyd: Vielleicht in einem knappen Monat. Ich kann wieder sprinten, schießen, aber es fehlen die Fitness und die Bewegungen, das Knie muss weiter stabilisiert werden. Natürlich sehen meine Bewegungen, jedes Dribbling noch total unrund aus – ich war schließlich fast ein Jahr raus. Die Geschmeidigkeit muss ich erst wieder lernen.

In welcher Rolle sehen Sie sich bei Ihrem Comeback im Team?

Boyd: Ich bin erst einmal froh, wenn ich überhaupt kicken kann. Hauptsache, ich darf erst einmal wieder auf dem Platz stehen. Ich habe mir vorgenommen, dass zur Rückrundenvorbereitung Schluss mit lustig ist. Dann will ich um meine Chance kämpfen und wieder voll angreifen. Klar, herrscht bei uns mordsmäßige Konkurrenz. Das ist schließlich ein besonderer Verein, man muss sich seinen Platz im Kader schon erkämpfen.

Was fehlt aus Ihrer Sicht noch im RB-Spiel?

Boyd: Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, dass wir die Grundtugenden noch mehr verinnerlichen: kämpfen, den Hintern aufreißen, so dass man sich nicht nach dem Spiel vorwerfen muss, dass man nicht alles gegeben hätte. Da brauchen wir noch einen Schuss mehr Aggressivität. Individuell sind wir auf fast jeder Position besser besetzt als alle anderen Teams in der Liga.

War die Perspektive, demnächst in der Bundesliga zu spielen, während Ihrer Verletzung ein Antrieb für Sie?

Boyd: Natürlich, das ist für jeden Profi ein Kindheitstraum. Das ist ein ganz großes Ding. Irgendwann werden wir da auch ankommen, wir werden alles dafür geben, dass es schon in dieser Saison gelingt.

Sie sind ein Bremer Junge, weshalb haben Sie nie bei Werder gespielt?

Boyd: Weil ich in der Jugend zu schlecht für Werder war, da wollten sie mich nicht. Beim Länderpokal in Duisburg habe ich dann ein paar Tore gemacht, und danach hatte die halbe Liga bei mir angefragt – Hertha, Wolfsburg, Köln, Schalke, auch Werder. Da bin ich aus Prinzip nicht zu Werder gegangen, weil die mich ja früher nicht wollten, sondern zu Hertha.

Was haben Ihnen die Spiele bei Hertha II und Dortmund II in der Regionalliga für Ihre Entwicklung gebracht?

Boyd: Ich musste erst einmal technisch viel aufholen. Die Ausbildung bei Hertha war super. Der Fußball in der Regionalliga ist sehr einfach gestrickt – ich freue mich schon, wenn ich bei unseren Amateuren spiele. Da kenne ich mich gut aus (lacht). Ich würde aber gerade auch bei einem Kreisligisten spielen. Ich will einfach nur kicken.

Sie waren einmal bei Borussia Dortmund bei einem Bundesligaspiel im Kader.

Boyd: Das war beim 5:0-Sieg gegen Köln 2011. Aber ich wurde trotz der hohen Führung nicht eingewechselt. So habe ich immerhin einmal vor 80.000 auf der Bank gesessen (lacht).

Haben Sie sich Hoffnungen gemacht, sich beim BVB durchzusetzen?

Boyd: Zu der Zeit natürlich schon. Ich hätte wohl einen Profivertrag bekommen, sollte aber in der zweiten Mannschaft spielen und bei der ersten mittrainieren. Aber damals hatte gerade Robert Lewandowski seinen Durchbruch und Julian Schieber wurde geholt. Jürgen Klopp hat mir nicht gerade signalisiert, dass er auf mich setzt. Da muss man realistisch sein. Dann bin ich zur Rapid Wien gewechselt, habe dort Europa League gespielt und mich als Spieler gefunden. Immerhin habe ich jetzt meine Bundesligapremiere hoffentlich noch vor mir. (mz)

Hier lesen Sie Teil 1 des Interviews