Fußball-WM 2026 Bundesregierung lehnt WM-Boykott ab - Göttlich reagiert
Warum die Bundesregierung trotz Kritik keinen WM-Boykott will – und was Staatsministerin Christiane Schenderlein über die politische Debatte rund um die WM 2022 sagt.

Berlin - Die Bundesregierung hat sich nach Angaben von Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport und Ehrenamt, gegen einen möglichen Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ausgesprochen. „Das unterstützen wir nicht“, sagte die CDU-Politikerin in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Darauf habe man sich innerhalb des Bundeskabinetts verständigt.
Zur Begründung verwies Schenderlein auf die außenpolitische Linie der deutschen Regierung gegenüber den USA. „Der Sport darf dafür nicht instrumentalisiert werden“, sagte sie. Zudem finde die WM nicht nur in den Vereinigten Staaten statt, sondern auch in Kanada und Mexiko.
Erinnerungen an die WM in Katar
Schenderlein erinnerte an die Debatte rund um die vergangene WM in Katar, als die damalige Bundesinnenministerin Nancy Faeser mit einer „One Love“-Binde auf der Tribüne saß und sich die deutsche Elf beim Mannschaftsfoto auf dem Feld den Mund zuhielt. „Das war keine gute Situation, die da entstanden ist“, sagte die 44-Jährige.
Rund um den Konflikt zwischen den USA und den europäischen Nato-Staaten hatte es wegen Donald Trumps Besitzansprüchen auf Grönland aus der Politik auch Stimmen gegeben, dass man eine WM-Teilnahme überprüfen müsse.
Aber auch St.-Pauli-Clubchef Oke Göttlich erklärte kürzlich, dass man wegen des Verhaltens des US-Präsidenten über einen Boykott zumindest diskutieren müsse. Vor dem Pokalspiel des „Kiezclubs“ bei Bayer Leverkusen bekräftigte er seinen Standpunkt. „Man kann ja ein Thema nicht totschweigen“, sagte Göttlich, der vom Deutschen Fußball-Bund für seine Äußerungen kritisiert worden war, im ZDF. „Der Fußball funktioniert nicht im Reagenzglas der gesellschaftlichen Themen. Ich finde es richtig, dass man die Debatte zumindest führt.“
Er sei dankbar dafür, dass sich der Verband eng mit der Regierung abstimmt. Laut Göttlich sei es zudem wichtig zu klären, inwieweit „es am Ende auch unter europäischen Gesichtspunkten in Ordnung ist, im Sommer Demokratie zersetzenden Tendenzen eine sportliche Bühne zu geben“.