Fußball-EM

Dänemarks große Hoffnung: Die eigenen Fans

Auf dem Papier steht der Co-Gastgeber Dänemark bei dieser EM kurz vor dem Aus. Er ist nach zwei Spielen nur Tabellenletzter. Trotzdem ist die Hoffnung groß.

Von Sebastian Stiekel, dpa
Dänische Fans in der Kopenhagener Arena.
Dänische Fans in der Kopenhagener Arena. Martin Meissner/AP Pool/dpa

Kopenhagen - Einmal noch diese Gänsehaut-Atmosphäre. Einmal noch eine Stimmung, über die der dänische Torwart Kasper Schmeichel sagt: „Es sollen nur 25.000 Zuschauer sein, aber es hört sich an wie 75.000.“

Dass der Co-Gastgeber Dänemark nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen immer noch fest an sein Weiterkommen bei dieser Fußball-EM glaubt, hat vor allem etwas mit dem Faktor Heimvorteil zu tun. Denn auch das dritte und entscheidende Gruppenspiel an diesem Montagabend gegen Russland (21.00 Uhr/ARD und MegantaTV) findet wieder in der eigenen Hauptstadt Kopenhagen statt.

Das enge und stimmungsvolle Parken Stadion ist der Ort, an dem während des ersten Spiels gegen Finnland (0:1) der dänische Spielmacher Christian Eriksen zusammenbrach. Und auch der Ort, an dem die dänischen Fans ihrer Mannschaft beim Spiel gegen Belgien (1:2) eine hochemotionale Rückkehr bereiteten. Dass Eriksen mittlerweile das Krankenhaus verlassen und gleich danach seine Teamkollegen besucht hat, gab den Dänen noch einmal neue Energie. „Es war genau das, was wir gebraucht haben“, sagte der ehemalige HSV-Profi Christian Nörgaard vom FC Brentford am Wochenende. „Das gibt uns vor dem Russland-Spiel noch einmal einen großen Schub.“

Dänemark braucht einen Sieg

Hinter den bereits für das Achtelfinale qualifizierten Belgiern ist in dieser Gruppe B noch alles möglich. Sollten die Dänen am Montagabend verlieren oder nur Unentschieden spielen, sind sie raus. Sollten sie gewinnen, hängt ihr Weiterkommen von weiteren Faktoren wie dem Parallelspiel zwischen Belgien und Finnland sowie möglicherweise auch den Abschlusstabellen in anderen Gruppen ab.

Am einfachsten wäre es deshalb für Kasper Schmeichel, Simon Kjaer und Co: Sie schlagen Russland mit jedem anderen Ergebnis als 1:0, während Außenseiter Finnland gleichzeitig gegen Tabellenführer Belgien verliert. Dann wäre Dänemark sicher Gruppenzweiter, bräuchte nicht weiter zu rechnen - und müsste nur für das nächste Spiel von Kopenhagen nach Amsterdam umziehen. Bei einem eigenen 1:0-Sieg und einer finnischen Niederlage mit zwei oder mehr Toren Abstand, gilt das gleiche. Selbst als Tabellendritter mit nur drei Punkten könnte der Europameister von 1992 immer noch ins Achtelfinale einziehen - falls sich in den anderen fünf Gruppen am Ende mindestens zwei Drittplatzierte mit einer noch schlechteren Vorrunden-Bilanz finden.

Die dänischen Hoffnungen sind also mathematisch wie auch rein sportlich noch völlig intakt. Denn anders als die Finnen und die Russen haben die Dänen auch nach dem Ausfall von Inter-Star Eriksen noch zahlreiche Spieler im Kader, die ihr Geld in den vier europäischen Top-Ligen verdienen: in England (Christensen, Schmeichel, Höjbjerg), in Deutschland (Delaney, Poulsen), in Spanien (Braithwaite, Wass) und Italien (Kjaer, Maehle).

Das einzige, was Finnen und Russen ihnen voraus haben, ist: Diese beiden Mannschaften können ihr Weiterkommen selbst regeln. Die Dänen brauchen dazu wahrscheinlich fremde Hilfe. „Alles hängt an uns. Wir werden versuchen, niemanden zu enttäuschen“, sagte der russische Spieler Alexander Sobolew. Der finnische Trainer Markku Kanerva sagte am Sonntag im Kern das gleiche - nur deutlich selbstbewusster: „Wir haben morgen das größte Spiel der finnischen Fußball-Geschichte. Der große Traum ist in unseren eigenen Händen.“