DDR-Sportlerin

DDR-Sportlerin: Warum die einst erfolgreichste Reiterin Europas sich Sorgen macht

Halle (Saale) - Die zwölfstündige Tour nach Hoppegarten hat sich am Sonntag dann doch gelohnt. Ein bisschen jedenfalls. Weil Stute Humitas beim Renntag in der Hauptstadt prima in Schwung war. Die Sechsjährige lief in ihrem Rennen auf Platz drei. 890 Euro gab es dafür als Prämie. Den Großteil davon bekommt der Besitzer des ...

Von Christoph Karpe 14.05.2019, 09:00

Die zwölfstündige Tour nach Hoppegarten hat sich am Sonntag dann doch gelohnt. Ein bisschen jedenfalls. Weil Stute Humitas beim Renntag in der Hauptstadt prima in Schwung war. Die Sechsjährige lief in ihrem Rennen auf Platz drei. 890 Euro gab es dafür als Prämie. Den Großteil davon bekommt der Besitzer des Pferdes.

Für Angelika Glodde blieb der feste Satz eines Trainers: zehn Prozent. 89 Euro also - praktisch als Wochenlohn für die Rentnerin. Aber nur diesmal. Denn nicht immer laufen ihre Starter auf dotierten Plätzen ein.

Angelika Glodde: „Ich mache das alles, damit es hier weitergeht“

Jenes kleine monetäre Zubrot ist für die 68-Jährige längst zweitrangig - auch wenn die Rente knapp ist. Angelika Glodde ist Galopp-Trainerin zu allererst aus Leidenschaft. „Ich mache das alles, damit es hier weitergeht“, sagt sie. Was wenig euphorisch klingt. Dabei steht ihr Nachfolger im Job in Halle schon bereit. Glodde und ihre Mitstreiter - sechs Angestellte arbeiten auf der Bahn mit derzeit 28 Pferden (ein Besitzer kommt aus Katar) - fürchten derzeit um die Zukunft des Rennsports in Halle.

Ein Vereinsvertreter geht gerade in der Stadt mit Plänen um, auf den Passendorfer Wiesen Hobby-Reitsport installieren zu wollen. Weil er anderswo abblitzte und ihm das Rennbahn-Areal geeignet vorkommt. Hochtrabende Pläne zu denen Glodde sagt:

„Das alles ist bei uns nicht machbar.“ Die Gründe: zu wenig Platz, Aspekte der Tiergesundheit, Sicherheit von Kindern und, und... Der Galopp-Sport stünde auf der Kippe, sollte der Stadtrat am Mittwoch für das teure Luftschloss des Visionärs votieren. „Beides ist nicht kompatibel“, sagt Angelika Glodde. Ein ähnlicher Versuch in der Vergangenheit ging schon schief.

Glodde organisiert Rennen und managt medizinische Betreuung

Was die Trainerin verwundert: Nach dem verheerenden Hochwasser 2013 wurde die Rennbahn wieder aufgebaut. Mit neun Millionen Euro aus Flutmitteln, etwa zwei Millionen sollen noch für die Gestaltung der Grünflächen fließen. Alles zweckgebunden an den Galoppsport. Das erste Rennen nach Jahren des Wiederaufbaus ist für den Herbst geplant.

„Wir haben jahrelang durchgehalten, damit es hier irgendwann wieder Rennen gibt. Das kann doch jetzt nicht alles umsonst gewesen sein“, sagt Angelika Glodde, deren Arbeitstag auf der Bahn täglich um sechs Uhr beginnt. Nicht nur weil sie als Trainerin gebraucht wird: Sie organisiert Rennen für ihre Pferde und die Jockeys dazu. Sie managt die medizinische Betreuung, die Transporte zu den Bahnen.

Glodde: „Rennpferde sind sensibel“

Wer, wenn nicht sie, weiß wie Pferderennsport funktioniert. Seit 1967, als sie auf der Rennbahn in Halle als Jockey-Lehrling begann, gehört Angelika Glodde zur deutschen Turfszene. 776 Rennen gewann sie als Reiterin. Eine Marke, die in Europa bis heute für Frauen im Galoppsport unerreicht ist. Seit 1995 trainiert die Rekordhalterin Pferde auf den Wiesen. Mitte der 2000er Jahre standen in den Boxen etwa 45 Pferde. Signum hieß der Spitzenrenner, der sogar hochkarätige Listenpreise gewann. „Das war die schönste Zeit“, erinnert sich Glodde.

Heute ist es mühseliger, auch wenn die stressigste Zeit mit dem ganzen Baulärm rings um den Wiederaufbau vorbei ist. Erfolgreich blieben Glodde-Pferde trotzdem. Am 1. Mai lief gerade die Stute Litonya im Leipziger Scheibenholz für die Trainerin den 396. Sieg ein.

„Rennpferde sind sensibel und sie müssen trainiert werden wie Leichtathleten“, sagt Glodde. „Aber der Job geht von Montag bis Sonntag. Wir müssen ja ständig reisen. Einst gab es bei uns in Halle mindesten zehn Renntage pro Jahr“, sagt die Unverwüstliche. Klar wünscht sie sich, dass diese Zeiten auf der frisch aufgebauten Bahn wieder kommen. Wenigstens ansatzweise. Die politischen Geplänkel über die künftige Nutzung des Areals entmutigen sie nicht. „Ich setze auf die Vernunft“, sagt sie. (mz)