Halles Box-Hoffnungen

Argishti Terteryan und Ornella Wahner: Mit langem Atem zu Olympia 2020

Halle (Saale) - Geduldig sein, darin hat Argishti Terteryan Übung. Zuletzt wartete der Boxer auf ein Signal von den Auswahltrainern. Am Samstag endlich erhielt der Hallenser die Einladung zum nationalen Olympiaausscheid ab 18. Dezember in Kienbaum. Fast ein Jahr lang hatte der 21-Jährige zuvor nicht gekämpft, weil ihm der deutsche Pass fehlte. Den Kampf um seine Einbürgerung hatte der erst in Schönebeck und dann in Halle aufgewachsene Sportler mit armenischen Wurzeln im Sommer dann endlich gewonnen. Anfang November sicherte er sich prompt den deutschen ...

Von Petra Szag 05.12.2019, 12:39

Geduldig sein, darin hat Argishti Terteryan Übung. Zuletzt wartete der Boxer auf ein Signal von den Auswahltrainern. Am Samstag endlich erhielt der Hallenser die Einladung zum nationalen Olympiaausscheid ab 18. Dezember in Kienbaum. Fast ein Jahr lang hatte der 21-Jährige zuvor nicht gekämpft, weil ihm der deutsche Pass fehlte. Den Kampf um seine Einbürgerung hatte der erst in Schönebeck und dann in Halle aufgewachsene Sportler mit armenischen Wurzeln im Sommer dann endlich gewonnen. Anfang November sicherte er sich prompt den deutschen U-22-Meistertitel.

„Terteryan hat damit gezeigt, dass er unser Mann für die Zukunft ist, an dem sich auch die Jungen orientieren können“, sagt Roland Wandelt, Präsident des Landesboxverbandes. Die Chance, nächstes Jahr in Tokio für Sachsen-Anhalt zu punkten, ist bei den Frauen sogar noch um vieles größer.

Denn mit der gebürtigen Dresdnerin Ornella Wahner, die in Schwerin trainiert, greift bei dem Qualifikationsturnier in Kienbaum eine Weltmeisterin im Trikot des SKC Tabea Halle an. Auch wenn die 26-Jährige kein Eigengewächs ist, als Vorbild eignet sie sich hervorragend.

Wahner und Terteryan als Vorbilder für Boxsport in Sachsen-Anhalt

Wahner und Terteryan sollen helfen, das angekratzte Image der Sachsen-Anhalt-Boxer wieder aufzupolieren. Die letzte Medaille bei einer WM holte Steffen Kretschmann 2003 in Bangkok mit Bronze. Zuletzt schlugen mit Steven Küchler und Norman Schuster 2000 in Sydney hallesche Faustkämpfer bei Olympia ihre Geraden und Haken.

Keine Erfolge, weniger Förderung. Das macht es schwierig, Trainer, Wettkampfreisen oder Vorbereitungscamps zu finanzieren. Aus diesem Teufelskreis wollen die Boxer ausbrechen. Um auch für 2024 und später olympiataugliche Athleten hervorzubringen, braucht es breit aufgestellte Nachwuchsgruppen. Zusammen mit seinen Mitstreitern in der Verbandsspitze versucht Wandelt die Zusammenarbeit mit Vereinen in Görzig, Bitterfeld, Bernburg, Merseburg, Stendal oder Halle weiter voranzutreiben, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Im September, so erzählt der Präsident, habe es eine erste Sichtung von 40 Talenten gegeben. Die besten von ihnen werden sich am 14. Dezember zu weiteren Tests in Halle vorstellen. „Unser Ziel ist es, zehn Jungen und Mädchen zum nächsten Schuljahr an die Eliteschule des Sports zu bringen“, sagt Wandelt.

Bernd Miertsch und Marcel Herfurth arbeiten als Trainer

Bei der Aufbauarbeit helfen mittlerweile auch einst erfolgreiche Boxer. Der frühere Juniorenvizeweltmeister Bernd Miertsch ist nun Trainer des Landessportbundes und betreut Kämpfer wie Terteryan. Beim SV Halle kümmert sich der WM-erfahrene Marcel Herfurth um den Nachwuchs.

Um den Talenten den Weg in die Spitze zu ebnen, so findet Wandelt, brauchen diese auch den Vergleich mit den Besten. Beim ersten „Next-Generation-Cup“ vergangenes Wochenende in Landsberg maßen sich die Nachwuchsboxer Sachsen-Anhalts mit denen, die in ihrer Altersklasse bundesweit das Nonplusultra darstellen.

„In den über 100 Kämpfen haben unsere Athleten in nahezu allen Altersklassen gezeigt, dass sie mithalten können“, sagt Wandelt. Eine Einschätzung, der Hardy Gnewuch zustimmt. „Wir haben ein paar gute Talente und engagierte Trainer“, findet Halles Leistungssportchef am Olympiastützpunkt Sachsen-Anhalt. Doch er weiß auch: „Vor den Boxern liegt noch ein langer Weg.“

Halle kämpft weiter um den Chemiepokal

Wenn es nach den Sachsen-Anhaltern geht, dann sollen die Jungen zukünftig auch wieder beim Chemiepokal Erfahrungen sammeln. Nach wie vor ist Wandelt bemüht, mit dem Deutschen Verband zu sprechen, der das Traditionsturnier in Halle 2018 aus seinem Wettkampfkalender gestrichen hatte.

Halles Olympiahoffnungen Wahner und Terteryan haben sich einst beim Chemiepokal auch internationale Meriten verdient. Jetzt aber müssen sie sich beim nationalen Ausscheid durchsetzen und damit das Startrecht erwerben für das EM-Qualifikationsturnier im März in London. Eine zweite Chance gibt es dann noch zwei Monate später beim Weltturnier in Paris. (mz)