Verband reicht Klage ein

Chemiepokal soll in Halle eine Zukunft haben - Verband klagt vor Gericht

Halle (Saale) - Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde: Im Streit des Deutschen Boxsportverbandes (DBV) mit dem des Landes Sachsen-Anhalt um den Chemiepokal droht nun auch juristischer Ärger.

Von Petra Szag 26.04.2019, 14:41

Der Schlagabtausch geht in die nächste Runde: Im Streit des Deutschen Boxsportverbandes (DBV) mit dem des Landes Sachsen-Anhalt um den Chemiepokal droht nun auch juristischer Ärger.

Es geht um eine Unterlassungserklärung. Und wohl bald auch um eine Auseinandersetzung vor Gericht. „Wir erwarten ein zivilrechtliches Verfahren wegen der Markenrechtsverletzung“, bestätigte Horst-Peter Strickrodt. Der Bielefelder vertritt als Sportanwalt die Sachsen-Anhalter.

Marke Chemiepokal ist geschützt

Der Ärger nahm am Jahresanfang seinen Lauf. Am 22. Januar hatte der Deutsche Boxsportverband (DBV) überraschend mitgeteilt, dass das 50. Chemiepokal-Turnier im April nicht in Halle ausgetragen wird. DBV-Präsident Jürgen Kyas führte als Grund Kürzungen der Fördergelder ins Feld.

Das Land Sachsen-Anhalt hatte zugesichert, wieder 50.000 Euro zu geben. Dem Antrag auf Aufstockung um weitere 30.000 Euro wurde nicht entsprochen. Lotto wiederum als zweiter großer Geldgeber bestätigte den Zuschuss von 30.000 Euro. 2018 hatte die Lotto-Gesellschaft einmalig 15.000 draufgelegt, weil die Rückkehr der Kubaner die Kosten explodieren ließ. Der Nachschlag wurde trotz erneuter Anfrage diesmal nicht gewährt.

Nachfolge-Turnier in Köln soll nicht „Chemie“ heißen

Insgesamt zu wenig, erklärte Kyas. Um ohne Minus aus dem Turnier rausgehen zu können, waren 230.000 Euro nötig. Am 18. Februar präsentierte der DBV Köln als neuen, finanzträchtigeren Austragungsort. Den weltbekannten Turniernamen wollten die Verantwortlichen ursprünglich offenbar mitnehmen. Die Einladung zum Turnier „Chemistry Cologna Worldcup of Olympic Boxing“ Anfang Februar jedenfalls erfolgte nach Köln.

Er war der Speck, mit dem die Weltklasse geködert werden sollte. Dagegen haben die Sachsen-Anhalter um Landespräsident Roland Wandelt interveniert, die sich die Rechte an der Marke 2003 beim Patentamt in München hatten schützen lassen. „Wir werden alles daransetzen, den Chemiepokal bei uns fortzuführen“, begründete Wandelt diesen Schritt.

Der DBV konterte, beantragte beim Patentamt daraufhin die Streichung der Marke wegen Nichtnutzung. „Wir haben Beweise zusammengestellt, dass wir den Namen in der Vergangenheit in Wort und Bild genutzt haben“, erklärte dazu Strickrodt. Das soll auch in Zukunft so sein.

Wandelt und seine Mitstreiter diskutieren gerade darüber, wann und in welcher Form der Chemiepokal in Halle doch noch ausgetragen werden kann. Spricht mit potenziellen Sponsoren. Der Promoter des Magdeburger SES-Boxstalls Ulf Steinforth beispielsweise hat Hilfe signalisiert.

Box-Turnier Cologne-Cup vor Fortsetzung

Und dennoch: Die Fronten scheinen verhärtet. Der erwartete Zivilrechtsstreit wird die Situation zweifellos noch verschärfen. Immerhin wird es hier laut Strickrodt um einen Streitwert von 100.000 Euro gehen. Eine Summe, die den Verlierer dieser juristischen Auseinandersetzung finanziell in arge Schwierigkeiten bringen könnte.

Eines ist allerdings auch klar: Ohne den Spitzenfachverband wird in Halle kein internationales Boxturnier durchgeführt werden können, das schreiben die Regularien nun mal so vor. Und ehrlich, was wäre ein Top-Turnier ohne die besten deutschen Boxer, also Lokalmatadore?

Die Köln-Premiere - dann doch nur als Cologne Worldcup ausgetragen - war laut Kyas übrigens ein Erfolg. Weil das Land Nordrhein-Westfalen 100 000 Euro gab und die Stadt Köln 50.000 sowie dank privater Sponsoren wird der Verband keine Verluste schreiben.

Streit um Chemiepokal: Gehen die Parteien doch noch aufeinander zu?

Und da die Resonanz hoch war mit 173 Boxern und erstmals Boxerinnen, wolle man 2020 das Turnier sogar noch erweitern, aus der alten Sporthalle in eine größere umziehen, die Vorrunde dann vielleicht sogar in zwei Ringen auskämpfen lassen. Alle Partner seien bereit, diesen Weg mit zu finanzieren.

Das klingt tatsächlich nicht nach einer Rückbesinnung auf Halle. Einem zweiten Turnier von Weltformat auf deutschem Boden würde Kyas sich nicht von vornherein verschließen, „falls“, so sagte er, „die Finanzierung gesichert ist“. Und man aufeinander zugehe, miteinander rede.

Den Vorwurf der mangelnden Kommunikation machen auch Strickrodt und Wandelt dem DBV. Keine gute Ausgangslage also für eine gütliche Einigung. Und egal, wie der Streit ausgeht - Blessuren werden am Ende wohl alle Beteiligten davontragen. (mz)