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Andreas Wank Andreas Wank: Wie Sachsen-Anhalts Skisprung-Star seine Karriere bewertet

Von Fabian Wölfling 26.07.2019, 10:44
2014 gewann Andreas Wank mit dem Team Olympia-Gold.
2014 gewann Andreas Wank mit dem Team Olympia-Gold. imago/Simon

Hinterzarten/Halle (Saale) - Einen Skisprung-Olympiasieger aus Sachsen-Anhalt? Ja, den gibt es. 2014 gewann Andreas Wank, der aus Domnitz im Saalekreis stammt und beim SFV Rothenburg mit dem Sport begann, im Teamwettbewerb Gold in Sotschi. Dazu hat der heute 31-Jährige Teamsilber bei Olympia 2010, der Skisprung-WM 2013 und der Skiflug-WM 2012 geholt und als Einzelspringer 2012 den Gesamtsieg im Sommer-Grand-Prix. Vor zwei Wochen gab Wank nun aber sein Karriereende bekannt. Er arbeitet künftig als Teil des deutschen Trainerteams. Beim Sommer-Grand-Prix in Hinterzarten, seiner Wahlheimat, wird Wank am Samstag seinen letzten Sprung absolvieren. MZ-Redakteur Fabian Wölfling sprach mit ihm über den bevorstehenden Abschied, seinen besonderen Karriereweg und die Pläne für die Zukunft.

Herr Wank, wie geht man den letzten Karriere-Sprung an?

Andreas Wank: Ganz entspannt. Ich bin am Wochenende normal als Trainer tätig, werde daher zwischen erstem und zweitem Durchgang meinen Sprung machen. Ich will einfach den Moment auskosten, oben auf dem Balken zu sitzen und zu wissen, dass es mein letzter Sprung ist.

Haben Sie irgendetwas Besonderes geplant, eine Verkleidung vielleicht?

Im Skisprung ist das nicht einfach, da könnte ich mir maximal eine Krawatte umbinden (lacht). Aber ich will vor allem noch einmal die Geschwindigkeit, das Fluggefühl genießen. Da würde ein Kostüm nur stören. Zumal Skispringen eine schöne Sportart ist, die es verdient, ernsthaft wahrgenommen zu werden und entsprechend ernsthaft möchte ich auch diesen Sprung machen.

Was wird Ihnen durch den Kopf gehen, wenn Sie ein letztes Mal vom Schanzentisch hinab ins Tal schauen?

Das werden gemischte Gefühle, denke ich. Einerseits werde ich die Situation genießen. Andererseits werde ich ein tränendes Herz haben, weil danach wirklich Schluss ist. Denn ich werde nicht hobbymäßig weiterspringen, dafür ist Skispringen zu risikobehaftet, da sollte man schon im Training stehen. Aber es ist wichtig für mich, dass ich jetzt einen Haken setze, um mich danach voll auf das Trainerdasein konzentrieren zu können.

Es wird der letzte von Tausenden Sprüngen sein, viele davon waren sehr erfolgreich. Wenn Sie zurückblicken, was war der Höhepunkt Ihrer Karriere?

Das kann ich gar nicht wirklich sagen. Gold und Silber bei Olympia waren natürlich wichtig, aber auch die Silbermedaillen bei der Weltmeisterschaft und der Skiflug-WM. Als Einzelsportler war auch der Sieg im Sommer-Grand-Prix sehr viel wert. Also, sportlich könnte ich kein Highlight auswählen. Aber das Erlebnis Olympia war schon besonders. Generell, so viele tolle und einzigartige Momente im Kreis der Athleten erlebt haben zu dürfen - das waren ganz besondere Emotionen, die ich nicht missen möchte.

Trotz aller Erfolge haben Sie in Ihrer Rücktrittserklärung geschrieben, dass Sie nicht alle selbst gesteckten Ziele erreichen konnten. Was konkret?

Ich wollte auf jeden Fall einen Weltcup-Sieg. Ich hatte auch dreimal die Gelegenheit dazu, habe es dann aber im entscheidenden Moment nicht ganz hinbekommen. Deshalb fehlt mir das ganz große Einzelergebnis, ein Weltcup-Sieg oder eine Einzelmedaille bei Olympia oder einer WM. Aber es ist trotzdem vieles in Erfüllung gegangen, was ich am Anfang meiner Karriere nie erwartet hätte, das sollte man schon wertschätzen. Gerade als Flachlandtiroler, wie ich immer genannt wurde (lacht).

Sie sprechen es an: Ihr Werdegang ist besonders, Sie stammen aus Sachsen-Anhalt, weit weg von den großen Wintersportzentren. Stolz, dass Sie trotzdem den Weg an die Spitze geschafft haben?

Jeder fängt klein an, ob nun in Sachsen-Anhalt oder anderswo, und es braucht viel Arbeit, viel Glück, und jede Unterstützung, die man kriegen kann. Aber es ist sicherlich schwieriger, wenn du vom flachen Land kommst, wo es keinen Wintersport gibt.

Wie kam es eigentlich zur Entscheidung, jetzt schon ins Trainerlager zu wechseln? Eigentlich wollten Sie doch bis Olympia 2022 springen?

Das stimmt. Und ich habe mich auch sehr gefreut, dass Stefan Horngacher neuer Bundestrainer wurde, weil ich mit ihm als Heimtrainer meine größten Erfolge hatte. Daher habe ich erstmal gesagt, dass ich weiter springen will, als das Angebot vom Verband kam, als Trainer zu arbeiten. Aber nach zwei, drei Wochen auf der Schanze habe ich gemerkt, dass ich mich nicht mehr voll pushen kann, alles nur noch mache, weil es eben gemacht werden muss. Da habe ich realisiert, dass mein Kopf sich bereits für die Trainertätigkeit entschieden hat.

Welche Aufgaben werden Sie im Trainerteam ausfüllen?

Ich werde unter anderem im Athletikbereich arbeiten, da die Athleten mitbetreuen. Dazu bin ich zuständig für die Filmarbeit und das Archivieren. Erstmal möchte ich aber vor allem von den erfahrenen Kollegen lernen – für mich ist das ein großes Privileg.

Werden Sie bei den Weltcupspringen vor Ort sein?

Ja, ich bin die nächsten drei Jahre voll dabei. Das war mir auch wichtig, dass ich fest beim Skisprung bleibe. Und da ich selbst noch nah am aktiven Springen dran bin, kann ich auch gut nachempfinden, wie sich ein Athlet fühlt und daher auch einiges geben. Hoffe ich zumindest (lacht).

›› Der SWR überträgt den Grand Prix in Hinterzarten mit Andreas Wanks finalem Sprung am Samstag ab 18.30 Uhr per Livestream: www.swr.de

(mz)