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French Open in Paris Alexander Zverev: Ein Tennis-Held muss sich beweisen

Von Frank Nägele 25.05.2018, 10:07
Mitfavorit bei den French Open: Alexander Zverev
Mitfavorit bei den French Open: Alexander Zverev dpa

Köln - Wenn Alexander Zverev den Tennisplatz betritt, sind immer alle Augen auf ihn gerichtet. Das macht die Erscheinung. Es ist schwer, den 21-Jährigen zu beschreiben, ohne dabei in verdächtige Heldendarstellung abzugleiten. Zverev ist 1,98 Meter groß, ohne ein Gramm Fett 90 Kilo schwer. Seine wilde blonde Mähne kann nur durch ein Stirnband gebändigt werden. Wenn ein Lächeln über das Gesicht mit den hohen Wangenknochen huscht,  zeigen sich markante Eckzähne.  Zverevs Bewegungen sind geschmeidig, seine Schläge habe Präzision und Wucht. Er ist der beste junge Tennisspieler des Planeten. Logisch wäre, wenn er demnächst der Beste sein würde, denn vor ihm weist die gnadenlose Weltrangliste die Veteranen Rafael Nadal (31) und Roger Federer (36) als Führungsduo ihrer Sportart aus.

Am Sonntag beginnen die offenen französischen Meisterschaften in Paris. Zverev ist hinter Nadal an Nummer zwei gesetzt, weil Federer die Sandplatz-Saison auslässt. Deutschland müsste im Tennis-Fieber liegen. Tut es aber nicht.  Der junge Held, auf dem die nach frischem Blut lechzende Weltsportart Tennis ihre Zukunftshoffnungen gründet, wird im Land seiner Geburt sehr distanziert wahrgenommen.

Zverevs Karriere international geplant

Vermutlich liegt das daran, dass die Karriere des Übertalents international geplant wurde. Als Alexander Sverev hatte es der Vater in Zeiten der Sowjetunion zu einer ordentlichen Karriere gebracht, wenn man bescheidene Maßstäbe anlegt. Der Mann aus Sotschi durfte 16 Mal im Daviscup für sein Land spielen. Im Weltcup-Zirkus gewann er nur drei von 19 offiziellen Spielen und brachte  es auf ein Preisgeld von insgesamt 24.897 Dollar. Als wahre Kraft hinter dem Erfolg des jüngeren Sohnes wird jedoch Mutter Irina vermutet, die einst Nummer 22 der Weltrangliste war. Sie soll den kleinen Sascha schon im Alter von vier Tagen mit auf den Tennisplatz geschleppt haben. Und sie hat ihm die ersten Schläge beigebracht, als er Teil des Tennis-Wanderzirkus geworden war, der sich zunächst vor allem um den älteren Bruder Mischa drehte. „Er hat schon als Kleinkind mit vielen Stars zum Spaß gespielt, hat immer gefragt, ob er ein paar Bälle spielen kann. Mal mit Rafael Nadal, mal mit Roger Federer“, hat Irina Zvereva einmal erzählt, „er ist einfach natürlich in dieses Leben hereingewachsen.“

Das erklärt auch, wie die Karriere des Alexander Zverev junior geplant wurde: Standortunabhängig und vor allem nicht verbunden mit den Befindlichkeiten des deutschen Tennis’, das sich seit dem Ende seiner goldenen Ära Becker/Graf im steten Kampf mit der Vergangenheit befindet. Die Zverevs wurden zu einem mobilen Tennisunternehmen mit Sitz in Monaco, in dem jeder von jedem profitierte. Und keiner hat mehr profitiert als der jüngste Sohn, der den Alltag eines Tennisprofis an der schwankenden Karriere seines um zehn Jahre älteren Bruders Mischa (derzeit Nummer 63 der Welt) betrachten konnte. Die Verschworenheit dieser Gemeinschaft ist Fluch und Segen zugleich. Der Star befindet sich immer im Schoß der Familie und wird gecoacht von seinem Vater. Wenn ihm darüber hinaus jemand sagen will, was es zu verbessern gäbe, wie der sehr auf Disziplin bedachte spanische Top-Trainer Juan-Carlos Ferrero Anfangs des Jahres, dann  wird er vom Clan entlassen.  „Es gibt eigentlich nur zwei Trainer, mit denen ich mir zusätzlich zu meinem Vater eine Zusammenarbeit vorstellen kann“, hat die Nummer drei der Welt neulich gesagt, „das sind Ivan Lendl und Boris Becker. Ich kenne beide lange und vertraue ihnen.“

Acht Turnier und zehn Millionen Dollar Preisgeld gewonnen

In Deutschland wird vor allem wahrgenommen, wenn Alexander Zverev seine Teilnahme am Hamburger Rothenbaum-Turnier verweigert, weil der Untergrund nicht in seinen Terminplan passt. Oder wenn er, wie 2016 nach den Olympischen Spielen, seine Teilnahme am Daviscup absagt.  Seine Zornesausbrüche nach verlorenen Punkten sorgen für Stirnrunzeln. Und die beeindruckende Vita  des Spielers, der mit 21 Jahren bereits acht Turniere und fast zehn Millionen Dollar Preisgeld gewonnen hat, verfehlt die angemessene Wirkung. Mit 21 war Boris Becker schon dreifacher Wimbledon-Sieger und Steffi Graf hatte bereits zehn Grand-Slam-Siege auf dem Konto.

Alexander Zverev hat dagegen noch nicht einmal das Viertelfinale eines der vier größten Turniere des Welttennis’ erreicht. Darin liegt die Bedeutung der French Open. Die Nummer drei der Welt, erfolgreichster Punktesammler des Jahres 2018, muss  nach den Siegen von München und Madrid und dem knapp gegen Rafael Nadal verlorenen Finale von Rom auf der größten Bühne beweisen, dass er  zurecht für einen Helden gehalten wird. Wenn ihm dies gelingt, wird es auch das Land bemerken, dass der Rest der Tennis-Welt um ihn beneidet.