Tod von FCM-Fan Hannes

Toter FCM-Fan Hannes: Job verloren wegen Facebook-Hetze

Magdeburg/Halle/Leipzig - Auch Facebook ist kein rechtsfreier Raum: Ein Mitarbeiter der „DHL Hub Leipzig“ wurde nach einem Hass-Kommentar in dem sozialen Netzwerk gegen den verstorbenen FCM-Fan Hannes offenbar entlassen.

Von Daniel George 01.12.2016, 21:59
Mit diesem Spruchband gedachten die HFC-Fans dem verstorbenen FCM-Fan.
Mit diesem Spruchband gedachten die HFC-Fans dem verstorbenen FCM-Fan. imago sportfotodienst

Auch Facebook ist kein rechtsfreier Raum. Das bekam ein Mitarbeiter der DHL Hub Leipzig nun zu spüren. Nach einem Hass-Kommentar in dem sozialen Netzwerk gegen den verstorbenen FCM-Fan Hannes verlor der junge Mann seinen Job. 

Er habe sich „menschenverachtend über den gewaltsamen tragischen Tod des Fußballfans Hannes ausgelassen“, erklärte die Verdi-Betriebsgruppe der DHL Hub Leipzig GmbH in einer Mitteilung. Dieses Verhalten sei „weder tolerierbar noch entschuldbar“, hieß es weiter.

In einer Sondersitzung habe der Betriebsrat der außerordentlichen Kündigung ausdrücklich zugestimmt. Die Erklärung schloss mit dem Zitat: „Hass ist die Folge geistiger Armut.“

FCM-Fan Hannes starb Anfang Oktober, viele Fragen zu dem Todesfall sind noch offen

Anfang Oktober war Hannes, Anhänger des Drittligisten 1. FC Magdeburg, nach einer Auseinandersetzung mit Fans des Halleschen FC aus einem fahrenden Zug gestürzt und zwei Wochen später verstorben.

Auch zwei Monate nach dem Tod des Fußball-Fans sind wichtige Details noch unbekannt. Die Ermittlungen dauern an. Mitte November erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer knappen Mitteilung, dass der 25-Jährige die Zugtür eigenständig geöffnet habe und aus dem fahrenden Zug gestürzt sei.

„Es gibt keinen neuen Ermittlungsstand“, erklärte ein Sprecher der Polizeidirektion Nord am Donnerstag auf MZ-Nachfrage.

Doch in den sozialen Netzwerken schlägt das Thema weiter hohe Wellen. Am vergangenen Sonnabend trafen FCM und HFC erstmals aufeinander. Magdeburg gewann mit 1:0. Der Bruder des verstorbenen Hannes hielt vor dem Anpfiff eine bewegende Rede und appellierte an die Vernunft der Anhänger.

Er sprach vom Glauben daran, stärker sein zu können als Wut, als Hass und Gewalt. Doch einige haben es noch immer nicht verstanden. „Hoffentlich hatte Hannes schmerzen bevor er verreckt ist und allen FCM fotzen wünsche ich nach diesem unverdienten Sieg das selbe Schicksal TUHDFCM“, schriebt der ehemalige DHL-Mitarbeiter in einer öffentlichen Gruppe von FCM-Fans. „TUHDFCM“ - das steht für „Tod und Hass dem FCM“.

Hetz-Kommentar zum Tod von Hannes wurde auf Facebook von mehreren Personen gemeldet

Mehrere Personen meldeten den Kommentar bei Facebook. Sogar die Mutter von Hannes kommentierte unter dem Post. Wütend schrieb sie, er solle sich an die Familie persönlich wenden oder „einfach sein Mund halten!!!!“. 

Auch an die DHL AG ging von einem empörten Bürger eine Beschwerde per Mail. Medienvertreter, darunter auch die MZ, wurden in Kopie gesetzt. Im Internet kursierten im Anschluss Gerüchte, selbst die Polizei ermittele inzwischen gegen den Hetzer. Dies konnte eine Polizeisprecherin allerdings nicht bestätigen. Der Arbeitgeber des Hetzers war dennoch dem öffentlichen Druck ausgesetzt.

„Respekt und Toleranz sind fester Bestandteil der Unternehmenskultur der Deutsche Post DHL Group, zu der auch die DHL Hub Leipzig GmbH gehört“, erklärte  die Pressestelle der DHL  auf Nachfrage. „Diese Werte sind in einem Verhaltenskodex, dem Code of Conduct, festgehalten und setzen klare ethische Standards für den Konzern und seine Beschäftigten.“

In Bezug auf einzelne Mitarbeiter und generell zu arbeitsrechtlichen Details wolle man sich nicht äußern, hieß es weiter.

Klar ist, dass der Hetzer gegen den Verhaltenskodex  verstoßen hat. Auch wenn er sich später via erneutem Facebook-Post entschuldigte und Einsicht zeigte.