Lehrervergütung Zoff um Streichung von Zulage für angehende Lehrkräfte
Weniger Geld für angehende Grundschullehrkräfte: Die Streichung einer Zulage sorgt für Ärger. Die Gewerkschaft spricht von Betrug, das Ministerium sieht Transparenz gewahrt.

Dresden - Sachsens Kultusministerium streicht wie angekündigt die sogenannte Landprämie für fast alle Referendare und löst damit Unmut bei Betroffenen aus. Während die Streichung für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) „an Betrug grenzt“, verweist das Kultusministerium auf eine rechtzeitige Bekanntmachung der Entscheidung.
Bisher Prämie für Arbeit in ländlichen Regionen
Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst erhalten in Sachsen einen Grundbetrag von 1.795,10 Euro pro Monat (brutto). Wer außerhalb von Dresden und Leipzig ein Referendariat aufnahm, bekam einen Sonderzuschlag von monatlich 1.250 Euro brutto. Die GEW wirft dem Ministerium nun vor, während des laufenden Bewerbungsverfahrens unerwartet mitgeteilt zu haben, dass der Zuschlag für das Grundschullehramt ab sofort wegfalle - nur in der Region Bautzen wird die Landprämie weiter gezahlt.
Angehende Lehrkräfte sehen Vertrauen missbraucht
Die Streichung der Zulage erfolge, obwohl viele angehende Lehrkräfte ihre Entscheidungen über Schulorte, Wohnsitze und familiäre Arrangements im Vertrauen auf diese finanzielle Leistung getroffen hätten, heißt es in einem offenen Brief der Betroffenen an Kultusminister Conrad Clemens (CDU) und den Chef des Landesamtes für Schule und Bildung, Patrick Schreiber.
Kultusministerium sieht Maßnahme erfolgreich
Das Kultusministerium machte geltend, die Entscheidung dazu schon Ende Oktober 2025 offen kommuniziert zu haben. „Jeder Anwärter, der daraufhin seine Stelle ändern wollte, konnte dies tun“, sagte Kultusminister Clemens der Deutschen Presse-Agentur. Die Maßnahme sei erfolgreich. Die Zahl der Referendare in den Bedarfsregionen habe sich verdoppelt.
Lehrkräfte dorthin lenken, wo sie gebraucht werden
„Die Absolventenzahlen im Grundschullehramt sind konstant hoch. Gleichzeitig werden immer weniger Grundschüler eingeschult. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass der Einstellungsbedarf an den Grundschulen in den kommenden Jahren erheblich sinken wird. Deshalb müssen wir Lehrkräfte dort hinsteuern, wo wir sie dringend brauchen: in den Bedarfsregionen Bautzen und Görlitz“, stellte Clemens klar.
GEW-Chef: Betroffene werden im Stich gelassen
GEW-Vorsitzender Burkhard Naumann sah die Betroffenen im Stich gelassen und betrogen. „Die angehenden Grundschullehrkräfte erhalten 40 Prozent weniger Geld, als ihnen zum Zeitpunkt der Bewerbung versprochen wurde. Das grenzt an Betrug.“ Anstatt dringend notwendige Junglehrkräfte zu umwerben, stoße das Ministerium sie noch vor Berufsbeginn vor den Kopf. Dabei sei der Zuschlag dringend nötig, um weite Pendelwege oder einen Umzug zu finanzieren.