1. MZ.de
  2. >
  3. Panorama
  4. >
  5. Gerichtsverfahren: Zeuginnen im Klette-Prozess: Angst ums Baby und ein Trauma

Gerichtsverfahren Zeuginnen im Klette-Prozess: Angst ums Baby und ein Trauma

Zwei Frauen, ein Tresor voller Geld und maskierte Männer: Im Prozess gegen eine Ex-RAF-Terroristin schildern zwei Zeuginnen einen Raubüberfall in Osnabrück. Die Aussagen unterscheiden sich stark.

Von Helen Hoffmann, dpa Aktualisiert: 06.01.2026, 16:33
Die Staatsanwaltschaft wirft der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette und ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zahlreiche Raubüberfälle vor. Vor Gericht ist nun über eine Tat in Osnabrück gesprochen worden.
Die Staatsanwaltschaft wirft der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette und ihren mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub zahlreiche Raubüberfälle vor. Vor Gericht ist nun über eine Tat in Osnabrück gesprochen worden. Focke Strangmann/dpa

Verden - Sie war hochschwanger, als zwei maskierte Männer sie aufforderten, den Tresor zu öffnen. Die Kassenleiterin eines Osnabrücker Supermarktes folgte den Anweisungen und übergab rund 60.000 Euro. „Ich hatte sehr viel Angst“, erinnert sich die Frau rund elf Jahre nach der Tat, als sie vor dem Landgericht Verden befragt wird. Die 42-Jährige ist als Zeugin geladen - im Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette. In dem Gerichtsverfahren geht es um Raubüberfälle in mehreren Bundesländern und eine Beute in Millionenhöhe. 

Um den Überfall am 2. Januar 2015 in Osnabrück aufzuklären, lässt sich das Gericht an diesem Tag die Erinnerungen von zwei Zeuginnen schildern. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Klette den Überfall gemeinsam mit den ehemaligen RAF-Terroristen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub beging. Während die Männer das Kassenbüro überfielen, soll Daniela Klette in einem Auto auf ihre mutmaßlichen Komplizen gewartet und dann mit ihnen geflohen sein. 

Maskierte Männer fordern Geld aus dem Tresor

Ihr sei sofort klar gewesen, dass es ein Überfall ist, sagt die damalige Kassenleiterin und berichtet, wie sie einer Kollegin vom Imbissstand die Tür öffnete und diese plötzlich von zwei maskierten Männern ins Kassenbüro geschubst wurde. Einen geheimen Alarmknopf habe es damals nicht gegeben. 

„Ich habe das gemacht, was sie verlangt haben“, sagt sie über die Täter, die ihre Gesichter mit Tüchern bedeckten. Ihren Bauch versuchte sie unter ihrem Schal zu verstecken, ihr ungeborenes Kind sollte nicht in Gefahr geraten. „Es ging mir nur um mein Baby.“ Vor Aufregung habe sie zunächst den falschen Code eingegeben, kurze Zeit später konnte sie den Tresor aber öffnen.

„Er war nett“, sagt sie über einen Täter

Zum Aussehen der Täter sagt die 42-Jährige: „Sie sahen beide ganz normal aus - nicht wie Schwerverbrecher.“ Auch das Verhalten war demnach anders, als man es erwarten würde. „Es hört sich doof an, aber er war nett“, sagt sie über einen Täter. Der andere sei direkter aufgetreten. „Aber unhöflich oder respektlos war er nicht.“ Nach ihrer Erinnerung waren die beiden dunkel gekleideten Männer rund 50 Jahre alt. 

„Ich war kurz unter Schock, dann habe ich meinen Chef angerufen“, beschreibt sie ihr Verhalten direkt nach dem Überfall. Die Folgen waren demnach nicht gravierend: „Mir ging es gut, weil ich nicht schlecht behandelt worden war“, erklärt sie. Wenige Wochen nach der Tat habe sie ihr Kind zur Welt gebracht und eineinhalb Jahre später wieder gearbeitet. Nun sei sie erneut schwanger - wie zur Zeit des Überfalls vor elf Jahren. 

Zeugin: Er hielt mir Elektroschocker an den Kopf

Die Imbissverkäuferin, die damals von den Tätern ins Kassenbüro geschubst wurde, erlebte die Tat anders. Vor Gericht beschreibt die 56-Jährige den Überfall als massive Bedrohung mit fatalen Folgen für ihr Leben. „Er packte mich sofort an den Schultern und schob mich rein“, erzählt sie. Ein Täter habe ihr einen Elektroschocker an den Kopf gehalten und sie aufgefordert, sich zur Wand zu drehen. Demnach verhielten sich die Männer aggressiv und schrien die Kassenleiterin an. Diese sei nach der Tat zusammengebrochen, habe geweint und gezittert, sagt die Verkäuferin und erinnert die Situation damit komplett anders als ihre damalige Kollegin.

Nach dem Überfall litt die Imbissverkäuferin, die nach eigenen Angaben Autistin ist, unter Panikattacken und konnte ihr Zuhause wochenlang nicht verlassen. Sie brauchte professionelle Hilfe etwa in einer Tagesklinik und konnte monatelang nicht und später nur im Beisein von Kollegen arbeiten. Inzwischen belaste sie die Tat im Alltag nicht mehr, sagt sie. Aber: Der Überfall sei eine traumatische Erfahrung gewesen.