Bahnverkehr im Norden Wo hakt es bei der Bahnstrecke Hannover–Hamburg, Herr Tonne?
Neubau, Kosten, Verantwortung: Die Debatte um die Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg nimmt weiter Fahrt auf. Niedersachsens Verkehrsminister Tonne erhöht den Druck auf Bahn und Bund.

Hannover - In der Debatte um einen Neubau der Bahnstrecke zwischen Hannover und Hamburg kritisiert Niedersachsens Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) die Deutsche Bahn und nimmt den Bund in die Pflicht. „Bisher geben mir weder der Minister noch die Bahn etwas an die Hand, mit dem ich den Menschen sagen kann, wie es besser wird“, sagte er über Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU).
„Wir werden uns nicht damit zufriedengeben, dass sich auf dieser Strecke über Jahrzehnte nichts ändert“, fügte Tonne hinzu. „Das Bundesverkehrsministerium muss die Frage beantworten: Wie wird es besser?“ Niedersachsen habe konkrete Antworten geliefert.
Das plant die Deutsche Bahn
Die Bahn setzt neben einer Generalsanierung auch auf einen Neubau. Kritiker bemängeln unter anderem Eingriffe in die Natur, ein langsames Planungstempo sowie hohe Kosten. Die Baukosten werden derzeit auf rund 8,8 Milliarden Euro geschätzt, könnten jedoch auf bis zu gut 14,1 Milliarden Euro steigen. Das Bundesverkehrsministerium hatte den Entwurf als wirtschaftlich eingeschätzt.
Als frühester Fertigstellungstermin gilt das Jahr 2050. Die Bahn hält den Neubau für notwendig, um der wachsenden Nachfrage im Personen- und Güterverkehr gerecht zu werden. Die Strecke Hannover–Hamburg zählt nach ihren Angaben zu den unpünktlichsten in Deutschland: Täglich nutzen demnach rund 245 Züge eine Infrastruktur, die lediglich für etwa 185 Züge ausgelegt ist.
Auch die Städte Hamburg, Hannover und Lüneburg sowie der Landkreis Lüneburg haben sich gemeinsam klar für einen Neubau ausgesprochen.
Minister: „Ist für mich nicht akzeptabel“
Tonne stellt indes die finanzielle Grundlage infrage. Die stark voneinander abweichenden Kostenannahmen erlaubten aus seiner Sicht keine verlässlichen Entscheidungen. „So kann man keine seriöse Wirtschaftlichkeitsbewertung vornehmen“, sagte der Minister. Er sei „weit davon entfernt, zu glauben, dass der Neubau so umgesetzt werden kann“.
Zudem kritisierte der SPD-Politiker die zeitliche Planung des Projekts. Der Neubau greife zu spät, um bestehende Probleme auf der Strecke zu lösen. „Eine Lösung, die erst ab 2050 greift, ist für mich nicht akzeptabel“, sagte Tonne. „Auf die Frage, was kurzfristig hilft, ist uns die Bahn bislang eine Antwort schuldig geblieben.“ Es gebe derzeit keine sachgerechte Kommunikation seitens der Bahn auf Bundesebene.
Bundestag befasst sich mit Neubauplan
Unklar sei deshalb auch, wie es mit der Strecke konkret weitergehe. „Die Frage, was mit dieser Strecke passiert, können wir nicht beantworten“, sagte Tonne. „Diese Gleise gehören der Bahn, es ist ihre Verantwortung.“ Das Land Niedersachsen könne lediglich Hinweise geben.
Die Bahn verweist auf die parlamentarische Befassung. Nun sei der Bundestag am Zug, der über Umsetzung und Finanzierung entscheiden müsse. Tonne kritisierte in diesem Zusammenhang die Rolle von Bundesverkehrsminister Schnieder. Er hätte sich eine klare Positionierung gewünscht. „Das wäre seine Verantwortung gewesen“, sagte er.
Wichtig sei, die Debatte nicht auf Neubau oder Ertüchtigung im Bestand zu verengen, sondern rasch wirksame Schritte einzuleiten.