Tarifkonflikt Warnstreik legt Nahverkehr in Sachsen teilweise lahm
In vier sächsischen Städten stehen Busse und Straßenbahnen größtenteils still. Grund ist ein Warnstreik der Gewerkschaft Verdi. Auch am Uniklinikum in Leipzig legen Beschäftigte ihre Arbeit nieder.

Leipzig - Der öffentliche Nahverkehr ist in mehreren sächsischen Städten wegen eines Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi zum Erliegen gekommen. In Dresden, Chemnitz, Leipzig und Zwickau sei der Arbeitskampf am Montagmorgen wie geplant angelaufen, bestätigten Verdi-Sprecher Max Stryczek und Lou Hauser sowie Verdi-Verhandlungsführer Paul Schmidt der Deutschen Presse-Agentur.
In allen vier Städten stehen Busse und Bahnen größtenteils still. Einige Linien, die zum Teil von nicht bestreikten Unternehmen betrieben werden, sind jedoch ganz oder teilweise unterwegs. In Chemnitz fährt etwa die City-Bahn Chemnitz komplett laut Fahrplan. Auch in Zwickau verkehren mehrere Linien fahrplanmäßig.
In Dresden entfallen alle Straßenbahnen, während auf vielen Buslinien der Fahrplan teilweise oder sogar komplett eingehalten wird. In Leipzig finden einzelne Verbindungen im Rahmen eines kurzfristig organisierten Notfallplans statt. Die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) empfehlen, die Verbindungsauskunft online zu überprüfen.
Regulär unterwegs sind in ganz Sachsen die S-Bahnen und der regionale Zugverkehr, da sie vom Ausstand nicht betroffen sind. Auch Regionalbusse werden nicht bestreikt.
Warnstreiks auch im Uniklinikum Leipzig
Parallel dazu hat Verdi auch im Öffentlichen Dienst zu Warnstreiks aufgerufen. Davon ist auch das Universitätsklinikum Leipzig (UKL) betroffen. Auswirkungen gibt es laut UKL bei planbaren Behandlungen, Patienten werden bei Terminänderungen informiert. In Ambulanzen und Diagnostikbereichen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Bereits in den vergangenen beiden Wochen hatten die Beschäftigten von UKL, Hochschulen und Landesdienststellen protestiert.
Für Dienstag hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zudem an einzelnen Schulen in Sachsen zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Die betroffenen Schulen und Eltern sind laut GEW bereits informiert. Die Aktion schließt sich an eine Protestwelle an, an der sich vom 21. bis 28. Januar Lehrkräfte, Schulassistenten und pädagogischen Fachkräfte im ganzen Freistaat beteiligten.
Verdi: „Frontalangriff auf die Beschäftigten“
Für die Beschäftigten im Nahverkehr fordert Verdi eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die Gehälter sollen um 300 Euro steigen, bei Auszubildenden um 150 Euro. Zusätzlich soll die Zeit zwischen den Schichten auf 12 Stunden ununterbrochene Ruhezeit verlängert werden. Im öffentlichen Dienst geht es der Gewerkschaft um eine Erhöhung der Gehälter um sieben Prozent, mindestens jedoch um 300 Euro monatlich.
Verdi wirft den Arbeitgebern vor, sie verlangten massive Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen. Dazu zähle unter anderem eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich. „Dieses Verhalten der Arbeitgeber ist mehr als eine Provokation: Es ist ein Frontalangriff auf die eigenen Beschäftigten“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Schmidt. Die vorliegenden Forderungen bedeuteten nicht nur eine deutliche Mehrbelastung, sondern faktisch auch eine Lohnkürzung.
Arbeitgeber warnt vor finanziellen Risiken und Leistungskürzungen
Die Arbeitgeberseite verweist hingegen auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Nahverkehrsunternehmen. Das Forderungspaket von Verdi bedeute eine Kostensteigerung von rund zwölf Prozent, teilte der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Sachsen mit. Hinzu kämen bereits vereinbarte Tariferhöhungen von 2,8 Prozent zum 1. Mai 2026. In den vergangenen Tarifrunden seit 2022 seien die Tabellenentgelte bereits um 30 bis 40 Prozent gestiegen.
Für „produktivitätsbeeinträchtigende Forderungen“ sehe man in der aktuellen Tarifrunde keinen Spielraum, erklärte der KAV. Die Arbeitgeber hätten deshalb ein Positionspapier vorgelegt, das unter anderem eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden, Einschnitte bei Urlaub und Zuschlägen sowie den Wegfall des Krankengeldzuschusses vorsieht, um Arbeitsplätze zu sichern und die Produktivität zu steigern.
Weitere Verhandlungstermine zwischen Verdi und dem KAV Sachsen sind im Februar und März angesetzt.