Walter Kohl über die Kanzlerin

Walter Kohl über die Kanzlerin: „Frau Merkel hat Anteil am Tod meiner Mutter”

Er äußerte sich gegenüber der „Zeit” auch über seinen Vater, den Altkanzler Helmut Kohl und über die CDU-Spendenaffäre.

Von Daniela Vates 22.02.2017, 14:53

Es ist nicht nur irgendein Satz, es ist ein Vorwurf, der tief geht: „Für mich hat Frau Merkel einen nicht unerheblichen Anteil am Tod meiner Mutter.“ Gesagt hat den Satz Walter Kohl, der Sohn von Altkanzler Helmut Kohl, in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Der Tod seiner Mutter löste bei Walter Kohl eine tiefe Krise aus

Folgt man der Darstellung des 53-Jährigen, hat die Kanzlerin also einen Menschen auf dem Gewissen, einen ganz konkreten. Hannelore Kohl, die unter einer Lichtallergie litt, hatte sich 2001 das Leben genommen.

Walter Kohl, bei dem der Tod seiner Mutter eine tiefe Lebenskrise auslöste, hatte in den vergangenen Jahren auch seinem Vater Schuld am Tod der Mutter gegeben. Der Kontakt zwischen Helmut Kohl und seinen beiden Söhnen ist abgebrochen.

Walter Kohl holt nun gegen Merkel aus und erklärt seinen Vorwurf ausführlich: Diese habe in der CDU-Spendenaffäre, die 1999 begann und deren zentrale Figur Helmut Kohl war, keine Rücksicht auf die Familie Kohl genommen. Merkel habe „im Machtkampf in der CDU das Leid meiner Mutter einfach als Kollateralschaden hingenommen.“

Sie sei mit Hannelore Kohl befreundet gewesen, habe gewusst dass diese schwer krank war und dennoch zu keinem Zeitpunkt gesagt: „Lasst die Familie aus dem Spiel.“ Merkel hatte als damalige CDU-Generalsekretärin in einer von der Affäre und von der vorherigen Niederlage bei der Bundestagswahl gelähmten Partei die Initiative ergriffen und in einem offenen Brief in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gefordert, die CDU müsse sich von Kohl emanzipieren.

Helmut Kohl hatte Spendengelder verschwiegen

Kohl hatte nicht nur den Erhalt von Spenden in Höhe von über zwei Millionen Mark an die CDU verschwiegen, sondern weigerte sich nach Bekanntwerden auch, den Namen der Geldgeber zu nennen. Zu beiden wäre er gesetzlich verpflichtet gewesen.

Walter Kohl sagt, sein Vater habe „wahrlich viel dafür getan, dass die Spendenaffäre eskaliert ist“. Aber Merkel habe sich eben auch schäbig verhalten. „Als Politikprofi wusste Frau Merkel, dass sie eine Lawine lostritt, die unsere Mutter und unsere Familie schwer beschädigen würde.“

Seine Mutter habe durch die Affäre das Gesicht verloren, weil man ihr Mitwissen unterstellt habe. „Sie wurde zur Unperson.“ Merkel sei mit Hannelore Kohl befreundet gewesen, die ihr zu Anfang ihrer politischen Karriere nach der Wiedervereinigung sehr geholfen habe.

Merkel habe erst die politischen Spielregeln lernen müssen, und auch Nachhilfe bei „eher weiblichen Themen“ gebraucht, in Kleiderfragen zum Beispiel. „Meine Mutter hat diesen Verrat an ihrer Freundschaft nie verkraftet.“ Als sie persönlich einmal Schutz gebraucht habe, sei sie von Merkel fallen gelassen worden.

Walter Kohl distanziert sich auch politisch von Merkel

Auch politisch distanziert sich der Volkswirt, der eine Automobilzulieferfirma leitet und als Coach arbeitet, von der Kanzlerin. „Seit Frau Merkel im Kanzleramt sitzt, wird nicht gestaltet, sondern nur noch reagiert, herumgewurstelt“, findet er.

Auch sein Vater kommt nicht gut weg. „Wirtschaftspolitik war leider nie sein Thema“, bedauert Sohn Kohl. Er sei von inkompetenten und überforderten Beratern umgeben  gewesen und habe störende Fakten „schnell mal weggewischt“.

Eine Wahlempfehlung gibt Sohn Kohl nicht. Nur eine Nicht-Wahl-Empfehlung: Die AfD sei für ihn indiskutabel. Sie bereite „den Boden für Hetze und Hass, ihre Rhetorik ist in weiten Teilen menschenverachtend“ und damit „eine Schande für den Gedanken des Patriotismus“.