USA

USA: Wenn Sie Ihr Haustier heiraten möchten, sind Sie hier richtig

Washington/Baltimore/dpa. - BuntesKonfetti, künstliche Rosen und blinkende Lichterketten bildeten imMusikclub «Ottobar» in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) dieKulisse für die skurrile Hochzeitszeremonie, bei der neben Sandersonsieben andere Haustierbesitzer ihre vierbeinigen (in einem Fallachtbeinigen) Lieblinge vor den «Traualtar» ...

Von Henriette Preiß 06.09.2006, 09:35
Szene aus dem Kinofilm «Deine, meine und unsere». In den USA nehmen viele Amerikaner ihre Tiere nicht nur mit ins Bett, sondern führen sie auch vor den Traualtar. (Foto: dpa)
Szene aus dem Kinofilm «Deine, meine und unsere». In den USA nehmen viele Amerikaner ihre Tiere nicht nur mit ins Bett, sondern führen sie auch vor den Traualtar. (Foto: dpa) Sony Pictures

BuntesKonfetti, künstliche Rosen und blinkende Lichterketten bildeten imMusikclub «Ottobar» in Baltimore (US-Bundesstaat Maryland) dieKulisse für die skurrile Hochzeitszeremonie, bei der neben Sandersonsieben andere Haustierbesitzer ihre vierbeinigen (in einem Fallachtbeinigen) Lieblinge vor den «Traualtar» führten.

Es hatte als Schnapsidee begonnen und wurde schließlich zurhollywoodreifen Aufführung. Aber das absurde Spektakel warf auch einSchlaglicht auf Probleme und Konflikte in den USA - wie die wachsendeVereinsamung in einer Single-Gesellschaft, die maßlose Verhätschelungvon Haustieren oder auch die Frage über gesellschaftlich verbindlicheWerte und Rechte von Minderheiten.

Sanderson selbst spannte den Bogen zur aktuellen und erbittertgeführten Debatte über die Homo-Ehe. Jeder sollte heiraten dürfen,wen er halt liebe, argumentierte der schwergewichtige, etwa 40 Jahrealte Mann, der im Schottenrock zu seiner animalischen Eheschließungerschienen war. «Ich war drei Mal verheiratet, aber niemand steht mireigentlich näher als mein Hund.» Mit Sodomie hätte dies aberüberhaupt nichts zu tun.

Ganz anders sieht das natürlich die religiös-konservative Rechtein den USA, die seit langem gegen die Homo-Ehe kämpft und der erstrecht eine Verbindung zwischen Mensch und Tier ein Dorn im Auge ist.Die Homo-Ehe öffne Tür und Tor für alle möglichen Formen von «Ehen»,so die populären TV-Prediger Jerry Falwell oder Pat Robertson. Dieskurrile Szenerie in Baltimore belegt für sie wohl die Horrorvisioneiner aus den Fugen geratenen Gesellschaft ohne gemeinsame Werte, dieniemandem mehr, vor allem nicht Kindern und Jugendlichen, Halt undOrientierung bieten könne. «Wenn wir gleichgeschlechtliche Ehenzulassen, was kommt als nächstes? Sollen wir denen, die ihre Tierelieben, erlauben, sie zu heiraten?», wetterte schon 2003 derJustizminister Nebraskas, Jon Bruning.

Nun wurde sein Albtraum fast Wirklichkeit, wenngleich der arten-fremde Treueschwur vor dem Gesetz keinerlei Gültigkeit hat. DreiHunde, zwei Katzen, eine Tarantel und eine Schildkröte wurden in der«Ottobar» mit ihren Herrchen und Frauchen vermählt. Der glücklicheGatte der Promenadenmischung Mickey gab jedoch zu, dass seinerschwanzwedelnden «Braut» ein Ja, nicht mal in vage gebellter Form, zuentlocken gewesen sei. Beatles-Aufnahmen, gebellt von Hunden,bildeten den akustischen Rahmen, als die «Ehepaare» im Schlepptaueines Blumenmädchens vor Barbesitzer Mike Bowen traten. Er war zuvorübers Internet von der «Universal Life Church» zum «Priester» ernanntworden. «Es war rührend, wie eng die Leute mit ihren Tieren verbundensind», meinte etwas melodramatisch der Tresenchef, gekleidet inschwarzer Robe und mit langem, weißen Schal.

Ursprünglich sollte es bloß eine spaßige Hochzeitsfeier für eineBekannte sein, die nicht aufhören wollte, in höchsten Tönen von ihrerKatze «Emilio» zu schwärmen. Als das bekannt wurde, fanden sichplötzlich immer mehr, die ihre tierischen Lebenspartner ehelichenwollten. So auch Fionnuala Fox, die frisch von ihrem (zweibeinigen)Freund getrennt, im weißen Brautkleid Chihuahua «Chachi» ewige Treueschwor. «Das hier ist meine Chance, wenigstens einmal im Leben zuheiraten», meinte sie sichtlich verbittert. Geoff Danek ehelichte -gekleidet in einen hautengen Tauchanzug und mit Taucherbrille - seineSchildkröte «Randy». «Wir sind schon zusammen durch Himmel und Höllegegangen», begründete er seine Entscheidung für die Kröte.