Blasmusik in Bangkok

Traditionslokal „Bei Otto“ wagt den Neustart

Wer in Bangkok Pommes mit Currywurst essen möchte, geht seit 40 Jahren zum Traditionslokal „Bei Otto“. Das deutsche Ambiente lockt auch Promis und Prinzessinnen.

Von Carola Frentzen, dpa 16.10.2021, 12:19 • Aktualisiert: 30.10.2021, 17:15
Kevyn Michel (l.), Besitzer des Traditionslokals „Bei Otto“, und der deutsche Auswanderer Hermann Quint auf der Außenterrasse der neuen Wirtschaft direkt am Kanal.
Kevyn Michel (l.), Besitzer des Traditionslokals „Bei Otto“, und der deutsche Auswanderer Hermann Quint auf der Außenterrasse der neuen Wirtschaft direkt am Kanal. Carola Frentzen/dpa

Bangkok - Rustikale Holzbänke, blau-weiß karierte Tischdecken, Weißbier und ein Besitzer in Lederhosen: Wären da nicht die Palmen und das tropisch-heiße Klima, Besucher könnten fast vergessen, dass sie sich in Bangkok befinden.

„Bei Otto“ begeistert seit 37 Jahren nicht nur deutsche Expats, sondern auch Thais, Japaner und Chinesen mit Vorliebe für Dirndl und Weißwurst. „Wir sind mehr als ein Restaurant, wir sind in Bangkok eine Institution“, sagt der heutige Besitzer Kevyn Michel. Jahrzehnte brummte der Laden im geschäftigen Sukhumvit-Viertel. Ausgerechnet inmitten der Corona-Pandemie musste das Lokal nun umziehen - und wagt an anderer Stelle den Neustart.

Bierkrüge und Stammtische

Der Umzug war sogar zahlreichen Medien in der Mega-Metropole eine Notiz wert. Das Magazin „Time Out“ sprach von „schockierenden Nachrichten“ für Feinschmecker in Sukhumvit. Dabei ist das neue „Bei Otto“ gar nicht so weit weg: Vor wenigen Tagen hat es etwas weiter nördlich in der Phetchaburi Road, einer der Hauptverkehrsstraßen Bangkoks, in einem schicken Gebäude wiedereröffnet. Das gesamte Mobiliar, samt schweren Holztischen, roten Kissenbezügen, Bierkrügen, Geweih und Stammtisch-Schild, kam mit.

„Wir haben alles gegeben, damit die Atmosphäre genauso ist wie vorher und die Leute sich zu Hause fühlen“, erzählt Kevyn Michel, der den Laden 2017 zusammen mit seinem deutschen Ehemann Sven übernommen hatte. Seit dem überraschenden Tod seines Partners vor zwei Jahren führt der Thai das Geschäft alleine - aber mit tatkräftiger Unterstützung deutscher Berater, wie etwa des Auswanderers Hermann Quint. „Ist doch ein bisschen wie in Düsseldorf hier, in den Lokalen direkt am Rhein, oder?“, fragt der und deutet auf den Kanal, der direkt an der Außenterrasse vorbeifließt.

Aber warum dieser Umzug? Es sei einiges zusammengekommen, sagt Kevyn Michel. „Das Haus in der Sukhumvit Soi 20 war aus Holz und stattliche 65 Jahre alt.“ Termiten befielen das Gebäude, und auch sonst häuften sich die Kosten für dringende Renovierungsarbeiten. Als der Besitzer dann noch mitten in der Pandemie die Miete erhöhen wollte, sei das Fass übergelaufen. „Es ging einfach nicht mehr. Wegen der Krise mussten wir eh schon viele Mitarbeiter entlassen: Statt 70 Angestellten haben wir derzeit nur noch 40“, erzählt der 48-Jährige.

Selbst gemachte Spätzle

Der Name der Gastwirtschaft rührt übrigens von ihrem Gründer: Der nach Thailand ausgewanderte Otto Duffner hatte sich Anfang der 1980er Jahre mit dem Laden selbständig gemacht. Unter seiner Führung lernten Thailänder das Schunkeln und Japaner, was Hausmacherwurst ist. „Schwarzwald-Otto“ nannten sie den Koch aus Königsfeld liebevoll. Fußballer des FC Bayern München, TV-Stars und Politiker aus zahlreichen Bundesländern probierten hier selbst gemachte Spätzle, gefüllte Rindsroulade, Schweinshaxe und Apfelstrudel.

Aber nach vielen Jahren harter Arbeit verkaufte Duffner 2013 sein Geschäft. Zunächst übernahm ein Engländer - und es ging bergab mit „Bei Otto“. Quint erinnert sich: „Ich bin jahrelang überhaupt nicht mehr hingegangen.“

Erst Sven Michel und Ehemann Kevyn führten das Lokal nach ihrer Übernahme vier Jahre später wieder zu altem Glanz. Auch die Promis kamen wieder, um ein Helles zu Jägerschnitzel und Leberkäse zu trinken. Selbst Mitglieder der Königsfamilie hätten schon bei „Otto“ diniert, erzählt der Chef stolz. „Ich will, dass "Bei Otto" so bleibt, wie es immer war - und ich möchte natürlich die Arbeit und das Vermächtnis von Sven ehren, der so viel in unser Projekt gesteckt hat“, betont er und deutet auf die Speisekarte. Die Gerichte seien die gleichen wie beim Gründer - und würden auch weiter exakt nach dessen Rezepten zubereitet.

Es gibt auch Körnerbrot und Brezeln

Noch sind die meisten Tische leer. Aber schon in den nächsten Wochen sollen die Corona-Beschränkungen in Bangkok gelockert und der internationale Tourismus wiederbelebt werden. Dann wird auch die angegliederte deutsche Bäckerei wieder öffnen, mit Körnerbrot und Brezeln. Darauf haben viele Deutsche in der Stadt sehnsüchtig gewartet. Und auch der wöchentliche Frühschoppen, das bayerische Frühstück und der Stammtisch erleben dann ein Comeback.

Das Oktoberfest bei „Otto“ - seit Jahrzehnten das Highlight für alle Stammkunden - will Kevyn Michel nachholen, sobald das Feiern wieder erlaubt ist. „Vielleicht im Dezember“, sagt er und zieht sich die Lederhose zurecht. Dann fügt er hinzu: „Im Herzen bin übrigens auch ich zu 50 Prozent ein Deutscher.“

Kevyn Michel, Besitzer des Traditionslokals „Bei Otto“, in Bangkok.
Kevyn Michel, Besitzer des Traditionslokals „Bei Otto“, in Bangkok.
Carola Frentzen/dpa