Zwischenfall in Leipzig

Kollegah: Rapper soll 18 000 Euro wegen Körperverletzung zahlen

Leipzig - Rapper Kollegah soll eine Geldstrafe wegen Körperverletzung zahlen, nachdem er während eines Konzerts in Leipzig einen Fan verprügelt hat.

Von Axel Spilcker 19.08.2017, 13:54
Rapper Kollegah hat einen Fan beim Konzert in Leipzig ins Gesicht geschlagen.
Rapper Kollegah hat einen Fan beim Konzert in Leipzig ins Gesicht geschlagen. imago stock&people

Es schien wie immer zu sein. Beim Start seiner Imperator-Tour in Leipzig bat der Rapper Kollegah zwei Zuschauer auf die Bühne. Die Auserwählten sollten sich musikalisch quasi bekriegen. In der Szene spricht man von einem Battle-Rap. Zwei Hip Hopper kämpfen um die Krone des besten Sprech-Sängers.

Doch an diesem Märzabend 2017 im Haus Auensee lief die Geschichte aus dem Ruder. Einer der beiden Bühnengäste, sichtlich betrunken, suchte dem bekannten Rapper die Sonnen-Brille vom Kopf zu reißen. Aber der Bosse der Bosse, wie sich Kollegah auch gerne nennt, kannte da keinen Spaß.

Aufgebracht erhob sich der bullige Künstler aus der Hocke, schubste den Bühnengast. Nach einem kurzen Wortwechsel rammte der Rapper dem Fan sein Bein in den Schritt und schlug ihn von der Bühne. „Guck mal, du kannst den Boss als Fake bezeichnen“, wird der Top-Star der deutschen Hip-Hop-Szene später posten, „als Wannabe-Zuhälter, er trifft den Takt nicht – aber fass’ ihm nicht an seine 1 000-Dollar-Versace-Brille, bitte!“

Rapper Kollegah attackiert Fan bei Konzert in Leipzig: Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Attacke brachte die Staatsanwaltschaft Leipzig auf den Plan. Monatelang wurde ermittelt. Wie die MZ nun aus Justizkreisen erfuhr, hat die Musikgröße einen Strafbefehl wegen vorsätzlicher Körperverletzung erhalten. Kollegah, bürgerlicher Name Felix Blume, 33, soll 18 000 Euro Geldstrafe zahlen, aufgeteilt in 90 Tagesätzen zu je 200 Euro.

Sein Verteidiger Gottfried Reims aus Köln hat bereits Einspruch gegen diesen Entscheid des Amtsgerichts Leipzig eingelegt. „Mein Mandant ist von dem vermeintlichen Opfer eindeutig provoziert und attackiert worden“, erläutert der Anwalt gegenüber der MZ.

So soll der Mann seinen Mandanten als Hurensohn beleidigt haben, „Dieser angebliche Fan hat meinem Klienten die Brille wegnehmen wollen. Außerdem hat er ihn wüst beschimpft und Anstalten gemacht, ihn weiter anzugreifen. Daraufhin hat mein Mandant in einer Notwehrsituation gehandelt und einmal zurückgeschlagen.“

Kollegah, der sich als „Westdeutschlands King“ bezeichnet und seine abgehackten Reimstampeden früher auch mal als Zuhälterrap bezeichnete, hatte schon 2013 Ärger mit der Justiz. Nach einem Auftritt in Freilassing hatte er einen Gast niedergeschlagen und dessen Freund die Nase gebrochen. Der Rapper aus dem Pfälzischen sprach von erneut von Notwehr, die Kammer verhängte eine Geldauflage in Höhe von 46.000 Euro.

Juristischer Ärger für Rapper Kollegah: Darum passt der Streit zum Image

Ärger passt zum Image des Pseudo-Gangster-Milieus. Wer sich nicht wehrt, der gilt nichts. Kollegah zählt zu den Top-Sellern der hiesigen Musikbranche. Mit seinem Titel Genozid verdrängte er 2015 Helene Fischer auf Platz zwei der deutschen Charts.

In seinen Songs und Videos geriert sich der bärtige Branchen-Primus als harter Macker. In seinem Rap geht es nach eigner Aussage um Grundwerte wie Zielstrebigkeit, Ausdauer und Geduld sowie körperliche und geistige Fitness für ein „sauberes und erfolgreiches Leben“ zu vermitteln. Unter dem Titel „Bosstransformation“ brachte der muskulöse gebürtige Pfälzer sogar sein eigenes Fitness- und Ernährungsprogramm auf den Markt.

Mit 15 Jahren zum Islam konvertiert, umgibt sich Kollegah gerne mit Statussymbolen und devotem Personal - mit einem Butler und „Pasa“, seinem bosnischen Leibwächter. Gradlinigkeit zählt genauso zur Textagenda wie ständige Fehden mit namhaften Konkurrenten. (mz)