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  7. Gil Ofarim klagt über Antisemitismus in Leipziger Hotel - Staatsanwaltschaft soll prüfen

Wegen Davidstern diskriminiert
 
Nach Antisemitismus-Vorwurf gegen Leipziger Hotel: Anzeige gegen Gil Ofarim 

Seinen Besuch in Leipzig hat sich Gil Ofarim sicher anders vorgestellt: Auf Instagram behauptet der Musiker sichtlich erschüttert, in einem Hotel diskriminiert worden zu sein. Nun wurde der Musiker wegen Verleumdung angezeigt.

Aktualisiert: 06.10.2021, 13:04
Weil er einen Davidstern trug soll Gil Ofarim in einem Leipziger Hotel diskrimieniert worden sein (Archivbild).
Weil er einen Davidstern trug soll Gil Ofarim in einem Leipziger Hotel diskrimieniert worden sein (Archivbild). (Foto: Tobias Hase/dpa)

Leipzig/DUR/thj/dpa/Alexander Schierholz - Nach dem Antisemitismus-Vorwurf des Sängers Gil Ofarim gegen das Leipziger Hotel „Westin“ liegt eine Anzeige gegen Ofarim vor. Der beschuldigte Mitarbeiter des Hotels habe den Musiker wegen Verleumdung angezeigt, sagte eine Polizeisprecherin in Leipzig am Mittwoch der MZ.

Der Mann schildere den Vorwurf „abweichend“ von den Äußerungen des Musikers in seinem Video. Damit liegen der Polizei mittlerweile drei Anzeigen zu dem Vorfall vor. Wegen Äußerungen in sozialen Netzwerken habe der Mitarbeiter auch eine Anzeige wegen Bedrohung gegen unbekannt gestellt, so die Sprecherin. Zudem gebe es eine Online-Anzeige eines Unbeteiligten wegen Volksverhetzung.

Ofarim hatte in dem Video am Dienstag erklärt, das Hotel habe ihm wegen seines offen an einer Kette getragenen Davidsterns das Einchecken verweigert. Der Vorfall hatte bundesweit Empörung ausgelöst. Das Hotel hat mittlerweile zwei Mitarbeiter beurlaubt. Am Dienstagabend hatten mehrere hundert Menschen vor dem „Westin“ gegen Antisemitismus und Diskriminierung demonstriert.

Was war passiert?

Gil Ofarim wollte am Montagabend, 04. Oktober 2021, im Hotel „Westin Leipzig“ übernachten. Dabei habe sich beim Einchecken eine lange Schlange gebildet, die offenbar durch technische Probleme verursacht wurde.

Gil Ofarim im „Westin Leipzig“ wegen Davidstern diskriminiert?

Als der Musiker bemerkte, dass andere Gäste vorgezogen wurden, erkundigte er sich beim Manager nach dem Grund dafür. Dieser habe ihm zunächst gesagt, dass dadurch die Schlange entzerrt werden soll. Eine Antwort, mit der sich Ofarim nicht zufrieden gab, schließlich habe er sich genau wie die anderen Gäste angestellt.

Daraufhin habe ein Mann aus der Menge ihn aufgefordert, seinen Davidstern, den er als Kette um den Hals trug, einzustecken. Auch der Manager bekräftigte daraufhin die Forderung: Wenn er den Stern wegstecken würde, könne er einchecken.

Gil Ofarim schockiert von Antisemitismus in Deutschland

Ofarim zeigte sich von dem Vorfall sichtlich geschockt: „Haben wir denn nichts aus der Vergangenheit gelernt? Bin sprachlos! Es ist nicht das erste Mal, aber irgendwann reicht es“, schreibt er auf Instagram.

Es sei erschreckend, dass Antisemitismus in Deutschland auch im Jahr 2021 noch so stark verbreitet sei. In der Vergangenheit hatte Ofarim bereits mehrfach davon berichtet, wegen seines Glaubens diskrimiert worden zu sein.

Auf Instagram und Twitter solidarisierten sich zahlreiche Nutzer mit dem Musiker und sprachen ihm Trost zu. In den sozialen Netzwerken wurde zu einer Demonstration am Dienstagabend vor dem Hotel aufgerufen.

Staatsanwaltschaft soll Vorfall prüfen

Olaf Hoppe, Sprecher der Leipziger Polizei, sagte, dass die mutmaßliche Aussage des Hotelangestellten für ihn „klar antisemitisch“ sei. Die Polizei werde Inhalte des Videos an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, die eine strafrechtliche Relevanz prüfe.

Je nach Ergebnis werde dann weiter ermittelt oder nicht. Wie Hoppe weiter erklärte, war die Polizei bei dem Vorfall nicht vor Ort. Mit Ofarim habe man bislang nicht gesprochen. Die Behörde kenne sein Video und habe es gesichert.

„Westin Leipzig“ will Vorfall aufklären

Ein Sprecher des „Westin Leipzig“ sagte, dass man sehr besorgt über den Bericht sei und die Angelegenheit extrem ernst nehme. Das Unternehmen versuche, Ofarim zu kontaktieren, um herauszufinden, was passiert sei.

„Unser Ziel ist es, alle unsere Gäste und Mitarbeiter zu integrieren, zu respektieren und zu unterstützen, unabhängig davon, welcher Religion sie angehören“, schrieb das Unternehmen am Nachmittag auf Instagram.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, schrieb dazu in einem Statement beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Anfeindung erschreckend sei. Es sei zu hoffen, dass das Hotel personelle Konsequenzen ziehe. Er hoffe ebenso, „dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden“.

Antisemitischer Vorfall vor Geburtstag von Vater Abi Ofarim

Ofarim selbst wollte sich zu dem Vorfall am Dienstag auf dpa-Anfrage zunächst nicht äußern. Sein Management teilte mit, dass er die Vorkommnisse in Leipzig erst einmal verdauen müsse und sichtlich schockiert sei.

„Heute wäre der Geburtstag seines Vaters gewesen, deshalb möchte er zu diesem Thema auch erst einmal keine weiteren persönlichen Interviews geben“, hieß es. Der Tag sei generell schon schwer genug für ihn. Man bitte um Nachsicht und Verständnis.